Grindelwald

Vorstoss in die endlose Eiswüste

GrindelwaldChristian Schlunegger kehrte kürzlich von einer Antarktis­expedition zurück – mit Eindrücken, die den Pistenfahrzeug­fahrer und Eismeister vom Jungfraujoch zeitweise demütig und lethargisch werden liessen.

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Er liebt es kühl, der Christian Schlunegger. Sehr kühl. Entsprechend ist ihm das Flair für das Pistenfahrzeugfahren quasi in die Wiege gelegt worden – durfte er doch schon als Dreijähriger mit seinem Vater Hanspeter mitfahren. Später, nach der Ausbildung zum Zimmermann und Forstwart, war die Zeit gekommen, selber das Steuer zu ergreifen; und seither ist Christian ­Pistenfahrzeugfahrer. Zuerst auf Bodmi und First und seit drei Jahren auf dem Jungfraujoch. Dort bringt er als Eismeister in Diensten der Jungfraubahnen auch den Eispalast laufend in die richtige Form.

Doch die Kälte an seinem 3450 Meter hohen Ar­beitsplatz schien ihm noch nicht kühl genug zu sein, worauf er vor drei Jahren auf einen Tipp des Saaner Air-Glaciers-Arztes und Bergführers Martin Leitl als Mitglied einer Forschungsexpedition bei der Bremerhavener Reederei Laeisz anheuerte, prompt engagiert wurde und im November 2016 erstmals für dreieinhalb Monate in die Antarktis reisen durfte.

Zum Bullyfahren kam er damals noch weniger häufig; aber als technischer Support zimmerte er bei minus 35 Grad unter anderem ein massives Schutzdach für eine Eisbohrmaschine, mit der die internationalen Forscher bis 2,8 Kilometer tiefe Kernbohrungen durchführten.

«Da hast du genug Zeit...»

«Offenbar waren die Verantwortlichen des Alfred-Wegener-Instituts zufrieden mit mir, und so wurde ich letztes Jahr abermals angefragt, ob ich in die ­Antarktis zurückwolle», erzählt Schlunegger. Und so flog der 28-jährige Grindelwalder im November wiederum via Kapstadt ins Ritscherhochland, wo diesmal eine 1000 Kilometer lange Expedition mit dem Pistenfahrzeug zur skandinavischen Forschungsstation Wasa wartete. Zweieinhalb Monate bei diesmal geradezu kuschelig warmen Temperaturen – sank das Thermometer doch nie tiefer als 24 Grad unter null.

Schlunegger zog mit seinem 400 PS starken Pistenbully Lasten von bis zu 50 Tonnen Gewicht hinter sich her. Täglich zehn Stunden am Steuer – an der gleissenden Sonne, bei einem Tempo von zehn Stundenkilometern. «Tagelang nichts als ein weisser Horizont. An Weihnachten und Neujahr unterwegs; weit weg von Familie und Freunden. Da hast du genug Zeit, über das Leben nachzudenken, und in ­dieser Unendlichkeit macht sich allmählich eine gewisse Lethargie und Demut breit.»

Antarktis ist Vergangenheit

Jetzt ist aber genug mit Antarktis – obwohl er wohl sofort wieder im Team aufgenommen würde. «Aber auf dem Jungfraujoch haben wir halt gerade in den Wintermonaten extrem viel zu tun, und da möchte ich aus Loyalität zu meinem Arbeitgeber nicht wieder so lange fehlen. Ausserdem habe ich es nach insgesamt einem halben Jahr in der Antarktis unten langsam gesehen, auch wenn es beide Male ein ausgesprochen spannendes Abenteuer war.»

Auch für seine Familie will sich der frischgebackene Ehemann mehr Zeit nehmen. Und im Eispalast des Jungfraujochs findet er ja auch die geliebte Abkühlung... (Berner Oberländer)

Erstellt: 13.02.2018, 11:02 Uhr

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