Zirkusschule für Kinder

Der Interlakner Strassenkünstler Benji bildet Kinder in Artistik und Akrobatik aus. Nach jahrelanger Arbeit in Frankreich und Südamerika tut er dies nun diesen Sommer jeweils am Mittwoch hinter dem Mattenhof in Matten.

Üben für die Trapeznummer. Akrobat Juanito (links) und Zirkusinstruktor Yacine mit drei Kids vor dem Zelt im Mattenhof.

Üben für die Trapeznummer. Akrobat Juanito (links) und Zirkusinstruktor Yacine mit drei Kids vor dem Zelt im Mattenhof.

(Bild: zvg)

Die zehn Jahre alten Jeriel aus Sundlauenen und seine Cousine Daria aus Rüfenacht sind von der ersten Minute an voll dabei: Sie sitzen mit dem 35 Jahre alten Yacine aus Ecuador und zehn anderen Kindern auf dem Boden im Zirkuszelt hinter dem Hotel Mattenhof in Matten, lachen und strecken Arme und Beine von sich, während die 32- und 33-jährigen Akrobaten Juanito aus Ecuador und Matthieu aus Frankreich Cello und Akkordeon spielen.

Chance für Strassenkinder

Gerade noch betraten die Kinder eher zögernd das Chapiteau, wie ein Zirkuszelt in der Fachsprache heisst, und betrachteten die vier Vollblutkünstler mit grossen Augen. An ihnen haftet spürbar die Magie einer Welt, die für manche von uns unergründbar bleibt: die faszinierende Aura von Echtheit und Freiheit, die ihren Preis haben.

Yacine, der heute in Montpellier lebt, ist ein in Frankreich ausgebildeter Zirkusinstruktor. Das bedeutet, dass er selbst ­Zirkuslehrer ausbilden darf. Jahrelang betreute er sein vom ecuadorianischen Staat unterstütztes Projekt, das Strassenkindern die Möglichkeit gibt, etwas Geborgenheit zu spüren und schliesslich ihren Lebensunterhalt selbst zu verdienen.

«Viele der Menschen sichern sich so ihr tägliches Brot», erklärt Benji. Er sei sehr fasziniert von der Arbeit Yacines. «Deshalb entschied ich eines Tages, mich von ihm ausbilden zu lassen.»

Projektwochen in Schulen

Jahrelang war Benji danach als Strassenkünstler in der Welt unterwegs. Seit zwei Wochen machen die vier für Kinder jeden Alters nun wahr, was es bisher im Oberland in dieser Form nicht gab: Jeden Mittwoch bilden sie spielerisch Kinder in Sachen Zirkus aus: in Seillaufen, Jonglage, Bodenakrobatik, Artistik und vielem mehr.

Und dies über die Ferien hinaus bis zum 6. September. Vorerst. Sie seien sehr flexibel, sagt Benji, und gern bereit, Projektwochen in Schulen oder die Ausbildungselemente auch anderswo anzubieten.

Jedes Kind könne die Mittwochnachmittage einzeln besuchen und werde individuell gefördert. «Wenn wir sehen, dass Nachfrage besteht, bieten wir auch gern ganze Workshops an und bauen das Angebot aus.»

Eine Chance, die es zu packen gibt – da sind Jeriel, Daria und die anderen Kinder überzeugt. Denn schon lange suchen sie nach einer solchen Gelegenheit. «Dass es sie nun so nahe gibt, finde ich super», sagt Jeriel.

Zirkusschule Mattenhof mit begeistert mitmachenden Kindern, so unter anderen Daria (vorne ganz rechts) und Jeriel (Zweiter von rechts). Sie bewegen sich zu Rhythmen des Cellospielers Matthieu (links). . Bild: zvg

Chance zum Weiterträumen

Die Möglichkeit habe ihnen Hotel-Mattenhof-Gastgeber Martin Bühler gegeben, sagt Benji. «Ich konnte ihm ein Zelt für ­seine Bar besorgen, und wir dürfen nun tagsüber mit den Kindern darin proben und unsere Projekte weiterträumen.»

Gerade gründen die vier einen Verein. Extrem Art nennt sich die Truppe. «Wir treten an Buskers-Festivals in der ganzen Welt auf.» Was hat Daria und Jeriel nach den drei ersten Stunden am besten gefallen? «Das Laufen auf dem Ball», sagen die beiden einstimmig und lachen.

Die offenen Workshopsvon Extrem Art finden jeweils am Mittwoch im Zelt hinter dem Hotel Mattenhof in Matten von 15 Uhr bis 18 Uhr statt. Telefon Benji 076 500 71 95. Facebook: Extrem Art.

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