Wann sangen die alten Haslitaler?

Hasliberg

Das musikalische Projekt «Trift» von Roland Schwab feierte im Hotel Wetterhorn eine abwechslungsreiche, gefühlvolle Premiere.

Das «Trift»-Trio im Wetterhorn: Claude Bowald (v.l.), Roland Schwab und Susanne Dill.

Das «Trift»-Trio im Wetterhorn: Claude Bowald (v.l.), Roland Schwab und Susanne Dill.

(Bild: Anne-Marie Günter)

Es scheint, dass die Leute im Haslital einst sangen, wenn sie etwas Schweres zu verarbeiten hatten. In Liebessachen hingegen waren sie pragmatisch. Dieser Eindruck entstand jedenfalls nach dem stimmungsvollen Konzertabend von Multiinstrumentalist Roland Schwab, Gitarrist Claude Bowald und Akkordeonistin Susanne Dill im Hotel Wetterhorn. Sie feierten die Premiere ihres Projekts «Trift». Trift wie die 2009 in der heutigen Form gebaute Hängebrücke, aber auch Trift wie die tiefe Schlucht in einer alpinen Landschaft voller Lawinen und Gletscherspalten.

Die Menschen, die einst dort lebten, kamen vielleicht von Schweden her, wie ein altes Lied erzählt. Sie waren Säumer und Söldner. Ihre musikalischen Spuren, soweit sie aufzufinden waren, hat der gebürtige Innertkirchler Roland Schwab gesammelt und in Noten gesetzt; lüpfige Tänze und melancholische ­Lieder.

«Lengi Zyti»

Quellen waren ältere Menschen, zum Beispiel auch Roland Schwabs Grossvater, der beim Ruhen auf dem Sofa mit dem Örgeli auf dem Bauch Tanzliedchen spielte, aber auch die Volksweisensammlung von Hanny Christen. Eindrücklich die Lieder mit Texten des Mundartdichters Fritz Ringgenberg. Erzählt wird vom Tod im Gletscher oder vom Holzweg im realen Sinn. «Der Weg wird heute noch an Beerdigungen gesungen», sagte Schwab.

In Sachen Liebe gabs die Geschichte des Gomser Säumers, auf den ein Mädchen aus Guttannen verzichtete, weil er fünf Liter Milch auf einmal trank. Oder ein derbes Liedchen, in dem mit dem Fenstereinschlagen gedroht wird. Roland Schwab stellte jeweils kurz die Quelle vor und wählte dann das passende Begleitinstrument aus seinem reichen Fundus.

Das Spannendste war der Serpent, ein Holzledervorgänger der Posaune, die ihrerseits sehr schön zum Einsatz kam. Das Zusammenspiel der drei Musiker harmonierte, gekonnt waren die Wechsel zwischen Melodie und Begleitung von Akkordeon und Gitarre. Im Konzertraum waren viele Haslerinnen und Hasler. Und sie sangen mit, als «Lengi Zyti» angestimmt wurde.

Die Schattenhalber Triichler sollen das Jodellied jeweils in einer sentimentalen Stunde singen. Komponiert hat es Sängervater Johann Rudolf Krenger, der seinerzeit Seklehrer in Interlaken war. Die drei Musiker liessen sich durch viel Applaus dazu bewegen, es als Zugabe zu den Zugaben noch einmal zu spielen.

Berner Oberländer

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