V-Projekt: Letzte Meilensteine vor Baubeginn?

Im Jahr 2015 machte das V-Projekt einen grossen Schritt vorwärts. Nun sollen die restlichen wichtigen Verfahren durchgearbeitet werden. Mit einem klaren Ziel: der Baubewilligung bis Ende 2016.

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Der 21. Oktober 2015 ist ein ­einschneidendes Datum für das V-Bahn-Projekt: Die Bergschaft Wärgistal erteilte für den Eiger-Express die Überfahrtsrechte. Im zweiten Anlauf: Noch vor Jahresfrist wurde die nötige Zweidrittelmehrheit verfehlt. Nach der Zustimmung der Gemeinde Grindelwald und der Bergschaft Itramen war das Ja aus Wärgistal der dritte wesentliche Entscheid, der mit demokratischen Mitteln gefällt wurde.

Die Jungfraubahnen hätten die Handbremse lösen können, wie CEO Urs Kessler sagt. «Verschiedene Bestellungen wurden nun ausgelöst, etwa für die Rollmaterialerneuerung der Berner-Oberland-Bahnen.» Dieses Teilprojekt kostet 130 Millionen Franken. Neben den neuen Zügen beinhaltet es die Depoterweiterung in Zweilütschinen und die neue Haltestelle Rothenegg. Ebenfalls, sagt Kessler, seien seit Mitte Oktober die Pläne für den Eiger-Express, die Männlichenbahn sowie die verschiedenen Stationen weiter konkretisiert worden.

Weitere Entscheide, die mit der V-Bahn zusammenhängen, datieren aus dem Jahr 2015. So wurde im Februar publik, dass das Parkhaus einen Stock tiefer gebaut werden soll als ursprünglich geplant; dies aufgrund diverser Einsprachen von Einwohnern. Apropos Einsprachen: Die Beschwerde von Peter Roth gegen den Entscheid der Grindelwalder Gemeindeversammlung wurde im ablaufenden Jahr dreifach abgeschmettert; im Januar vom Regierungsstatthalter, im Mai vom Verwaltungsgericht und im Oktober vom Bundesgericht.

«Solche Fälle sind aufwendig», sagt Kessler. «Aber wir waren der festen Überzeugung, dass der Entscheid rechtsgültig war und wir gewinnen würden.»

Ab 2017 soll gebaut werden

Was kann der V-Bahn also noch im Weg stehen? Die grösste Herausforderung, sagt Kessler, seien die Verhandlungen mit den Landeigentümern. Viele Verträge seien unterschrieben und notariell beglaubigt; fünf bis sechs Parteien stellen sich aber noch quer. Die Gespräche sollen bis 10. Januar abgeschlossen sein. Der Dialog sei wichtig, sagt Kessler, und alle Landeigentümer müssten gleich behandelt werden. Sollte es keine Einigung geben, würde der Rechtsweg beschritten und allenfalls Enteignungsverfahren eingeleitet. «Das würden wir nur sehr ungern tun.»

Auch eine Stellungnahme des Amtes für Gemeinden und Raumordnung (AGR) – noch sind diverse Einsprachen gegen Bahn und Parkhaus hängig – wird für Anfang Januar erwartet. Die nächsten wichtigen Meilensteine sind die Eingaben der beiden Plangenehmigungsverfahren im Februar und im März: Das erste beinhaltet den baulichen Teil des ganzen Projekts, das zweite die technischen Details.

«Läuft alles nach Plan, haben wir die Baubewilligung für die ­V-Bahn noch vor Ende des Jahres 2016», sagt Urs Kessler. Und blickt noch weiter in die Zukunft: Im Frühling 2017 sollen die Baumaschinen auffahren. Der Ersatz für die Gondelbahn Grindelwald–Männlichen soll nach ge­genwärtigem Fahrplan auf die Wintersaison 2018/2019 in Betrieb genommen werden, der Eiger-Express ein Jahr später. «Wir brauchen das Projekt», ist Kessler überzeugt. «Für die ganze Region.»

Wolle man nicht Mittelmass sein, müsse man den Status einer erstklassigen Ganzjahresdestination im Schweizer Tourismus anstreben. Nicht nur würde mit der V-Bahn vermehrt in die Grindelwalder Hotellerie investiert – potenzielle Investoren signalisierten gegenüber Kessler bereits ihr Interesse –, sondern die Region würde für die nächsten 25 bis 30 Jahre im internationalen Wintersportwettbewerb eine Spitzenposition innehaben.

«Wengen-Shuttle»

Auch für die Aufwertung der Bahninfrastruktur im anderen Lütschinental greifen die Jungfraubahnen in die Tasche: Für 15 Millionen Franken werden zwei Zugkompositionen à 384 Sitzplätze angeschafft. Diese werden als sogenannte «Wengen-Shuttles» ausschliesslich zwischen Lauterbrunnen und Wengen verkehren, mit dem Ziel, den Gästeverkehr nach Wengen vom Ausflugsverkehr auf das Jungfraujoch zu trennen. Die behindertengerechten Niederflurzüge be­dürfen kleinerer Anpassungen am Bahnhof Wengen; etwa wird die Perronkante um rund 30 Zentimeter erhöht. Diese Anpassung wurde am Bahnhof Lauterbrunnen bereits durchgeführt.

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