Zum Hauptinhalt springen

Pro Audito bietet Hilfe für Hörbehinderte

ThunHeute findet die 92. Delegiertenversammlung von Pro Audito statt. Pro Audito

Seit fast 100 Jahren gibt es den Verein Pro Audito in der Schweiz. Er vertritt die Anliegen der Hörbehinderten in der Öffentlichkeit, führt Verständigungskurse durch und organisiert gesellschaftliche Anlässe. Früher hatten Hörbehinderte praktisch keine Unterstützung. Personen, die hörgeschädigt waren, galten als dumm. Den Kindern glaubte man häufig nicht und antwortete einfach mit «Los doch mau zue». Manchmal wurden sie gar nicht erst ernst genommen. Auch bei Lilly Berchem, Präsidentin von Pro Audito Thun – Oberland Ost, bemerkte man die Hörschwäche erst bei einer Schuluntersuchung. «Als ich mein erstes Hörgerät bekam, habe ich beim Laufen ständig nach hinten geschaut, weil ich es nicht mehr gewohnt war, meine eigenen Schritte zu hören.» Akzeptanz ist ein Problem Früher gab es kaum Hilfsmittel. Heute sind verschiedenste Hörgeräte, Telefone und Beschallungsanlagen auf dem Markt. Ein grosses Problem stellt aber immer noch die Akzeptanz in der Öffentlichkeit dar. Zwar gibt es an öffentlichen Veranstaltungen oft sogenannte Ringanlagen, dabei wird der Ton über eine Induktionsschleife direkt auf das Hörgerät übertragen. Eine solche Anlage findet sich beispielsweise im KKThun. Doch vor allem bei älteren Personen, die ein Hörgerät bräuchten, sei die Akzeptanz nicht da. «Ein Mann hat mich mal gefragt, ob er mit dem Hörgerät nur noch ein halber Mann sei», erzählt Berchem. Die jüngeren Generationen gehen lockerer damit um, stellt sie fest. Altersschwerhörigkeit steigt Zugenommen hat in den letzten Jahren besonders die Schwerhörigkeit im Alter. Die meisten Neumitglieder im Verein sind ältere Leute, die mit ihrer Altersschwerhörigkeit klarkommen müssen. Für sie ist auch der soziale Aspekt wichtig. Besonders ältere Leute schätzen es sehr, wenn sie mit Leuten sprechen können, die genau das gleiche Problem haben wie sie. «Es stärkt das Zusammengehörigkeitsgefühl, es ist ein bisschen wie bei einer Selbsthilfegruppe», macht Berchem den Vergleich. Die Altersschwerhörigkeit ist heimtückisch. Durch die langsame Abnahme der Hörfähigkeit nimmt man sie gar nicht wahr. Unangenehm sei es nicht, «im Gegenteil, es ist angenehm, wenn der ganze Krach nicht mehr da ist», sagt Lilly Berchem. Hören nicht gleich verstehen Das Problem ist meist nicht das Hören, sondern das Verstehen. Dies ist auch ein Grund, wieso Schwerhörigkeit zum Teil erst spät erkannt wird. «Die Musik hört man noch lange, aber der Sinn der Sätze geht meistens verloren.» In Verständigungskursen wird darum das Lippenlesen gelernt. Die nicht verstandenen Wörter können so ersetzt werden. Idee während Gottesdienst Der Verein wurde von einer deutschen Adeligen gegründet. Als sie bei einem Gottesdienst bemerkte, dass viele Leute Probleme mit dem Hören oder besser mit dem Verstehen hatten, beschloss sie, etwas dagegen zu tun. Sie gründete einen Verein, der später auch die Interessen von hörbehinderten Menschen in der Schweiz vertritt. Im Verlauf der Jahre hat sich auch die Mitgliedschaft von Pro Audito verändert. Als Lilly Berchem eingetreten ist, waren die Mitglieder jünger. Heute sind sie über dem Pensionsalter. «Jugendliche und Kinder haben wir leider fast keine.» Diese würden häufig über die elektronischen Mittel kommunizieren. Handy, Facebook und Co. sind geeignete Mittel für Hörbehinderte, um sich zu verständigen. «Für Leute mit einer Hörbehinderung ist das grossartig», sagt Lilly Berchem. Pro Audito gegen IV-Revision Pro Audito machte in der letzten Zeit vor allem im Zusammenhang mit der 6.IV-Revision von sich reden. Denn das neue Sparprogramm werde vor allem auf dem Rücken der Hörbehinderten ausgetragen, sagt Pro Audito Schweiz. Die IV sieht vor, ab Juli 2011 eine Pauschale von 840 Franken für den Kauf eines Hörgerätes auszuhändigen. Dies ist ein zu kleiner Betrag, findet Pro Audito. Ausserdem würden die Beiträge nach dem Giesskannenprinzip verteilt. «Wir haben Angst, dass beschissen wird», sagt Lilly Berchem. Pro Audito versucht nun aus ihrer Sicht, das Schlimmste zu verhindern. Eine Antwort auf den offenen Brief an Bundesrat Didier Burkhalter hat Pro Audito noch nicht erhalten. «Das Schlimmste ist, dass alles auf dem Rücken der Geschädigten ausgetragen wird. Die Akustiker und die Hörgerätehersteller haben keine Einbussen zu befürchten», ärgert sich die Präsidentin von Pro Audito Thun. Laila Huber>

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch