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Vorsätzliche oder fahrlässige Tötung?

Am Montag begann am Regionalgericht Oberland der Prozess gegen zwei italienische Staatsangehörige. Ihnen wird vorsätzliche, eventuell fahrlässige Tötung und Unterlassung der Nothilfe zur Last gelegt.

War der Fahrzeugbrand ein Unfall oder wurde mit Benzin nachgeholfen? Symbolbild: Fotolia
War der Fahrzeugbrand ein Unfall oder wurde mit Benzin nachgeholfen? Symbolbild: Fotolia

Nach einem Fahrzeugbrand in Gadmen konnte im Juli 2014 eine damals 32-jährige Dominikanerin nur noch tot geborgen werden. Eine 25-jährige Frau und ein 49-jähriger Mann, beide italienische Staatsangehörige, konnten das Auto selbstständig verlassen. Sie mussten ins Spital gebracht werden. Das Auto wurde beim Brand vollständig zerstört.

Die beiden Beschuldigten waren nicht anwesend

Den beiden wird vorsätzliche ­Tötung, eventuell fahrlässige Tötung sowie eventuelle Unterlassung der Nothilfe zur Last gelegt. Nun begann am Montag die Hauptverhandlung am Regionalgericht Oberland in Thun. Die beiden Angeklagten waren nicht anwesend. Sie hatten sich entschuldigt und wurden von ihren amtlichen Verteidigern vertreten.

Anwesend als Privatkläger hingegen war der Vater der ums Leben gekommenen Frau, welcher durch einen Rechtsanwalt amtlich vertreten war. Zudem wurden durch das in Fünfer­besetzung unter Gerichtspräsidentin Dorothea Züllig tagende Kollegialgericht einige Zeugen befragt.

Die eine Version geht von Tötungsabsicht aus

Wie sich das Ganze rund um den Autobrand auf einem Ausstellplatz in der Nähe der Talstation der Triftbahn abgespielt hatte, konnte nicht restlos geklärt werden. Eine Version geht davon aus, dass die beiden Beschuldigten Brandbeschleuniger (Benzin) ins Auto gegossen haben, um die Dominikanerin, die Ehefrau des Italieners, absichtlich zu töten. Als Motiv ortete der Vater des Opfers als Privatkläger eine angeblich abgeschlossene hohe Lebensversicherung. Er vermutete zudem eine Entführung seiner Tochter.

Gemäss einer anderen Darstellung wird angenommen, dass die Beschuldigte am Steuer eingeschlafen und in der Folge gegen eine Holzbeige geprallt sei. Darauf sei das Auto in Brand geraten

Es konnten nicht alle Zweifel ausgeräumt werden

«Es ist nicht vorstellbar, dass ein Mann seine eigene Frau auf eine solche Weise umbringt», sagte Staatsanwalt Thomas Wyser in seinem Plädoyer. Im vorliegenden Fall hätten nicht alle Zweifel ausgeräumt werden können. Die Aussagen der beiden Beschuldigten würden in weiten Teilen übereinstimmen, so Wyser.

Auch die Angaben der Zeugen hätten gezeigt, dass die beiden unter Schock gestanden seien und der Mann wiederholt zum Auto zurückgewollt habe, um seine Frau zu retten. Demgegenüber misstraute der Staatsanwalt den Aussagen des Vaters des Opfers. Nach dem Grundsatz in dubio pro reo («im Zweifel für den Angeklagten») beantragte er Freisprüche in allen Anklagepunkten.

Wollte der Mann seine Frau retten?

Die Auffassung des Staatsanwalts teilten auch die beiden Verteidiger der Beschuldigten. Sie machten unter anderem geltend, dass diese nach dem Brandausbruch unter Schock gestanden hätten. Der Mann habe zudem mehrmals versucht, zum brennenden Auto zurückzugelangen, offenbar, um seine Frau zu retten. Die Sache mit der hohen Lebensversicherung und der angeblichen Entführung verwiesen sie ins Reich der Fantasie. Sie forderten Freisprüche und die Abweisung der Privatklage.

«Sachverhalt spricht eindeutig für eine Brandstiftung»

Anders sah dies naturgemäss der Anwalt des Privatklägers. «Es ist nicht erklärbar, weshalb die leichte Kollision mit der Holzbeige Ursache des Brandes sein konnte», führte er unter anderem aus. Zudem bezweifelte er, dass der Beschuldigte ernsthaft versucht habe, seine Ehefrau aus dem brennenden Auto zu retten. «Der Sachverhalt spricht eindeutig für eine Brandstiftung», sagte der Anwalt. Er plädierte deshalb für Schuldsprüche im Sinne der Anklageschrift und beantragte eine angemessene Genugtuung für den Privatkläger.

Das Urteil wird am Donnerstag er­öffnet.

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