Wer folgt auf die Asylsuchenden?

Aeschiried

Seine Tage als Asylzentrum sind gezählt: Ab April steht das ehemalige Blaukreuzheim leer. Gesucht wird nun ein Mieter oder Käufer. Es soll Interessenten geben.

Im 35-jährigen Gebäudeteil Seeblick (links) lebten während gut dreier Jahre Asylsuchende. Ab April steht das ehemalige Blaukreuzheim leer. Es soll verkauft oder vermietet werden.

Im 35-jährigen Gebäudeteil Seeblick (links) lebten während gut dreier Jahre Asylsuchende. Ab April steht das ehemalige Blaukreuzheim leer. Es soll verkauft oder vermietet werden.

(Bild: Bruno Petroni)

Jürg Spielmann

Nach drei Jahren und drei Monaten gehen am 28. März die Lichter aus. «Der letzte Bewohner ist am 2. März ausgezogen», erklärt Monika Voegeli. Sie leitete für die Betreiberfirma ORS Service die Kollektivunterkunft auf der Aeschiallmend, 1100 Meter über Meer, 542 Meter über dem Thunersee. Bis zu 100 Asylsuchende, meist Familien, fanden in der oberirdischen Anlage ein temporäres Dach über dem Kopf. «Nun wird noch geputzt, dann übergeben wir das an die Stiftung.» Voegeli, die ein «sensationelles» dreizehnköpfiges Team führte, attestiert dem Gruppenferienhaus, als Asylzentrum «ideal» gewesen zu sein.

In den Fokus war das Ferienzentrum Aeschiried der gleich­namigen Stiftung im Herbst 2014 gerückt. Damals machte der Kanton seine Pläne für ein Asylheim im früheren Blaukreuzheim publik. Ein erster Aufschrei im Dorfteil war kurz und heftig. Es wurde etwa gefordert, die Asylbewerber hätten sich vom Schulareal fernzuhalten. Rasch verstummte die Kritik. Daran änderte selbst der Widerstand einer Anstösserpartei nichts. Sie ging den Weg bis vor die höchste Instanz, weil sie die baurechtliche Legalität des Asylbetriebs anzweifelte. Und blitzte vor Bundesgericht ab.

Des Lobes voll

Es waren durchs Band nur positive Voten zu vernehmen am Mittwochabend im Gemeindesaal ­Aeschi. Dorthin hatten Gemeinderat und ORS-Involvierte zum Abschlussapéro eingeladen. Daniel Rudin vom Migrationsdienst des Kantons blickte dreieinhalb Jahre zurück. Damals habe ein Notstand an Asylunterkünften geherrscht. «Pro Woche hatten wir 350 Gesuchsteller, heute sind es gerade mal 15.»

Im ganzen Kanton habe man die Anzahl Standorte auf 48 verdoppelt, viele braucht es nicht mehr, so auch den in ­Aeschiried. Laut Rudin war dieser «vorbildmässig organisiert». Er rühmte das Vorgehen mit der Einsetzung des runden Tisches, extern geführt von Peter Ryser, an dem Probleme angesprochen und gleich angepackt worden seien.

Auch Statthalterin Ariane Nottaris fand, «Aeschi habe die Herausforderung mit Bravour gemeistert». Ihr Vorgänger Christian Rubin sorgte mit dem Pilotprojekt Kafol (Koordination des Asyl- und Flüchtlingswesens im Oberland) dafür, dass die Asylsuchenden, wie auch die vorläufig Aufgenommenen und Flüchtlinge, Arbeitserfahrungen sammeln können.

Monika Voegeli hob das grosse Engagement der freiwilligen Helfer hervor, nannte Beispiele: Die Kirchgemeinde lud montags zum Austausch ins Café International, zwei junge Männer aus Thun organisierten für Asylsuchende jeden Samstagvormittag Fussballtrainings oder besuchten Strassenfussballturniere. «Diese Angebote sorgten für die so wichtige Struktur, wirkten Völker verbindend und für beide Seiten bereichernd.» Voegeli sagte auch, dass man Glück gehabt habe. «Glück, dass nichts Schlimmes passiert ist.» Solches – sie sprach etwa von Suizid – könne immer passieren.

Hauenstein winkt ab

Die Stiftung Ferienzentrum vermietete dem Kanton den älteren Gebäudeteil Seeblick für 18'000 Franken pro Monat. Das gab ihr Luft, um den Bankverpflichtungen nachzukommen, musste sie ihren Betrieb mangels Rentabilität doch im Oktober 2014 dichtmachen. Hochtrabende Pläne für ein Wellness- und Seminarhotel Alpentherme verschwanden wieder in der Schublade – die Zufahrt erwies sich als zu schwierig, ein Investor biss nicht an.

Markus Grossen, Stiftungsrat, Unternehmer und Alt-EVP-Grossrat, bestätigte am Mittwoch, dass die Pläne vom Tisch seien, meinte aber: «Ende Jahr haben wir das Projekt noch Peter Hauenstein zugestellt – aber bislang nichts gehört.» Daniel Eschmann, Geschäftsführer der Hauenstein Immobilien AG aus Gunten, dämpfte gestern allfällige Hoffnungen. Man habe keine Expansionspläne, meinte er.

Klar ist, dass die Stiftung das Ferienzentrum nicht mehr selber betreiben wird. Vermietung oder Verkauf stehen zur Debatte. «Es sind Interessenten vorhanden, zwei, drei», erklärte Markus Grossen. Einen Namen nannte er nicht. «Eine Partei ist ernsthaft interessiert, diese möchte kaufen, was uns recht wäre.» Es gelte, sich bezüglich des Preises zu finden.

Was er heute ausschliesst, ist ein möglicher Verkauf an einen ausländischen Investor. Laut Grossen gilt es vorerst mit dem Kanton zu klären, was der noch zu berappen hat – denn: «Das Haus hat schon auch gelitten.»

Berner Oberländer

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