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Was geschieht mit dem Mordhaus?

Das ehemalige Kinderheim an der Spiezer Bahnhofstrasse, in dem sich 2013 ein brutaler Doppelmord ereignete, steht seit nunmehr einem Jahr leer. Ein Investor aus der Region hat es käuflich erworben. Und nun?

Das Tor und die Zukunft sind offen: Das ehemalige Kinderheim an der Bahnhofstrasse 47 steht bereits seit gut einem Jahr leer. In dessen Dachgeschoss hatte sich im Mai 2013 der Spiezer Doppelmord ereignet.
Das Tor und die Zukunft sind offen: Das ehemalige Kinderheim an der Bahnhofstrasse 47 steht bereits seit gut einem Jahr leer. In dessen Dachgeschoss hatte sich im Mai 2013 der Spiezer Doppelmord ereignet.
Jürg Spielmann

Der Schein trügt. Zwar steht das eiserne Tor offen, doch durch die dahinter liegende Haustür geht schon seit geraumer Zeit niemand mehr ein und aus. Im Eingangsbereich spriesst Unkraut, es ist ein untrügliches Zeichen dafür, dass das ältere Gebäude an der Bahnhofstrasse 47 in Spiez unbewohnt ist. Genauer seit etwas mehr als einem Jahr: Mitte August 2016 schloss das Kinder- und Jugendhaus Phoenix seine Türen.

Dieses war seit Ende 2013 unter diesem Namen von engen Vertrauten des vormaligen Betreibers befristet geführt worden.Letzterer, der 53-jährige Lei­ter der Pädagogischen Lebensgemeinschaft, war am 11. Mai 2013 mit seiner zwei Jahre jüngeren Freundin aus Winterthur einem brutalen Doppelmord zum Opfer gefallen. Ein 48-jähriger Berner und dessen zur Tatzeit 16½-jähriger Sohn wurden letzten Dezember wegen zweifachen Mordes verurteilt.

Es gab Höchststrafen: für den Jüngeren 48 Monate Freiheitsentzug und als Schutzmassnahme die geschlossene Unterbringung sowie eine psychotherapeutische Behandlung. Der Vater erhielt lebenslängliche Haft mit anschliessender Verwahrung. Er ging in Berufung – der Fall wird einst vor dem Obergericht verhandelt werden.

An nachgefragter Lage

«Wir würden gerne wissen, was mit dem Haus geschieht», meint eine Frau aus der Nachbarschaft. Auch heisst es im Umfeld, dass die frühere Ärztevilla bei der Niesenbrücke inzwischen verkauft worden sei. Recherchen dieser Zeitung zeigen, dass es sich beim Käufer um einen Investor aus der Region handelt. Er habe die Liegenschaft über ein Immobilienbüro erworben, bestätigt er auf Anfrage. Seinen Namen mag er indes nicht in der Zeitung lesen.

Das stattliche Haus an zentraler Lage, das über Schloss- und Seesicht verfügt, aber auch unmittelbar an der Bahnlinie liegt, hatte bis zu dessen Ableben dem männlichen Mordopfer gehört. Ein Indiz dafür, dass die Handänderung vor noch nicht allzu langer Zeit erfolgte, ist, dass im Grundbuch vor wenigen Tagen noch der frühere Besitzer eingetragen war.

Laut einer Verkaufsdokumentation im Internet umfasst das Grundstück 1358 Quadratmeter und ist das dreistöckige Gebäude 84-jährig. Es soll «laufend» renoviert worden sein. 1,3 Millionen Franken sind in den Unterlagen als Verkaufspreis angegeben. Was bringt die Zukunft für das Haus mit seiner tragischen Vergangenheit? «Wir wissen es noch nicht. Es laufen Abklärungen.» Der Besitzer gibt zu bedenken, dass es nicht in seinem Interesse sei, dieses leer stehen zu lassen.

Gibt es einen Neubau?

Grundsätzlich dürften zwei Varianten zur Wahl stehen: das Haus für eine neue Nutzung fitzumachen – oder es für einen Neubau abzureissen. Für einen Nachbarn scheint bereits klar, dass es einen Neubau geben wird. Er will auch wissen, dass Büros hierfür bereits Studien erarbeitet haben.

Das Grundstück liegt gemäss Spiezer Zonenplan in der Erhaltungszone, die laut dem Baureglement «parkähnliche Areale mit wertvollen Bauten und Bäumen» umfasst. In den Plänen sind auf der Parzelle weder geschützte Bäume noch Bauten vermerkt. Was also ist da realisierbar? «Ein zweigeschossiger Neubau mit Attika wäre möglich», sagt Roland Dietrich, Leiter Abteilung Bau bei der Gemeinde Spiez. In der Erhaltungszone gelte es indes höhere Anforderungen bezüglich Gestaltung von Gebäude und Umgebung zu erfüllen. «Das Bauvorhaben müsste sich in die aktuelle Situation einfügen.»

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