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Wenn Schiller Goethe trifft – und genügend Geld vorhanden ist

Oliver Stein inszeniert die Tellspiele Interlaken 2019 mit einer besonderen Begegnung zweier Dichtergrössen. Und: Das drohende finanzielle Aus ist abgewendet

Anne-Marie Günter
Der neue Regisseur Oliver Stein vor viel Tellspiel-Erfahrung: Insgesamt haben die Geehrten an 5300 Vorstellungen gespielt. Foto: Anne-Marie Günter
Der neue Regisseur Oliver Stein vor viel Tellspiel-Erfahrung: Insgesamt haben die Geehrten an 5300 Vorstellungen gespielt. Foto: Anne-Marie Günter

An der Hauptversammlung des Tellspiele-Vereins Interlaken gab es eine Kostprobe: In der Inszenierung 2019 wird Goethe auf Schiller treffen. Und der Dichterfürst wird an der Darstellung der Sturmszene am Vierwaldstättersee ein bisschen verzweifeln.

Goethe war 1804 Regisseur bei der Weltpremiere von Schillers «Wilhelm Tell». Wie sollte er es auf der Bühne donnern und stürmen lassen? Das ist heute dank Technik das kleinste Problem des neuen Regisseurs Oliver Stein und des Vereins, der die Tellspiele trägt.

Das Problem sind die Finanzen. Nach der Rechnung 2017 tönte die Revisionsstelle an, dass der Verein nächstens pleite sei. Das Aus, das zeigte die Jahresrechnung 2018, ist abgewendet. Dazu trägt bei, dass die Bödeligemeinden und Burgergemeinden 125000 Franken für Unterhaltskosten gesprochen haben. 100'000 Franken kommen von den Gemeinden Interlaken, Matten und Unterseen.

Regionales Kulturgut?

Diese Gelder sollen in den nächsten zwei Jahren weiterfliessen, bis entschieden wird, ob ab 2021 die Tellspiele in die Liste der regionalen Kulturförderungsprojekte aufgenommen werden. Dann würde der Kanton Bern neben den Standortgemeinden und den Regionsgemeinden ebenfalls einen Beitrag an die über 100-jährige Theaterinstitution am Kleinen Rugen leisten.

Der Mattner Gemeindepräsident Peter Aeschimann sicherte zu, dass er sich voll für das Anliegen einsetzen wird. Das eigentliche Grundproblem, das Vereinspräsident Pascal Minder und seine engagierte Vorstandscrew vor viele Fragen stellt, zeigt die Statistik: 2018 besuchten 16'980 Personen, verteilt auf 19 Vorstellungen, die Spiele, im Rekordjahr 1971 waren es über 40'000.

Kleiner Gewinn

Finanzchef Richi Meier, der sein Amt im Traktandum Wahlen an Roger Chapuis weitergibt, stellte Rechnung und Budget anschaulich vor. Der Erlös aus dem Spielbetrieb lag bei 776'374 Franken. Der Gesamtaufwand lag bei 804'719 Franken. Es war das dritte Jahr mit Regisseur Ueli Bichsel; die Hauptausgaben für dessen Inszenierung waren 2016 angefallen.

Die Gesamtrechnung schliesst mit einem kleinen Gewinn, dank der Gemeindebeiträge, Sparmassnahmen, einem anonymen Scheinwerferspender, Einnahmen aus der Oper «Wilhelm Tell» und dem Verzicht von Tellspielern auf Entschädigung. Der Turnaround ist das aber keineswegs.

Im Budget 2019 wird mit einem Verlust von 231'000 Franken gerechnet. Die Neuinszenierung mit einem neuen Regisseur, die im Prinzip alle drei Jahre stattfindet, braucht mehr Mittel. Zum Beispiel für Musik, die dieses Jahr Fabian Dubler komponiert.

«Ich spüre viel, viel Energie», sagte Oliver Stein unter dem Traktandum «Die Regie hat das Wort». Die Proben sind angelaufen.

In Innerschweizer Mundart

Der vielseitige Schauspieler mit Regie- und Lehrerfahrung fühlt sich sehr wohl bei den Tellspie­lern. Was er erreichen wolle, sei ein authentisches, natürliches Spiel, kein Pathos, Nachhaltigkeit.

Auch in der 2019-Inszenierung, die unter dem Titel «Die Legende lebt!» läuft, werden die Innerschweizer Mundart sprechen. Was sich in all den Jahren bei den Laienschauspielern, die bis zu 600 Vorstellungen hinter sich haben, an Automatismen festgefahren hat, will Stein aufweichen.

Dass Pferde und auch Kühe, Ziegen und Esel das Publikum für sich einnehmen, weiss er aus Erfahrung. Sein Ziel: Die Zuschauer sollen sagen, es war ein wunderbares Schauspiel, und zudem hatte es noch schöne Pferde.

600-mal mitgespielt

Für vier Jahre wieder- oder neu gewählt im Vorstand wurden: Präsident Pascal Minder, Res Gilgen, Esther Käsermann, Romano Steffen, Dany Rhyner, Peter Schlunegger, Jürg Kübli, Frank Kantlehner und Roger Chapuis. Die Spielleitung teilen sich Barbar Steffen, Matthias Wolf und Thomas Schweizer (neu Regieassistent).

Schliesslich wurden die besonders treuen Darsteller, die ein Jubiläum feiern konnten, geehrt: für 100 Vorstellungen: Leonie Adzic, Nico Adzic, Bruno Apolloni, Benjamin Lerf, Luca Michel und Ruedi Straubhaar; für 200: Martina Jampen, Rolf Kübli, Margrit Schuler, Ramona Zingrich; für 300: Tamara Fahrni, Siegfried Wyss, Edith Zingg; für 400: Stefan Balli, Ruth Meier, Arthur Seitz, Matthias Wolf; für 600: Sandra Flück, Robert Wälti.

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