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Weltcüpli: Juhe, juhe

Das Weltcüpli erscheint täglich während der Berner Oberländer Weltcupwoche. Die Skiglosse beleuchtet Ungeahntes, Unbekanntes oder auch Unerhörtes.

Max Spring

Lange ist es her, dass man mit gutem Gewissen behaupten konnte: «Alles fährt Ski. Ski fährt die ganze Nation!» Wie das Vico Torriani 1963 tat. In einer Zeit, als Ski­lager noch obligatorisch waren, weil gar niemand auf die Idee kam, dass es Kinder geben könnte, die nicht Ski fahren können oder wollen.

Schon als Vico das Lied vor 55 Jahren aufnahm, war der Text etwas angestaubt. So ist vom Grittli mit den Keilhosen die Rede. Keilhosen? Ich zu­mindest habe keine Ahnung, was das ist. Und wie meine Frau in diesen Fällen zu sagen pflegt: «Let me google that for you» («Lass mich auf Google nachschauen»). Wikipedia lieferte die Antwort: «Die Steghose, auch Keilhose genannt, ist eine Hose mit einem Fersenband an jedem Beinende, dem sogenannten Steg, das die Hose gespannt hält.» Und: «In den 1930er-Jahren wurde die Steghose auch als Sport- und Freizeithose (besonders als Skihose) entdeckt, was mit der Einführung hochelastischer Stoffe einherging.»

Das Lied stammt übrigens nicht aus Torrianis Feder. Das Original kommt vom Trio Ammann aus Basel. Und wer ist das Trio Ammann? Keine Ahnung. Hier versagen auch Google und Wikipedia. Nur so viel: Einer heisst Max, und ein Oscar Adler war beim Komponieren beteiligt. Wer mehr weiss oder her­ausfindet, darf sich gern bei mir melden.

Aber wie viel Wahrheit steckt heute noch im Liedtext? Nein, nicht mehr die «ganze Nation» fährt Ski. Aber immerhin noch mehr als ein Drittel. Gemäss einem Bericht des Bundesamts für Sport stehen 35,4 Prozent der Schweizer regelmässig auf der Piste. Skifahren behauptet sich demnach auf Rang 4 in der Beliebtheit hinter Wandern, Radfahren und Schwimmen.

Noch heute scheinen sich ähnliche Szenen auf der Piste ab­zuspielen wie im Lied beschrieben: vom enthusiastischen ­Anfänger und vom flotten Skilehrer über den Sonnenanbeter, der am Ende doch die Bahn runter nimmt, bis zum ausufernd Après-Ski-Feiernden, der am nächsten Morgen gleich im Bett bleibt.

Und wie sah es 1963 mit den Schweizer Rennfahrern aus? Düster. Alle Podestplätze am Lauberhorn gingen an Öster­reicher und Franzosen. Karl Schranz gewann die Abfahrt und Guy Périllat Slalom und Kombination. Immerhin in Adelboden konnte mit Georges Grünenfelder ein Schweizer triumphieren. Also drücken wir unseren Cracks in Wengen die Daumen und hoffen auf Sonnenschein in den Bergen und Schnee. Es gebe ja scheints nichts Schöneres; juhe, juhe.

Das Weltcüplierscheint täglich während der Berner Oberländer Weltcupwoche. Die Skiglosse ­beleuchtet Ungeahntes, Unbekanntes oder auch Unerhörtes.Infos zum Trio Ammannan @Samuel_Guenter.

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