Elsigenalp

Wohlfühl-Bügel muss nachsitzen

ElsigenalpZu rutschig, zu nass: Die 250 neuartigen Wohlfühlbügel am Hohmatti-Lift sind wieder entfernt worden. Aber: «Sie erhöhen den Komfort», sagt Dominik Honegger vom Frutiger Skigebiet.

Schweizer Premiere: Zur Saisoneröffnung von Mitte November wurden auf der Elsigenalp breite Wohlfühlbügel montiert. Nun sind sie wieder durch die alten Bügel ersetzt worden.

Schweizer Premiere: Zur Saisoneröffnung von Mitte November wurden auf der Elsigenalp breite Wohlfühlbügel montiert. Nun sind sie wieder durch die alten Bügel ersetzt worden. Bild: Jürg Spielmann

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Der erste Eindruck trügt nur selten, sagt man. Beim neuartigen, extrabreiten Skiliftbügel verhielt es sich nicht anders. «Eine klare Komfortsteigerung», rühmte Monika Kenzelmann. Das war Mitte November – und die Frau aus Unterseen eine der Ersten, die sich mit der blauen Neuerung hinauf aufs Hohmatti hatte schleppen lassen. Der Bügel sei jedoch auch etwas rutschig, befand sie.

Dieser Fakt ist einer von zwei Gründen, welche die Verantwortlichen der Elsigenalpbahnen AG schliesslich dazu bewogen haben, die Breitbügel wieder vom Seil des 40-jährigen Küpfer-Liftes zu nehmen. Geschäftsführer Dominik Honegger bestätigt dies: «Die Fläche ist zu glatt, man rutschte seitwärts ab.» Im Besonderen dann, wenn die Fahrt allein oder mit einem Kind unter die Latten genommen wurde, der Bügel also nicht beidseits ähnlich stark belastet ist.

Die «zweite Sache, die nicht ganz befriedigte», wie sich der 51-Jährige aus Steffisburg ausdrückt: der zu grosse Eis- und Schneebefall. Bedeutet: Zu viel Weiss und Eis blieb am 17 Zentimeter breiten Bügel haften, was den Passagieren erst einen kalten Hintern und – mit zunehmender Fahrdauer – durchs Auftauen schliesslich nasse Skihosen bescherte. «Es wird eine Art Testsaison sein», hatte Honegger wohlweislich bereits beim Auftakt im November gesagt.

Zweigeteilte Reaktionen

Das kleine, feine Skigebiet über dem Engstligental war mit der Bügelinnovation, einer Premiere im Alpenraum, an ihrer Hauptanlage werbeträchtig in die Wintersaison gestartet. Die Rede war vom «einzigartigen Wohlfühlskilift in der Schweiz». Oder dass die Neuerung «eine wirkliche Revolution im Bereich des Komforts für Skilifte» bedeute.

Letzteres ist für Dominik Honegger ganz klar gegeben. «Er ist bequemer und auch weicher als der herkömmliche, 5 bis 7 Zentimeter breite Bügel.» Speziell den Snowboardern, die sich quer zum Hang stehend hochschleppen lassen, würde die breitere Auflagefläche «nicht mehr die Arterie im Oberschenkel abdrücken».

Kaum seien die Komfortbügel durch ihre 250 herkömmlichen Vorgänger ersetzt worden, hätten etwa die gleiche Anzahl Leute, die einen Rückbau gewünscht hatten, bedauert, dass die Neuerung wieder verschwunden ist, nennt Honegger die Krux in der Elsiger Bügelfrage.

«Der Komfortbügel ist die einzige grosse Innovation im Bereich Skilift», ist der Bergbahnenchef überzeugt. Darum, und weil das Unternehmen eine zwar nicht genannte, aber nicht unwesentliche Investition für die Novität getätigt hatte, wird die Flinte nicht gleich ins Korn respektive der Breitbügel weggeworfen. «Die Skilifte sind die Zukunft in unserem Skigebiet», so Honegger, «darum wollen wir auf die Komfortbügel setzen.»

Die Schweden reisen an

Die Liftbetreiber waren letzten Frühling an der Branchenfachmesse Interalpin in Innsbruck auf das Produkt eines preisgekrönten schwedischen Start-ups gestossen. Man stehe in regem Austausch. «Ende Januar wird der Hersteller hierherkommen. Gemeinsam versuchen wir, den Bügel dahingehend zu modifizieren, dass er unseren Ansprüchen genügt».

Die Rutschproblematik dürfte, so Dominik Honegger, kein wesentliches Problem darstellen – Beschichtung sei Dank. Bezüglich Schnee- und Eisbefall sieht er allenfalls in einem geänderten Lochbild oder einer anderen Anordnung der Waben bei der Sitzfläche eine mögliche ­Lösung.

Auf die nächste Wintersaison hin möchten die Elsigenalpbahnen die nachgebesserten Wohlfühlbügel montieren. Zuerst die 250 am Küpfer-, später auch am zwölf Jahre älteren und gemächlicheren Habegger-Zwillingslift. Zum Wohle des Schneesportgastes. Und dessen Allerwertesten. (Berner Oberländer)

Erstellt: 13.01.2018, 11:09 Uhr

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