Vom Oberländer Waldarbeiter zum weltberühmten Holzfäller

Ferdinand Hodler, der wohl bekannteste Schweizer Maler des 19. Jahrhunderts, pflegte eine enge Beziehung zum Berner Oberland. Die Berge versetzten ihn in einen «Taumelzustand».

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Ferdinand Hodler und das Berner Oberland: Es war eine lange und tiefe Beziehung, aus der einige der berühmtesten Werke des Künstlers entstanden. Als er vor hundert Jahren, genauer am 19. Mai 1918, in seiner Wahlheimatstadt Genf starb, hinterliess Ferdinand Hodler ein Gesamtwerk, das ihn zum bekanntesten Schweizer Maler des 19. Jahrhunderts machte.

Nicht nur, aber vor allem im Berner Oberland hatte ihn die Bergwelt fasziniert und inspiriert. Davon handelten die ersten zwei Teile unserer Serie. Doch wie der dritte Teil belegt, waren es auch Oberländer Menschen, die Ferdinand Hodler als Vorbilder für einige seiner exakten Porträts dienten.

1882 malte Hodler während eines Aufenthaltes in Därligen am Bild «Der Schwingerumzug». Dabei hat er sich wohl die Oberländer Gesichter eingeprägt und einige Charakterköpfe in seinem Werk porträtiert.

«Der Schwingerkönig war ein Bodmer»

Zu diesem Bild hat der spätere Pfarrer von Leissigen, Hugo Helmut Huber, in seiner Dorfchronik folgenden Bemerkung festgehalten: «Ich erkannte, 1926 in unsere Kirchgemeinde ankommend, sofort etliche der da abgebildeten Männer und könnte sie noch mit Namen nennen.

Der Schwingerkönig war ein Bodmer.» Hodler hat das Bild zuerst im kleinen und zwei Jahre später im Grossformat gemalt. Letzteres ist heute in der Eingangshalle des Berner Rathauses zu bewundern.

Vielsagende Skizze von einem Oberländer Waldarbeiter

Im April 1908 beauftragte die Schweizer Nationalbank Ferdinand Hodler mit der Illustration der neuen 50- und 100-Franken-Scheine. Die Motive sollten in Bezug zur Landarbeit stehen. Für die 50-Franken-Scheine entschied sich der Künstler für das Motiv des Holzfällers.

1909, während eines Aufenthalts im Berner Oberland, skizzierte Hodler den Holzfäller in seinem Carnet. Gut möglich also, dass ein Oberländer Waldarbeiter unwissentlich zum Modell für das ganz grosse und berühmte Werk wurde.

Bei Ausgabe der Scheine stellte Hodler zu seinem Bedauern fest, dass der verkleinerte Massstab die Ausdruckkraft der Figur abschwächte. Ausserdem verfälschen realistische Verzierungen die gespenstische Landschaft des Bildes, die mit der expressionistisch anmutenden Figur harmoniert.

Glücklicherweise endete die Geschichte des Holzfällers nicht mit dieser für ihn enttäuschenden Reproduktion. 1910 stellte Hodler eine überlebensgrosse Version des Werkes aus. Der Erfolg liess nicht auf sich warten, man gab sogleich Repliken bei ihm in Auftrag, und Hodler malte diese in verschiedenen, leicht abgeänderten Versionen.

Hodler malte und fotografierte auch sich selber

Hodler setzte sich auch immer wieder selbst in Szene. Seine Selbstporträts hat er als Skizzen und fertige Gemälde in grosser Zahl gefertigt. Die Einführung der Postkarte im Jahre 1871 brachte die Serienproduktion von «Schweizer Ansichten» für Touristen, die bisher im Berner Oberland von spezialisierten Malern betrieben worden war, zum Erliegen. Wie man sich erinnert, hatte Hodler in Thun seine Lehre in diesem als trivial betrachteten Handwerk absolviert.

Hodler liess sich gerne fotografieren. Vierzig Jahre später posierte der ehemalige Hersteller von Souvenirlandschaften als erfolgreicher Künstler für Postkarten, die ihn im Berner Oberland zeigen – wahrlich eine symbolträchtige Situation!

Diese Umkehrung der Verhältnisse erscheint in noch ironischerem Licht, wenn man sich vergegenwärtigt, dass Hodler auf einer dieser Karten in einem Fotoatelier – vielleicht im Atelier von Johann Christian Moeglé in Thun oder bei Johann Adam Gablers Nachfahren in Interlaken – vor einem gemalten Hintergrund steht, der nichts anderes als eine jener farbigen Ansichten mit Schweizer Chalet und schneebedeckten Gipfeln ist.

Mönch und Jungfrau, die man im Hintergrund des Kulissenbildes erkennt, sind Motive, die Ferdinand Hodler vielleicht schon hundertfach im Thuner Atelier auf Karton gemalt hatte . . .

Quellen: diverse Bücher und Publikationen, Archiv Jura Brühschweiler, Ausstellungskatalog Kunstmuseum Bern 2008 und andere. (Berner Oberländer)

Erstellt: 05.05.2018, 21:41 Uhr

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