Zölch ist ein Betrüger – nun drohen weitere Urteile

Franz A. Zölch sei psychisch stark angeschlagen, sagt sein Anwalt. Deshalb habe er den geplanten Prozess platzen lassen. Mit der Absage akzeptiert der Berner Jurist seine Verurteilung als Betrüger.

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Mischa Aebi@sonntagszeitung

Franz A. Zölch, einst gefeierter Medienjurist und hochdekorierter Offizier der Schweizer Armee, schiebt seit Jahren Schulden vor sich her, immer höhere Beträge, mittlerweile sind es gemäss Betreibungsregister 4,3 Millionen Franken.

Über 150 Gläubiger – darunter Freunde, Bekannte Schulkameraden, Wegbegleiter und Bewunderer – warten auf Geld. Geliehenes eingesteckt hat Zölch oft, zurückbezahlt offenbar selten. Viele hatten ihm hart Erspartes als Darlehen anvertraut, weil er als prominenter Ex-Gatte der einstigen Berner Regierungsrätin Elisabeth Zölch und als Präsident der Eishockey-Nationalliga Vertrauen einflösste.

Offenbar ist Zölch stets nach ähnlichem Muster vorgegangen: Er bat um Geld. Er habe gerade einen kleinen Engpass, soll er gesagt haben. Er erwarte aber grosse Zahlungen, Geld aus dem Ausland. Das geliehene Geld benötige er, um die Zahlung aus dem Ausland auszulösen. Die Geschichte klingt abenteuerlich, aber dem Brigadier hat man offenbar blind vertraut.

Kritik an der Justiz

Erst später haben sich die Gläubiger dann an den Kopf gegriffen. Vielen hat Zölch nie einen roten Rappen zurückbezahlt. Etliche sind heute überzeugt, dass Zölch nie im Sinn hatte, das Geborgte zurückzuzahlen. Ihr finsterer Verdacht: Der Mann hat sie arglistig hinters Licht geführt.

Bislang konnte Zölch den Hals stets aus der Schlinge ziehen. Etliche Anzeigen sind bei der Justiz versandet. Die meisten Ermittlungen der Staatsanwälte blieben stecken. Irgendwie konnte Zölch sie überzeugen, dass er niemandem habe schaden wollen, dass er tatsächlich beabsichtige, das Geld zurückzuzahlen. Viele Geprellte hatten den Glauben an die Berner Justiz bereits verloren.

Überraschende Wende

Seit Dienstag ist nun aber vieles anders. Denn ein einzelner Staatsanwalt war seit längerem anderer Meinung als seine Kollegen. Bei einem der vielen Fälle war dieser bereits 2012 zum Schluss gekommen, dass hinter Zölchs Masche eben doch Arglist stecke und sie somit als Betrug zu werten sei. Der Staatsanwalt hatte einen Strafbefehl ausgestellt und festgehalten, Zölch sei zu einer Geldstrafe von 10'000 Franken zu verurteilen.

Zölch hatte das Verdikt angefochten. Für Donnerstag stand Zölchs Einsprache nun endlich auf dem Programm des Regionalgerichts Berner Oberland. Ein Richter hätte entscheiden sollen, wie Zölchs Tricksereien strafrechtlich zu werten sind. Doch nun die Überraschung: Anfang Woche ratterte beim Gericht ein Schreiben von Zölchs Anwalt Roger Lerf aus dem Faxgerät. Der Anwalt teilte darin mit, der Beschuldigte ziehe seine Einsprache zurück.

Mit diesem Rückzug akzeptiert Zölch seine Verurteilung als Betrüger. Der Strafbefehl wurde durch den Rückzug noch am selben Tag automatisch in ein rechtskräftiges Urteil umgewandelt.

«Krank und vorverurteilt»

Lerf erklärte am Dienstag, warum sein Klient so kurz vor dem Prozess aufgab: «Herr Zölch ist gesundheitlich stark angeschlagen. Deshalb fehlt ihm die Kraft, den Strafprozess zu Ende zu führen. Herr Zölch ist vor allem psychisch angeschlagen.» Sein Mandant fühle sich einerseits durch die Medien, die vor dem Prozess über seinen Fall schrieben, vorverurteilt, sagte Lerf.

Andererseits wisse er, Zölch, dass sein Schuldenfall und die vielen Betreibungen «eine unschöne Sache» seien. Der Ursprung seines Schuldenbergs gehe auf das Jahr 2001 zurück. Damals habe er viele Mandate verloren, was zu einer Negativspirale geführt habe.

Bald weitere Urteile?

Zölchs Anwalt bestätigte am Dienstag nun erstmals Gerüchte, wonach in der jüngsten Vergangenheit weitere strafrechtliche Verfahren in Gang gekommen sind: «Ja, es stimmt, dass weitere Strafverfahren wegen Betrugsdelikten gegen Herrn Zölch laufen. Wie viele das sind, weiss ich nicht.»

Lerf betonte indessen, dass man nun aber nicht einfach davon ausgehen dürfe, dass in den anderen Fällen auch Betrug vorliege. Es gelte in jedem Fall zu prüfen, ob sein Mandant betrügerisch an das Geld gekommen sei oder ob es sich um einfache Darlehen handle.

Berner Zeitung

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