Zum Hauptinhalt springen

Der lange Weg zur Piazza

Seit zehn Jahren werkelt die Gemeinde Kappelen an einem neuen Dorfkern herum. Und noch immer sind die Pläne nicht konkret. Wir haben überhaupt keinen Stress, findet Gemeindepräsident Hans-Martin Oetiker.

Der «Schandfleck» von Kappelen: Das Schlachthaus (links) und das Lanzhaus (Holzbau rechts) sollen bald abgerissen werden. Foto: Raphael Moser
Der «Schandfleck» von Kappelen: Das Schlachthaus (links) und das Lanzhaus (Holzbau rechts) sollen bald abgerissen werden. Foto: Raphael Moser

«Das Dorf wünscht sich eine Piazza». So titelte diese Zeitung vor ziemlich genau acht Jahren. «Das Dorfkern-Projekt ist gescheitert» zwei Jahre später, 2014. Nun, im Jahr 2020, bastelt die Gemeinde Kappelen noch immer an einem neuen Dorfplatz herum. Die Gebäude, die sich auf den beiden Parzellen befinden, sind «weder schützenswert noch sanierungswürdig», lässt sich Gemeindepräsident Hans-Martin Oetiker (parteilos) zitieren.

Sie müssen abgerissen werden, und zwar lieber gestern als heute. Denn insbesondere das Schlachthaus und das Lanzhaus sind dermassen baufällig, dass es gefährlich wird. Andererseits habe der Platz das Potenzial, den Dorfkern zu beleben, ist der Gemeinderat überzeugt.

Eine teure Sache

Doch was soll auf den 3482 Quadratmetern entstehen? Eine Begegnungszone mit Bäumen, Bänken, einem Beizli? Eine Wohnüberbauung? Mehrmals lud der Gemeinderat die 1400 Einwohner ein, ihre Ideen einzubringen zur Zukunft dieser letzten gemeindeeigenen Bauparzelle im Dorf.

Der Grundtenor war klar: Im jetzigen Zustand ist der Platz ein «Schandfleck». Doch soll nicht nur gebaut werden, sondern auch Freiraum entstehen. Mit der Aufgabe, so viele Wünsche auf so wenig Raum zu packen, war die Gemeinde überfordert. Sie holte den Denkmalschutz an Bord, dann die Architekten.

«Wir wollen lieber eine gute Sache haben, als auf die Schnelle ein Projekt aus dem Bodenzu stampfen, das den Einwohnern missfällt.»

Hans-Martin OetikerGemeindepräsident

Ein erstes Projekt mit Mehrfamilienhäusern landete fixfertig ausgearbeitet in der Schublade. Plötzlich sahen die Kappeler keinen Bedarf mehr für eine 10-Millionen-Übung. 2014 brach der Gemeinderat diese ab und setzte dabei 30000 Franken in den Sand.

Eine gute Sache

Kurz darauf schob die damalige Gemeindepräsidentin das dicke Dossier an Nachfolger Oetiker weiter. «Wir haben ja keinen Stress», sagt dieser heute. Lieber wolle man eine «gute Sache» haben, statt auf die Schnelle ein Projekt aus dem Boden zu stampfen, das den Einwohnern missfällt. «Das ist Kappeler Kultur», sagt er. So forderten die Behörden im Sommer 2019 erneut zum Mitwirken auf. «Neue Ausgangslage, neue Fragestellung» titelte das Gemeindeblatt.

Zwei neue Trümpfe sind im Spiel: Erstens hat die Gemeinde heute mehr Geld als 2014, zweitens sind potenzielle Investoren mit an Bord. Einerseits beabsichtigt die Firma Perrot Immo AG aus Meinisberg, das Areal mit Alterswohnungen zu überbauen. Andererseits hat sich mittlerweile die Burgergemeinde Kappelen ins Rennen gebracht, um sich an einer Überbauung zu beteiligen.

Aber: Es gibt nicht nur Schwarz oder Weiss, sondern viele Grautöne. Soll das Land verkauft oder im Baurecht abgegeben werden? Soll oberirdisch parkiert oder eine Einstellhalle gebaut werden? Soll man anstelle des privaten Investors doch lieber mit der Burgergemeinde zusammenarbeiten? «Sie werden feststellen, dass zum heutigen Zeitpunkt nicht alle Fragen bis ins letzte Detail geklärt sind», steht im Gemeindeblatt.

Eine emotionale Sache

Und jetzt? Vor acht Jahren wollte niemand Geld in einen neuen Dorfplatz investieren. Nun sieht es laut Hans-Martin Oetiker anders aus. «Die Mitwirkung zeigte, dass die Mehrheit eine Neugestaltung des Areals begrüssen würde.» Es könnte also konkret werden. Doch wann? Schritt für Schritt wolle man nun vorwärtsgehen. Es sei ein konkretes Angebot eines Investors da, man könne sich Zeit lassen. Nume nid gschprängt heisst das auf gut Berndeutsch.

Immerhin: Im Januar (2020) wurden die Abrissgesuche für die baufälligen Gebäude im Amtsanzeiger publiziert. Die Frist verstrich ohne Einsprachen. Man kann also loslegen. Könnte. Das marode Schlachthaus wird tatsächlich noch in diesem Jahr das Zeitliche segnen. Im Verlauf der nächsten zwei bis drei Jahre folgen gestaffelt die anderen Objekte. «So was ist immer auch emotional», so der Gemeindepräsident. Man wolle den Leuten genug Zeit lassen, mit der neuen Situation zurechtzukommen.

Ein leerer Platz also. Bereit für frischen Wind. Am Schluss werden die Kappeler das letzte Wort haben. Den Volksentscheid zu einem konkreten Projekt werden sie an einer Gemeindeversammlung fällen. Wann könnte das ­Geschäft auf der Traktandenliste landen? Gemeindepräsident ­Oetiker sagt: «Wir sprechen hier von einer Langzeitplanung. Zeit ist kein primärer Faktor.»

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch