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«Wir verkleiden uns nicht»

Kleider machen Leute, und die machen ihre Kleider wiederum zumeist selbst, wenn sie vom Belle-Epoque-Virus erfasst sind. Eine Woche lang wird auf den Dorfstrassen präsentiert, was zuvor in mühevoller Handarbeit entstanden ist.

Haben sich für die Belle Epoque in Schale geworfen, aber ausdrücklich nicht verkleidet (v.l.): Koni und Christine Neuenberger, Adrian und  Monika Erni, Maya Fuhrer sowie Silvia Grossen.
Haben sich für die Belle Epoque in Schale geworfen, aber ausdrücklich nicht verkleidet (v.l.): Koni und Christine Neuenberger, Adrian und Monika Erni, Maya Fuhrer sowie Silvia Grossen.
Claudius Jezella
Drei Schwestern, eine Leidenschaft (v.l.): Dori Schmid, Kathrin Grossen und Margrith Schranz in ihren selbst genähten Kleidern.
Drei Schwestern, eine Leidenschaft (v.l.): Dori Schmid, Kathrin Grossen und Margrith Schranz in ihren selbst genähten Kleidern.
Claudius Jezella
Auch das Militär zeigte Präsenz in Kandersteg.
Auch das Militär zeigte Präsenz in Kandersteg.
Hans Rudolf Schneider
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Es ist skurril, und doch ist es das nicht: Da geht eine fein gekleidete Dame im geblümten Blazer zum Einkaufen in die Käserei. Bedient wird sie von einem Fräulein in hochgeschlossener Bluse und weisser Schürze, alles samt Kleider, wie sie vor 100 Jahren getragen wurden.

Was überrascht, ist die Selbstverständlichkeit, mit der die beiden Frauen ihre Sachen tragen. Denn schliesslich stammt die Szene nicht aus der Themenwelt irgendeines Vergnügungsparks, sondern aus dem Dorfladen von Kandersteg. Es ist Belle-Epoque-Woche, und das ganze Dorf wirkt wie entschleunigt, als wäre die Zeitreise real.

Der Belle-Epoque-Virus

Wie auf einem historischen Laufsteg flanieren Damen und Herren entlang der Dorfstrassen, und es sind in erster Linie ihre feinen Roben, die die Belle Epoque nun bereits zum achten Mal wieder aufleben lassen. Dabei geht es den Trägern mehr um ein Lebensgefühl als um eine lustige Kostümierung.

«Wir sind zeitgemäss gewandet.»

Silvia Grossen

«Wir sind nicht verkleidet», betont Silvia Grossen, die unter einem prächtigen Hut hervorblickt, «wir sind zeitgemäss gewandet.» Maya Fuhrer, die neben der Kanderstegerin steht, nickt zustimmend: «Wir haben den Belle-Epoque-Virus.» Und der treibt die Frauen das ganze Jahr über um, immer auf der Suche nach einer Erweiterung ihrer Garderobe.

«In Brocanten findet man das eine oder andere», wirft Maya Fuhrer ein. Bei Silvia Grossen hingegen ist «alles selbst genäht». Schwieriger sei es für Männer, die passende Robe zu finden, ergänzt Adrian Erni, der mit seiner Frau Monika wie in den vergangenen Jahren aus Bern zur Themenwoche nach Kandersteg gekommen ist. «Da helfen nur Massanfertigungen», meint er. Stattlich sieht er aus in Hut, Mantel und Spazierstock.

Der Teufel steckt im Detail

Fündig werden kann man auch im Laden von Erna Kuoni, wo der Belle-Epoque-Verein einen Kleiderverleih anbietet. Auch Dori Schmid, Kathrin Grossen und Margrith Schranz schauen sich um, aber «Mieten kommt nicht infrage», stellt Dori Schmid stellvertretend für die drei Schwestern fest, die alle von der selben Leidenschaft gepackt sind: das Nähen der eigenen Belle-Epoque-Kleider.

«Das Mieten von Kleidern kommt nicht infrage.»

Dori Schmid aus Mitholz, die ihre Kleider selbst näht

Und dabei achten sie auch auf Details: So dürfen beispielsweise Knöpfe nicht zu sehen sein, es sei denn, sie sind von Stoff umfasst. Zur Belle-Epoque-Woche sind die drei Frauen aus Frutigen, Achseten und Mitholz jeden Tag in Kandersteg – und jeden Tag in einer anderen Garderobe.

Täuscht der Eindruck, oder ist ein Grossteil der Belle-Epoque-Teilnehmer aus der Umgebung? «Das ist von Montag bis Mittwoch so», erklärt die Geschäftsführerin von Kandersteg Tourismus Doris Wandfluh. «Am Donnerstag reisen dann vermehrt Auswärtige an, die auch übers Wochenende bleiben.»

Auch im Belle-Epoque-Verein seien rund zwei Drittel der 250 Mitglieder nicht aus der Region Kandersteg. Insgesamt sei es nach wie vor so, dass die Veranstaltung viele Gäste in den Ort locke. Eine Steigerung der Teilnehmerzahlen sei festzustellen, genaue Zahlen zu den zusätzlichen Übernachtungen würden jedoch noch ermittelt, so Wandfluh, die deswegen sagt: «Man muss den Anlass unbedingt weiterführen.»

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