Warum Einheimische die Touristen respektieren sollten

Interlaken

Interlaken Tourismus hat eine Tourismus-Sensibilisierungsstudie in Auftrag gegeben. Grund: Man habe einen «latenten Unmut» über die aktuelle Situation in der einheimischen Bevölkerung ausgemacht.

<b>Der Tourismus in Interlaken boomt.</b> Die Logiernächtezahlen steigen. Das birgt auch Konfliktpotenzial, wie eine Tourismus-Sensibilisierungsstudie aufzeigt.

Der Tourismus in Interlaken boomt. Die Logiernächtezahlen steigen. Das birgt auch Konfliktpotenzial, wie eine Tourismus-Sensibilisierungsstudie aufzeigt.

(Bild: Bruno Petroni)

Samuel Günter@samuel_guenter

«Es besteht ein latenter Unmut», erklärte Daniel Sulzer, Direktor Interlaken Tourismus (TOI), am Mittwoch an einer Medienkonferenz. «Unmut über das Ausmass des Tourismus.» Noch seien Lage und Stimmung nicht prekär.

Eine kritische Grenze wäre gemäss Sulzer bei 200 Logiernächten pro Einwohner pro Jahr. 2017 waren es 137. «Aber wir wollen lieber jetzt handeln.» Deshalb habe TOI bei der Forschungsstelle Tourismus der Universität Bern eine Tourismus-Sensibilisierungsstudie in Auftrag gegeben, welche gestern vorgestellt wurde.

Die Resultate der Studie überraschen nicht wirklich: Der Tourismus ist wirtschaftlich ein wichtiger Pfeiler für die Region und generiert Wertschöpfung und Arbeitsplätze. Auch was die Infrastruktur angeht, profitiert die einheimische Bevölkerung vom Fremdenverkehr.

Wofür will Interlaken Tourismus die Bevölkerung genau sensibilisieren? Das wird in diesem Erklärvideo gezeigt. Video: Youtube.com/InterlakenTourism

Etwa bei den Ladenöffnungszeiten, dem Freizeitangebot oder der Erschliessung mit dem öffentlichen Verkehr. Auf der anderen Seite bringt er eine gewisse Fremdbestimmung, Landverbrauch, Konfliktpotenzial zwischen den Kulturen und Unannehmlichkeiten im Alltag – beispielsweise im Verkehr oder an der Supermarktkasse. Dass dies keine bahnbrechenden Resultate sind, ist sich Sulzer bewusst. «Es ging mehr darum, bekannte Annahmen zu erhärten.»

Einheimische einbeziehen

Gemäss Therese Lehmann von der Forschungsstelle Tourismus liessen sich aus der Studie «mögliche Themenfelder und Strategieansätze» ableiten. Etwa die Weiterentwicklung des Ganzjahrestourismus und die Reduktion möglicher Konfliktpotenziale durch verstärkte Kommunikation. «Der Einbezug und die aktive Teilnahme der Bevölkerung ist zentral», hält Therese Lehmann fest.

Und hier will Sulzer ansetzen. Den Auftakt macht am Donnerstagabend ein Podium an der Interlakner Gewerbeausstellung (IGA). «Ich erhoffe mir eine rege Teilnahme, gerade von Leuten, die sonst die Faust im Sack machen.» Die Studie sei auch Thema des Standes von Interlaken Tourismus an der IGA.

Sulzer gibt aber auch zu verstehen, dass die Möglichkeiten von TOI Grenzen haben. «Wir können beispielsweise keinen Schuhladen eröffnen oder Verkehrsmassnahmen durchsetzen.»

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