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Von der Werkbank auf die Loipe

50 Schweizer Athletinnen und Athleten werden an den Special Olympics World Winter Games Austria 2017 teilnehmen. Einer von ihnen ist Michael Dohrau.

Langläufer Michael Dohrau.
Langläufer Michael Dohrau.
ksm-fotografie

Alle zwei Jahre trägt die Organisation Special Olympics ihre World Games, Sommer- und Winterspiele im Wechsel, aus. Die letzten World Summer Games fanden 2015 in Los Angeles statt, und die nächsten World Winter Games finden vom 18. bis zum 24. März 2017 in Österreich statt. 3000 Sportlerinnen und Sportler aus 110 Nationen werden dabei sein.

Einer von zwölf Teilnehmern

Für die Schweiz sind 50 Teilnehmende gemeldet. Begleitet werden sie von 21 Coaches und Staffmitgliedern. Für Michael Dohrau, der in Zweisimmen in der Institution «Bergquelle Wohnen und Werken» wohnt und arbeitet, ist die Teilnahme an diesem Anlass «etwas ganz Besonderes!».

Dohrau, der bereits als Mitglied der damaligen Basketballmannschaft an den Special Olympics Summer Games 2007 in Shanghai dabei war, freut sich dieses Mal auf die Winterspiele. Er ist einer von 12 Langläufern, die für die Schweiz antreten werden.

Michael Dohrau trainiert regelmässig und so oft es geht auf der Loipe, macht Konditions- und Konzentrationstrainings und fährt mit dem Velo zur Arbeit. Ausserdem bestreitet er seit Jahren erfolgreich die jährlichen Langlaufwettbewerbe in Einsiedeln, Ulrichen und Chur, welche von Special Olympics organisiert werden. Dabei errang er bereits mehrere Podestplätze.

Weder schreiben noch lesen

Auf seine Ambitionen hinsichtlich der World Games in Österreich angesprochen, lächelt Dohrau und sagt: «Mal sehen, wie weit es reicht!» Die Teilnahme an diesen World Games bedeutet ihm sehr viel, und er freut sich darauf, seit er weiss, dass er dabei sein kann. Nach kurzem Zögern räumt er ein: «Ein Podestplatz würde mich natürlich schon reizen.»

Der heute 50-jährige Michael Dohrau, ursprünglich aus Raps SG, erlitt im Kindesalter einen Sauerstoffmangel, was das Absterben einiger Gehirnzellen bewirkte. Die Folgen dieser Hirnschädigung sind Beeinträchtigungen der kognitiven Fähigkeiten sowie Einschränkungen des affektiven Verhaltens.

«Ich kann weder lesen noch schreiben», sagt Dohrau und antwortet selbstbewusst auf die Frage, ob darüber berichtet werden dürfe: «Ja, das ist keine Schande. Es gibt viele Leute, die das nicht können!» Dohrau wohnt seitdem betreut und arbeitet an geschützten Arbeitsplätzen in diversen Institutionen und Berufen.

Der gelernte Küchengehilfe ist zurzeit in der Holzverarbeitung der «Bergquelle» in Zweisimmen beschäftigt, und einmal pro Woche arbeitet er auf dem Landwirtschaftsbetrieb seines Beistandes im Obersimmental.

Erst Österreich, dann Genf

Mit drei weiteren Langläufern zusammen bildet Michael Dohrau eine Trainingsgruppe. Ihr Coach aus Basel hat diese Gruppe zusammengestellt und begleitet die vier nach Österreich. Dohrau ist sportbegeistert und will dies auch in Zukunft bleiben. Er liebäugelt bereits mit den Special Olympics National Summer Games 2018 in Genf. Dort will er in der Sportart Tischtennis antreten.

Das könne er zu zweit oder auch alleine machen, ohne Teil einer Mannschaft sein zu müssen, so seine Überlegungen. Und das Tischtennistraining täte ihm gut, es fördere seine Beweglichkeit und seine Konzentration. Kein Wunder also, dass Tischtennisspielen bereits heute viel Platz in seinen Trainingseinheiten einnimmt. Doch vorerst fokussiert sich Dohrau auf Österreich und hofft, dass ihm viele Daumen gedrückt werden.

Weitere Oberländer Teilnehmer an den Special Olympics: Frutiger Ferdinando (Ski alpin), Meiringen. Gertsch Karin (Ski alpin), Mürren. Grünig Vincenz (Ski alpin), Unterseen. Sala Nicole (Ski alpin), Meiringen.

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