Vollgeld: schädlich oder sicherer?

Unterseen

Vollgeld mache unser Finanzsystem sicherer, sagen die Befürworter. Vollgeld sei schädlich, so die Gegner. Die SP Unterseen hat beiden Positionen ein Podium verschafft.

Die Vorlage, die am 10. Juni vors Volk kommt, sei intellektuell anspruchsvoll, denn es gehe um grundlegende Fragen der Geldordnung, so die SP Unterseen.<p class='credit'>(Bild: Keystone)</p>

Die Vorlage, die am 10. Juni vors Volk kommt, sei intellektuell anspruchsvoll, denn es gehe um grundlegende Fragen der Geldordnung, so die SP Unterseen.

(Bild: Keystone)

«Viele Volksinitiativen appellieren an Emotionen», schreibt die SP Unterseen in einer Medienmitteilung. «Nicht so die Vollgeldinitiative. Mit einem Bauchgefühl kommt man bei diesem Volksbegehren nicht weit, man braucht dazu den Kopf.» Die Vorlage, die am 10. Juni vors Volk kommt, sei intellektuell anspruchsvoll, denn es gehe um grundlegende Fragen der Geldordnung.

An einer öffentlichen Veranstaltung der SP Unterseen haben deshalb ein Befürworter und ein Gegner der Initiative die Klingen gekreuzt: Raffael Wüthrich, Medienverantwortlicher Vollgeldinitiative und Journalist, und Luca Alberucci vom Berner Komitee «Vollgeldinitiative Nein», Grossrat der Grünliberalen, Mathematiker und in leitender Funktion bei Postfinance.

Bloss ein Versprechen

Wüthrich warnte, dass das Geld auf dem Konto «bloss ein Versprechen der Bank» sei. «Das ist wie bei einem 100-Franken-Geschenkgutschein: Wenn Sie ihn einlösen wollen und das entsprechende Geschäft hat inzwischen Pleite gemacht, ist der Gutschein nichts mehr wert.» Dies wolle die Initiative ändern.

«Wer soll unser Geld herstellen?», fragte Wüthrich zum Schluss. «Die UBS und die CS, die ihren grossteils ausländischen Aktionären zur Gewinnmaximierung verpflichtet sind? Oder die Nationalbank, die gemäss Ver­fassung und Gesetz das Wohlergehen des Landes im Fokus haben muss?»

Anliegen bereits erfüllt

Schulden machen und Kredite vergeben, erklärte Luca Alberucci, sei eine Eigenschaft entwickelter Volkswirtschaften. Eine gesunde Verschuldung sei Voraussetzung für Entwicklung. Eine Kreditvergabe sei immer mit Geldschöpfung verbunden: «Gibt eine Bank Kredit, so gibt es automatisch eine Gutschrift von Zahlungsmitteln, respektive Sichtgeldern, auf das Bankkonto des Kreditnehmers.»

Die Banken übernehmen dabei auch Risiken, die sie mit Eigenmitteln unter­legen müssen. «Aufgrund der ­gestiegenen Eigenmittelanforderungen, der weitgehenden Regulierung von Banken und des Einlagensicherungssystems ist das berechtigte Anliegen der Initianten, sichere Zahlungsmittel bereitzustellen, bereits heute gewährleistet.»

pd/sgg

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