Wo am Chuenisbärgli der Weltcup laaaaaaaaange Fäden zieht

Adelboden

Wer ein echter Skifan ist, isst Selbstgeschmolzenes am Pistenrand. Nach einigen Jahren Unterbruch war das heuer am Chuenisbärgli wieder erlaubt. Ein aufgegabelter Fondueselbstversuch in der Chäla.

Fondue- und Raclette-Plausch am Pistenrand des Weltcup-Rennens am Chuenisbärgli.

Ein Kafi am Pistenrand. Das pflegt sich Skisportikone Vreni Schneider in ihrem gleichnamigen (und zum Glück einmaligen) Gesangsversuch zu genehmigen. Was der Elmerin recht, ist dem Spiezer billig.

Aber ich packe nicht Güx und Gaffi, sondern Caquelon und Rechaud in den Rucksack. Plus Gabeln, Brennpaste und, natürlich, Fondue. Die Fertigmischung ist aus Appenzeller, doch so flexibel ist der Oberländer. Und: Ein Halbeli Wysse darf zum Abrunden der Käsesuppe auch nicht fehlen.

Genau wegen Letzterem – oder besser, weil dem Gegärten (oder wahlweise Gebrannten) jeweils zu tüchtig zugesprochen wurde – haben die Veranstalter vor einem halben Dutzend Jahren das Mitführen von Fondue und Fendant untersagt. Tempi passati.

Neu ist eine Picknickzone in der Chäla (oberhalb der Einfahrt in den horriblen Zielhang) eingerichtet worden. Hier soll jede und jeder seinen Käse schmelzen können. «Das entspricht einem Bedürfnis der Besucher und ist eine Lockerung der Bestimmungen», sagte Weltcuppräsident Peter Willen im Vorfeld der 62. Skitage.

Was indes zu beachten ist: Für die langfädige wie gestrichene Käsefreude dürfen einzig Brennpaste oder Rechaudkerzli aufs Gelände gebracht werden. Aus Sicherheitsgründen, versteht sich.

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Also, nichts wie ran an den Käse, mit Zunftkollege Christoph Buchs wage ich die Probe aufs Exempel. Nach schweisstreibendem Aufstieg zur Chäla und Goodwill des Sicherheitsmannes – er drückte beim Halbeli eineinhalb Augen zu – beginnt nach der allgemeinen Schnee- unsere persönliche Käseschmelze.

«Stinke tuets ömu scho», stellt Buchs erfreut fest. Kurz: Das Fondue gelingt, ist flugs verputzt. Nebenan streicht ein Frauenquartett aus Sursee sein Raclette über die Kartoffeln. «Wir sind erstmals an einem Skirennen», erzählt Sara Häfliger.

Die 26-Jährige rühmt die friedliche Stimmung, hat jedoch etwas mehr Jubel und Trubel am Berg erwartet. «Dennoch werden wir wohl wieder Rennen besuchen, vielleicht mal die in Wengen», sagt Kollegin Sandra Schmidlin. Ein exorbitantes Bedürfnis nach Geschmolzenem ist am Samstag in der Chäla-Zone übrigens nicht auszu­machen: Kaum mehr als zehn Rechauds werden gezählt.

Selbst wenn Austria-Pilot Hirscher in Adelboden wie gewohnt den Platzhirsch markiert, fühlen sich die Käsegabler Buchs/Spielmann auch ein klein wenig als Sieger. Wenn – wie für die Skischweiz seit 2008 die Regel – auch nur am Pistenrand. Und ohne Vrenis Kafi.

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