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Vor dem Grossauftritt der Naturjutz-Freunde

Die Berner Oberländer Naturjodler-Vereinigung tritt am 10. September in Interlaken auf. Ihr Ziel ist es, den Naturjutz zu fördern und zu bewahren.

In Oberhofen am Thunersee ist der Naturjutz ganz besonders daheim (v.l.): Kurt Blatti, Sekretär der Berner Oberländer Naturjodler-Vereinigung, Präsident Daniel von Gunten und Dirigent Matthias Christener.
In Oberhofen am Thunersee ist der Naturjutz ganz besonders daheim (v.l.): Kurt Blatti, Sekretär der Berner Oberländer Naturjodler-Vereinigung, Präsident Daniel von Gunten und Dirigent Matthias Christener.
Anne-Marie Günter

Bei ihrem allerersten Auftritt sangen die Frauen und Männer der Berner Oberländer Naturjodler-Vereinigung bei strömendem Regen. Auf der Höhematte in Interlaken, während des Samstagabendprogramms am Eidgenössischen Jodlerfestes 2011. Das Titelblatt ihrer Vereinsstatuten ist mit althergebrachter Frakturschrift gestaltet, aber unvergilbt: Das Gründungsjahr ist 2010.

«Es geht darum, den Naturjutz zu bewahren und zu fördern», sagt Sekretär Kurt Blatti aus Oberhofen. Die Idee, dafür eine Vereinigung zu gründen, stammt von Hanspeter Seiler, Co-Präsident des Jodlerfests. Gründungsort war Faulensee. Heute präsidiert Daniel von Gunten von den Bärgjodlern Sigriswil die Vereinigung. 49 Oberländer Jodlerklubs und 15 Einzeljodlerinnen und -jodler sind Mitglied.

Chilbi bis Lengizit

Wenn jeweils die Jodlerinnen und Jodler beim Auftritt nicht mit Worten, sondern nur hauptsächlich mit dem klingenden Doppelvokal «Jo» singen, dann ist es ein Naturjutz. Johann Wolfgang von Goethe hat festgestellt, dass «im Jodeln ein Sehnsuchtston zu vernehmen» ist.

«Der Jutz als Zuruf in den Bergen diente in erster Linie der Verständigung», schreibt Ewald Muther aus Ried-Brig in einem Aufsatz über Jodelkomponisten. Die Naturjutze, die heute gesungen werden, sind meistens komponiert. «Aufgeschrieben wird aber nur die erste Stimme», sagt Kurt Blatti.

Diese beginnt mit der Melodie, die mit eigenen Kadenzen geschmückt werden kann, die zweite fügt sich ein, und die Solo-stimmen werden vom Chor mindestens vierstimmig mit harmonischen Haltetönen untermalt. Ein Naturjutz besteht in der Regel aus vier Teilen, die von Tänzerisch bis Feierlich gehen. Dabei ist Goethes «Sehnsuchtston» meist unüberhörbar.

Die Tonart kann wechseln, Moll gibts aber im Oberländer Naturjutz nicht. Klaus Rubin schreibt dazu. «Der Aufbau und Inhalt eines Naturjodels kann ja sehr vielseitige Themen beinhalten: Lengizit, Einsamkeit, Leid, Besinnlichkeit, aber sicher auch Fröhlichkeit, jugendlicher Übermut oder auch einen Bärgchilibitag.»

Der Naturjutz ist vor allem in Bergregionen daheim, in der Innerschweiz, im Toggenburg und eben im Berner Oberland. Dort sind Komponisten wie Klaus Rubin, Ueli Moor und Ernst Feuz aktiv, die neben Matthias Christener und Adrian Ryter die Berner Oberländer Naturjodler dirigieren.

Dazu gibt es viele Naturjutze des legendären Jodler-komponisten Adolf Stähli aus Oberhofen, der ihnen oft Namen der umliegenden Berge gab: Güggisgrat und Spitzeflue zum Beispiel. Zweimal im Jahr übt die Vereinigung in Wimmis, wobei so rund 150 Jodler dabei sind.

Für den Auftritt am 3.Unspunnen-Einstimmungsanlass vom kommenden Donnerstag auf der Höhematte haben sich 200 Jodlerinnen und Jodler angemeldet. Dort sind sie dieses Mal sicher «am Schärme».

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