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Proteste in Bahrain blutig niedergewalzt

PolizeieinsatzIn Bahrain droht die Situation ausser Kontrolle zu geraten. Die Sicherheitskräfte haben eine friedliche Demonstration im Zentrum der Hauptstadt Manama mit brutaler Gewalt beendet. Vier Menschen wurden getötet.

Im Golfstaat Bahrain haben Sicherheitskräfte die Protestbewegung niedergeschlagen. Mindestens vier Menschen wurden laut Opposition in der Hauptstadt Manama in der Nacht auf gestern getötet, als Sondereinheiten einen von Demonstranten besetzten Platz räumten. Das Gesundheitsministerium des Landes sprach von drei Toten und rund 200 Verletzten. Nach Angaben von Zeugen und der Opposition gingen die Sicherheitskräfte mit Tränengas, Gummigeschossen und Splittermunition gegen die Demonstranten auf dem sogenannten Perlen-Platz vor. Dort kampierten seit Dienstag etliche Menschen, um ihren Forderungen nach einem Systemwechsel Nachdruck zu verleihen. Gestern bezogen dutzende Panzer im Stadtzentrum Stellung. Weitere Armee-Fahrzeuge wurden laut Augenzeugen aus dem Norden des Landes nach Manama beordert. Das Innenministerium begründete das brutale Vorgehen der Sicherheitskräfte mit der Unnachgiebigkeit einiger Demonstranten. Der Platz sei geräumt worden, nachdem «alle Möglichkeiten eines Dialogs ausgeschöpft» gewesen seien, hiess es in einer Erklärung, die von der amtlichen Nachrichtenagentur BNA verbreitet wurde. Mit dem Einsatz des Militärs versuchten die Herrscher Bahrains nun offenbar, den aus Tunis und Kairo übergesprungenen Funken der Revolution auszutreten. Angst vor Iran Eine längere Krise, so die Befürchtung, könnte sich zu einem Zündfunken zwischen dem Iran und seinen arabischen Rivalen am Persischen Golf entwickeln. Das kleine Königreich ist mit rund 711 Quadratkilometern Fläche nicht einmal so gross wie der Kanton Solothurn, aber als Standort der 5. US-Flotte wichtig für die Sicherheitsstrategie Washingtons in der Region. Bahrain liegt zwar neben den OPEC-Schwergewichten Saudiarabien und Katar, seine eigenen Öl- und Gasvorräte gehen aber zur Neige. Daher hat es sich als regionales Finanzzentrum und als Freizeitoase vor allem für wohlhabende Gäste aus dem sittenstrengen Saudiarabien profiliert. 70 Prozent der gut 500000 Einwohner Bahrains gehören der schiitischen Glaubensrichtung des Islams an – eine Folge der persischen Herrschaft über das Inselreich in früheren Jahrhunderten. Der grosse Nachbar Die Herrscherdynastie Al Khalifa dagegen, die seit über 200 Jahren die Geschicke Bahrains bestimmt, ist sunnitisch. Sie ist eng verbündet mit dem grossen Nachbarn Saudiarabien und kann auf die feste Unterstützung der anderen sunnitischen Scheichs und Monarchen am Golf rechnen. Die schiitische Mehrheit klagt schon lange über Diskriminierung und schlechte Behandlung durch die sunnitische Oberschicht und fordert stärkere politische und gesellschaftliche Teilhabe. Reformen wie die Einführung von Parlamentswahlen haben ihnen zwar grössere Möglichkeiten eröffnet, doch sie kritisieren nach wie vor, von Führungspositionen in Politik und Militär ausgeschlossen zu sein. Schon voriges Jahr kam es zu wochenlangen Protesten und Zusammenstössen sowie einer Verhaftungswelle gegen mutmassliche Regimegegner und einem Prozess gegen 25 Schiiten unter dem Vorwurf der staatsfeindlichen Verschwörung. Auf dem Perlen-Platz wurde nun erstmals die Forderung nach einem Ende der Dynastie Al Khalifa laut. sda>

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