Zwei Frauen, zwei Fragezeichen und ein politischer Farbtupfer

Spiez

Wer übernimmt Ende Jahr das Gemeindepräsidium von Franz Arnold (SP)? Nach der Kandidatur von Parteikollegin und Gemeinderätin Ursula Zybach ist nun auch die von SVP-Vizegemeindepräsidentin Jolanda Brunner offiziell.

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Es nimmt merklich Fahrt auf, das Kandidatenkarussell für die Neubesetzung des Spiezer Gemeindepräsidiums per 2017. Die Wahl wird nötig, nachdem der amtierende Gemeindepräsident Franz Arnold (SP) am 29. Februar bekannt gegeben hat, dass er sich nach 14-jähriger Amtszeit per Ende Jahr in den vorzeitigen ­Ruhestand verabschiedet.

Seither treibt die Spiezerinnen und Spiezer die Frage um, wer denn ins Wahlrennen um das mit 210'000 Franken besoldete Vollamt steigen wird.

Die zwei Frauen ...

Das Kandidatenkarussell dreht sich schnell und schneller, dessen Passagiere gewinnen an Kontur: Am Samstag gab Gemeinde- und Grossrätin Ursula Zybach anlässlich der 1.-Mai-Feier ihre Kandidatur bekannt. «Die Maifeier als das Fest von uns Linken fand ich passend für die Bekanntgabe», sagte sie am Dienstag.

Der Entscheid, sich für die angestrebte Verteidigung des Spiezer SP-Präsidiums zur Verfügung zu stellen, sei Ende März beim Skifahren am Zweisimmner Rinderberg so richtig gereift. Die 48-jährige Lebensmittelingenieurin ETH betonte, dass die Nomination ihrer Partei vom 11. Mai noch ausstehend sei, was sie durchaus ernst nehme.

Auf die Frage, ob die Zeit für die erste Gemeindepräsidentin (seit Einführung des Vollamtes 1977) nicht überreif sei, meinte Zybach, dass es zwar schön wäre, würde eine Frau gewählt, dies für sie jedoch nicht zentral sei. «Wichtiger ist für mich, dass eine Person gewählt wird, die über die nötigen Fähigkeiten für das Amt verfügt.»

Wie sie sagte, könnte sie Anfang Jahr «problemlos starten», sie habe im Moment zwei fixe Verpflichtungen: das Amt als Finanzvorsteherin von Spiez und ihr Mandat im bernischen Grossen Rat. Letzteren wird sie als aktuell 2. Vizepräsidentin ab Juni 2017 während eines Jahres präsidieren. Aber: Lassen sich die Ämter als Gemeindepräsidentin und Grossrätin unter einen Hut ­bringen?

«Ich erachte dies als bereichernd. Es gibt verschiedene Beispiele dafür, dass dies sehr wohl möglich ist – Elisabeth Zäch in Burgdorf oder Raphael Lanz in Thun.» Die Spiezerin, deren Vater Walter im Gemeinderat ihr Vor-Vor-Vorgänger als Finanzvorsteher war, stellt in Aussicht, dass sie einen Teil der Grossratsentschädigung an die Kommune abgeben würde.

«Für mich ist das bei einem 100-Prozent-Pensum klar.» Ursula Zybach findet es wichtig, dass es zu einer echten Wahl um das Präsidium kommen wird.

Dass dem so sein wird, ist seit Montagabend auch offiziell klar: An ihrer Hauptversammlung hat die lokale SVP-Sektion Jolanda Brunner-Zwiebel fürs Gemeindepräsidium nominiert. Sie amtet heute als Spiezer Vizegemeindepräsidentin.

«Daher war es für viele Leute naheliegend, dass ich die Kandidatin bin», sagte sie auf Anfrage. Ihrem Wissen nach gibt es im Kanton Bern zurzeit keine bürgerliche Frau als Gemeindepräsidentin im Vollamt. Jolanda Brunner glaubt, ihr breites Wissen in der Gemeinde sei einer ihrer Pluspunkte – wie auch ihre starke Verankerung im lokalen Vereinswesen.

Sollte sie von der Vize- zur Gemeindepräsidentin aufsteigen, würde aus ihrem «durchschnittlichen 50-Prozent-Pensum», das zu 20 Prozent besoldet ist, eines mit 100 Prozent – oder mehr. «Ich bin für meine Themen schon heute immer ansprechbar», meinte die gebürtige Holländerin.

Sie ist ausgebildete Ausbildnerin FA und Mediatorin, verheiratet, zweifache Mutter und Grossmutter einer Enkelin. Am 8. November, zwei Tage nach der Wahl, wird Brunner ihren 55. Geburtstag feiern. «Zwei Legislaturen wären für mich demnach realistisch.» Sie würde sich freuen, das Amt bekleiden zu dürfen.

«Ich könnte die Projekte, die angerissen sind, weiter- sprich zu Ende führen. Heute versuche ich aus der zweiten Reihe Einfluss zu nehmen. Als Gemeindepräsidentin könnte ich direkter einwirken.» Sie glaubt, dass der Spiezer Souverän im Herbst eine gute (Aus-)Wahl haben wird.

... die zwei Fragezeichen ...

Jolanda Brunner ist also «die eine Persönlichkeit», mit der die Bürgerlichen (SVP, FDP, BDP, EDU) geschlossen antreten, wie es SVP-Präsident Ueli Zimmermann Ende Februar verkündet hatte. Oder doch nicht?

Jüngst war in Spiez auch der Name von Heinz Egli, GGR-Mitglied der BDP aus Faulensee, herumgereicht worden. «Am Montag haben sich die Parteispitzen mit Jolanda Brunner und Heinz Egli nochmals besprochen», so Zimmermann am Dienstag.

Kernbotschaft sei, dass die bürgerlichen Parteien im Grundsatz immer noch für eine Kandidatur einstünden. BDP-Präsident Martin Peter bestätigte das auf An­frage. «Zunächst hat es so ausgesehen, als könnte sich Heinz Egli nicht zur Verfügung stellen.»

Eine berufliche Veränderung habe dies dann aber ermöglicht. «Wir entscheiden uns an der Versammlung vom 30. Mai. Ich möchte eine Kandidatur Heinz Eglis heute nicht ganz ausschliessen, wenngleich es tendenziell in Richtung SVP-Nomination geht.»

Auch bleibt vorerst offen, ob die Mittepartei Freies Spiez eine eigene Vertretung ins präsidiale Rennen schicken wird. «Wir haben keinen Druck», meinte Präsident René Barben, «der Entscheid dürfte aber noch vor den Sommerferien bekannt sein.»

... und der Farbtupfer

Die verbleibenden Spiezer Ortsparteien dürften auf eine eigene Kandidatur verzichten. Sicher ist dies bei der EVP, wie Präsident Markus Wenger bestätigte. Und Anna Katharina Zeilstra, Vorsitzende der Grünen, stellte in Aussicht, dass es «eher keine eigene Kandidatur geben wird und wir die SP unterstützen werden».

Was heute hingegen schon so klar ist wie das Amen in der Kirche, ist die Kandidatur des parteilosen Polit-Greenhorns Peter Müller. «Das bringt Farbe in den Wahlkampf», freut sich etwa Mitbewerberin Zybach. Und das Kandidatenkarussell dreht sich weiter ...

Offizielle Eingabefristfür die Spiezer Gemeindewahlen vom 6. November ist am 15. September um 17 Uhr.

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