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Putsch gegen den Trainer

VolleyballVolley Köniz hat das erste Spiel im Playoff-Halbfinal (Best of 5) gegen Voléro Zürich 1:3 verloren. Die erwartete Niederlage rückte rasch in den Hintergrund. Der Könizer Vorstand hat Trainer Dirk Gross nahegelegt, den Verein zu verlassen.

Die Playoffs sind die wichtigste Phase der Saison, wo einzig und alleine der sportliche Erfolg im Zentrum steht. Könnte man meinen. Doch die 1:3-Niederlage (17:25, 15:25, 25:23, 13:25) von Volley Köniz gegen Voléro Zürich in der ersten Partie der Halbfinalserie avancierte zur Nebensache. Nach dem Spiel gab Trainer Dirk Gross bekannt, der Vorstand habe ihn gebeten, seinen Vertrag per Ende Saison aufzulösen. «Zwei Drittel der Spielerinnen haben scheinbar den Vorstand aufgefordert, sich von mir zu trennen. Sonst würden sie sich im Sommer einen neuen Verein suchen», sagte der deutsche Übungsleiter. Eigentlich wollte der 46-Jährige nur über die Gründe der Niederlage sprechen. Dabei äusserte er die Vermutung, dass er eventuell seine Spielerinnen nicht mehr erreichen würde. Um dann fast nebenbei, im Satz darauf, die Bombe platzen zu lassen. «Einfach so gehe ich nicht» Ob Dirk Gross der Forderung der Mehrzahl seiner Spielerinnen nachkommt und nach vier Jahren den Verein verlässt, liess er offen. «Ich habe noch einen laufenden Vertrag bis zum Ende der nächsten Saison. Einfach so gehe ich nicht. Schliesslich bin ich als Familienvater auf meinen Lohn angewiesen. Es kann aber sein, dass ich mit dem Vorstand eine Lösung finden werde. Zum Beispiel in Form einer finanziellen Entschädigung.» Das Tischtuch zwischen Trainer und Vorstand ist zerschnitten. Trotzdem löste die Nachricht bei den Könizer Akteurinnen scheinbar Verwunderung aus. «Das ist eine grosse Neuigkeit für mich», sagte etwa Captain Antonina Poljakowa. Sie habe von all dem nichts gewusst. Welche Spielerinnen in den «Putsch» verwickelt seien und wie ihr Verhältnis zum Trainer sei, wollte oder konnte sie nicht sagen. «Wir stehen momentan mitten in den Playoffs. Das ist das einzig Wichtige. Der Rest interessiert mich nicht», blockte die 26-Jährige alle weiteren Fragen ab. Auch VR-Mitglied Beat Ackermann, der starke Mann im Klub, mochte Gross’ Aussagen nicht kommentieren. Er äussere sich zu keinen Sachverhalten, welche die folgende Saison beträfen. Bereits vor dem Playoff-Halbfinal sorgte die Nachricht, dass sich Volley Köniz per Ende Saison von Assistenztrainer Maik Lindner trennen wird, für Aufsehen. Eine Meldung, die Beat Ackermann korrigieren möchte. Man habe ihm lediglich als Geschäftsstellenleiter gekündigt, ihm aber offen gelassen, weiterhin als Assistent tätig zu sein. Der Service als Qualitätsindikator Die Ereignisse nach dem Spiel übertünchten das Spielgeschehen. Die Partie hatte ihren erwarteten Lauf genommen. Zwar konnte Volley Köniz einen Satz gewinnen, war aber im Grossen und Ganzen chancenlos. Bei Voléro hatte man den Eindruck, dass es stets einen Gang hätte höher schalten können. Die Zürcherinnen verfügen über ein Ensemble, das in der Schweiz seinesgleichen sucht. Nicht nur in der Spitze, auch in der Breite ist die Equipe vorzüglich besetzt. Der Qualifikationssieger konnte sich sogar erlauben, die beste Akteurin, die 21-jährige Kroatin Jelena Alajbeg, im Hinblick auf das Champions-League-Viertelfinal-Rückspiel vom nächsten Mittwoch zu schonen. An ihrer Stelle spielte Mandy Wigger, die einzige Schweizerin, die in den Reihen von Voléro regelmässig zum Einsatz kommt. Die 23-jährige Nationalspielerin agierte stark und liess sich am Schluss dreizehn Gewinnpunkte notieren. Besonders auffällig wurde der Qualitätsunterschied beim Service. Mit ihren druckvollen Aufschlägen stellten die Zürcherinnen Köniz vor grosse Probleme. Immer und immer wieder konnten die Bernerinnen ihre Angriffe nicht wie gewünscht einleiten. Erschwerend kam hinzu, dass Libera Maria Bertelli einen schlechten Tag einzog. Auch Antonina Poljakowa zeigte sich enttäuscht über das Gezeigte. «Ich bin mit meiner, aber auch mit der Teamleistung gar nicht zufrieden.» Trainer Dirk Gross bescheinigte einzig Jennifer Salgado, eine gute Partie gezeigt zu haben. Ein verheerendes Urteil, bedenkt man, dass die 23-Jährige jeweils nur am Satzende zum Einsatz kam. Trotz den delikaten Umständen und der Tatsache, dass sich einige Spielerinnen gegen ihn ausgesprochen haben: Dirk Gross gibt nicht auf. Er appelliert an seine Akteurinnen: «Wenn sie nicht für mich, die Mitspielerin oder den Verein spielen, dann zumindest für sich.»Dominic WuilleminResultate/Telegramm Seite 29>

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