Wertvoller Strom hat seinen Preis

Bruno Stüdle, Chefredaktor des Berner Oberländers, kommentiert die Strompreise.

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Im Kanton Bern bezahlen wir nicht nur für Steuern deutlich mehr als der Schweizer Durchschnitt; auch für den Strom zahlen wir – und besonders wir Oberländerinnen und Oberländer – mehr als andere im Lande.

Neben anderen Service-Public-Ausgaben birgt auch das Geschäft mit der Energie für uns Konsumenten zunehmend Aufregerpotenzial.

Aber Vorsicht:Wer jetzt vor lauter Panik ums liebe Geld nach dem freien Strommarkt schreit, ist gut beraten, die Geschichte differenzierter zu betrachten: Vieles, was in den vergangenen Jahren billiger hätte werden sollen, ist gerade in der Randregion Berner Oberland oft teurer geworden oder gar nicht mehr zu haben.

Denken Sie an den einst gut funktionierenden und eigentlich günstigen Service Public der PTT, des ÖVs, im Strassenunterhalt und vor allem an die Bildungs- und Stellenangebote der Bundes- und Kantonsbetriebe – sie reichten notabene ohne Aufpreis bis zuhinterst in die engen Täler. Die Liberalisierer wollen uns wie immer, wenn es um die Privatisierung des Service Public geht, schmackhaft machen, dass mit der vollständigen Marktöffnung alles besser und vor allem billiger wird. Aus Sicht der Grossunternehmen mag das sogar stimmen.

Fakt ist allerdings gemäss einem Vergleich der «Tagesschau» von SRF, dass in den grossen EU-Staaten die Strompreise nach der Liberalisierung des Strommarktes am 1.Juli 2007 für Durchschnittshaushalte um satte 37,5 Prozent gestiegen sind.

Und in Deutschland, wo der Strommarkt schon 1998 geöffnet worden ist, stieg der Preis pro Kilowattstunde von damals 17 auf heute knapp 29 Cent – der durchschnittliche Strompreis im Geiz-ist-geil-Land liegt aktuell also rund 4 Rappen über dem Strompreis in Lauterbrunnen!

Der Lauterbrunner Strom ist seinen Preis alleweil wert: Die Kundschaft unter dem Weltnaturerbe erhält dafür eben nicht billigen, sondern in vielerlei Hinsicht günstigen Strom aus heimischer Produktion: Er ist ökologisch unbedenklich, fliesst garantiert auch in abgelegene Haushalte und sichert der Berggemeinde auch 60 wert- und anspruchsvolle Arbeitsstellen sowie 6 bis 10 Ausbildungsplätze.

Mail: b.stuedle@bom.ch

Berner Zeitung

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