Wie Völkerverständigung im Spital funktioniert

Unterseen

Das Spital Interlaken behandelt Patienten aus aller Welt. Welche Schwierigkeiten das Personal dabei täglich meistert, erzählte Chefarzt Heinz Schaad.

Andere Länder, andere Versicherungen. Was das bedeuten kann, erläuterte Heinz Schaad, Chefarzt der Medizinischen Klinik am fmi-Spital Interlaken, dem Patronatskomitee der Spitalstiftung, am Beispiel einer in Fachkreisen berüchtigten Versicherung, die in den Balkanländern aktiv ist. «Gastarbeiterfamilien zahlen die Versicherungsbeiträge. Doch wenn sich ein Familienmitglied wirklich behandeln lässt, gilt die Versicherung ausgerechnet für diesen Fall nicht – und den Gastarbeitern bleibt ein Schuldenberg.»

Übersetzer-Mangel

Doch auch bei seriösen Versicherungen und sogar bei Patienten aus westlichen Ländern braucht es oft viel detektivisches Geschick, Beziehungen, Nerven und Arbeit, um herauszufinden, ob eine Behandlung bezahlt wird. Und weil bei Notfällen die Zeit drängt, bleibt das Spital immer wieder auf Kosten sitzen.

Auch bei der Behandlung der Patienten muss das Spitalpersonal «transkulturelle Übersetzungsarbeit» leisten, die im Gleichschritt mit dem Interlakner Tourismus immer vielfältiger wird. Das reicht von der «richtigen» Begrüssung bis zum Schnellkurs über das Schweizer Gesundheitssystem. So sind fixe Tarife nicht überall die Norm; und Leute aus Ländern, in denen die Notfallstation die erste Anlaufstelle ist, staunen über die Kosten, wenn sie eine Bagatelle in einem Schweizer Spital behandeln lassen wollen. Manche Touristen können auch fast nicht glauben, dass eine Schmerztablette mindestens so gut wirkt wie eine Spritze; «und um naturmedizinische Ansätze aus Asien in unsere Behandlung zu integrieren, fehlt uns das Wissen».

Während der Mangel an guten Übersetzern ein ständiges Problem ist, wird die Verständigung und damit die medizinische Arbeit in manchen Bereichen laufend einfacher; so stellt Schaad fest, dass die meisten Frauen aus dem arabischen Raum gut ausgebildet sind und sehr gut Englisch sprechen; «und immer mehr kommen ohne Schleier zur Untersuchung in den Notfall». Keine kulturellen Unterschiede macht Schaad bei den Krankheiten aus. Unter Malaria leiden auch Schweizer, die in einem Malariagebiet in den Ferien waren; und auch Höhenlungen- oder Hirnödeme sind nicht kulturell bedingt.

Operationen werden sicherer

Dass auch in der Schweizer Medizin ein Kulturwandel stattfindet, zeigte der auf Wirbelsäulenchirurgie spezialisierte Ralph Läubli, der als Belegarzt am fmi-Spital Interlaken operiert. Er berichtete auf Einladung der Spitalstiftung, wie Operationen zunehmend mit Checklisten geplant und kontrolliert werden – etwas, das für Flugzeugpiloten längst selbstverständlich ist und das zusammen mit der Stärkung der Teamarbeit die Sicherheit wesentlich verbessert.

Die Stiftung Spital Interlaken informiert einerseits die Bevölkerung. Anderseits unterstützt sie mit Beiträgen aus dem Stiftungsvermögen die Qualitätssicherung. So ermöglichte sie vor zwei Jahren die Anschaffung eines 3-D-Bildwandlers, der die Kontrolle während der Operationen erleichtert. Als eindrückliches Beispiel nannte Ralph Läubli die Beckenoperationen, nach denen es in rund 30 Prozent der Fälle Fehlstellungen der Schrauben gibt. «Solche Fehler können dank dem 3-D-Bildwandler sofort erkannt und korrigiert werden.» Über die positive Entwicklung des Stiftungsvermögens informierte am Dienstag Robert Grau, Präsident des Patronatskomitees, über Aktuelles vom Spital Urs Gehrig, Vorsitzender der Geschäftsleitung.

Berner Oberländer

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