Wo auch der «böseste» Schwinger leer schluckt

Meiringen

Sobald am Wochenende der Schlussgang des kantonalen Schwingfests beendet ist, dürfen die Athleten im Gabentempel ein Geschenk aussuchen. In Unterbach kamen Preise im Gesamtwert von rund 250'000 Franken zusammen.

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Um Kraft und Technik gehts im Sägemehl, um Gemütlichkeit und Geselligkeit auf den Zuschauerplätzen. Doch wenn das Fest vorbei ist, kommt etwas anderes zum Zuge: die Ehrfurcht. Bezeichnend hierfür schon nur die Etymologie des Wortes «Gabentempel», ganz rudimentär unter die Lupe ge­nommen: Eine Gabe ist – in ge­hobener Sprache – ein Geschenk, und ein Tempel nichts anderes als ein Heiligtum.

Von aussen ist es nur ein blauer Flughangar in Unterbach, im Innern eben ein solcher Tempel. Ja, dieser Anblick lässt einen staunen. Als Erstes fallen sofort die rund zwei Dutzend aufgehängten Glocken und Plumpen auf; in Handarbeit verziert und bestickt, allesamt den Schriftzug «Bernisch Kantonales Schwingfest» oder die Jahrzahl 2016 tragend. Zwei Glocken fehlen noch, sagt der Gabenverantwortliche Andreas Müller.

Zwei Glocken, ein Tisch und «eppis Hüüshaltsmaterial», so Müller, dann ist der Gabentempel komplett. Halt – da fehlen natürlich noch die Lebendpreise. Der zweieinhalbjährige Siegermuni Adam, fünf Rinder und ein Pferd gibt es für die «Bösesten» des Wochenendes zu gewinnen. Für die drei besten Schwinger sind Lebendpreise gesetzt, der viert- bis siebtplatzierte kann sich theoretisch auch einen anderen Preis aussuchen. Als Sonderpreis gibt es das Kalb Betina für den Sportler, der nach Meinung diverser an­wesender Schwingerkönige am schönsten schwingt.

Spenden im Wert von rund einer Viertelmillion Franken kamen innerhalb kürzester Frist zusammen. Zum Vergleich: Der Wert der Preise am Eidgenössischen Schwing- und Älplerfest in Burgdorf vor drei Jahren belief sich auf rund 800'000 Franken. Dabei ist in Unterbach wirklich schier alles, was das Herz des bodenständigen Schwingers begehrt: Kaffeemaschinen, handbestickte Kissen, beschnitzte Truhen, Buffets, Ra­senmäher, ein TV-Möbel mit einem Fernseher, der sich hoch- und runterfahren lässt, ein Brunnen, Sitzbänke.

Aber auch Sportgeräte: Fahrräder, Skier und Schlitten. Besonders beliebt sind Gutscheine, etwa für zwanzig Tageskarten der Bergbahnen Meiringen-Hasliberg oder ein Coupon für Ferien in Südfrankreich. In einem Bilderrahmen sind fünfzehn 200-Franken-Scheine an­einandergereiht. Man rechne.War es für die Organisatoren ein Krampf, all diese Preise zu be­kommen? Mitnichten. Die Hasler, die rund 90 Prozent der Preise stifteten, zeigten sich spendierfreudig.

«Im letzten November versandten wir die Bettelbriefe,ab diesem Zeitpunkt purzelten die Geschenke nur so herein», sagt Andreas Müller. 180 Preise kamen zusammen, 140 Schwinger treten an. Einige Athleten gehen also mit zwei Preisen nach Hause. Gekostet hat dies das Organisations­komitee übrigens nichts. «Wir mussten keinen einzigen dieser Preise bezahlen.» Sie werden zur Verfügung gestellt – als Gegen­leistung gibts eine Erwähnung im Festführer und auf Gönnertafeln.

«Dieser Gabentempel gehört zu den grösseren», weiss Matthias Glarner, der mit seinem Cousin Simon Anderegg zufälligerweise vorbeikommt. Ihm fällt auf, dass der Anteil an hölzernen Preisen etwas höher ist als an anderen Schwingfesten. Auf die Frage, was er am liebsten nach Hause mitnehmen würde, schmunzelt Matthias Glarner nur und zuckt mit den Schultern angesichts des riesigen Angebots. Es sei wirklich beeindruckend, meint auch der gabentempelerfahrene dreifache Eidgenosse, was hier zustande gekommen sei.

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