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Viele Kandidaten generieren viele Stimmen

An der Urne werden in Frutigen acht Sitze im Gemeinderat vergeben, ebenso wird das Gemeindepräsidium besetzt. Parteilose, SVP, EDU, EVP und SP kämpfen um entsprechende Sitze. Die Besonderheit der Wahl: das Proporzsystem.

Hans Schmid, SVP: Gemeinderatspräsident.
Hans Schmid, SVP: Gemeinderatspräsident.
zvg
Marianna Bütschi, SVP: bisher.
Marianna Bütschi, SVP: bisher.
zvg
Wahl ums Gemeindepräsidium: Faustust Furrer, parteilos
Wahl ums Gemeindepräsidium: Faustust Furrer, parteilos
zvg
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So viele Kandidaten für eine Gemeindewahl? Aussenstehende mögen sich verwundert die Augen reiben, denn andernorts wird teilweise händeringend nach Kandidaten für ein öffentliches Amt gesucht. Walter Donzé, Parteipräsident der Evangelischen Volkspartei (EVP), hat die Er­klärung dafür: «In Frutigen wird der Gemeinderat im Proporz­verfahren gewählt. Das hat seine Geschichte.

Der Beschluss geht in die Zeit zurück, als Frutigen noch fünfzehn Gemeinderäte hatte.» Seit der Einführung des Proporzes – eine Verhältniswahl – seien die Ansprüche klar. «Das bezahlt man allerdings damit, dass die Liste für die acht Ratsmitglieder möglichst gefüllt werden muss.» Die Kandidatensuche sei aufwendig. Warum man seiner Partei den Vorzug geben soll, erklärt er so: «Die EVP wirkt seit 44 Jahren konstruktiv in der Gemeindepolitik mit. Wir sind der Überzeugung, dass alle politischen Kräfte in die Behörde eingebunden sein sollten.»

Aus­grenzung bewirke Widerstand statt Innovation. «Die EVP hat sich immer um den Kontakt mit der Bevölkerung bemüht. Wir sind der Auffassung, dass die Behörde Dienerin der Bevölkerung ist und nicht umgekehrt.»

Finanzen als grosses Thema

Als eine der grössten Heraus­forderungen in der nächsten Legislatur bezeichnet Donzé die ­Finanzen: «Frutigen muss ein strukturelles Defizit überwinden, damit Investitionen möglich sind und der Unterhalt der Infrastruktur gewährleistet werden kann.» Weil man steuertechnisch nicht viel Spielraum habe, müsse man sich um andere Standort­faktoren bemühen, ein attraktiver Wohnort und Lebensraum sein und Synergien mit anderen Gemeinden anstreben.

Iris Fuchs, Co-Präsidentin vom Verein Liberales Frutigen, erklärt: «Wir freuen uns sehr, acht aktive und überzeugte Gemeinderatskandidaten für die kommende Wahl zur Verfügung zu haben.» Sie alle mobilisierten Wählerstimmen. Warum ihre Partei zum Zug kommen soll, erklärt Fuchs folgendermassen: «Wir denken und handeln liberal, fortschrittlich, tolerant und setzen auf Eigenverantwortung.»

Eine transparente, ehrliche und zukunftsorientierte Gemeinde­politik biete optimale Rahmenbedingungen für Gewerbe, ­Handwerk, Dienstleister und Landwirtschaft. «Viele unserer Parteimitglieder leisten Vereinsarbeit und tragen so zu einem ­lebendigen Frutigen bei.»

Durch ihre offene und transparente Politik soll das Vertrauen der Bevölkerung in die Behörde (Gemeinderat, Kommissionen und Verwaltung) gestärkt werden. Als Ziele für die nächste Legislatur sagt sie: «Wir möchten die Gemeindefinanzen ins Gleichgewicht bringen.» Ein Selbstfinanzierungsgrad von 100 Prozent müsse in den nächsten Jahren erreicht werden, damit die Investitionen nicht eine höhere Verschuldung auslösten.

«Daher sind Diskussionen über geplante Investitionen zentral.» Dafür, den attraktiven Wohn-, Arbeits- und Freizeitort zu erhalten, brauche es eine enge Zusammenarbeit von Sport- und Kulturvereinen, Frutigen Tourismus und Handwerker- und Gewerbeverein. «Unsere Partei betreibt Sachpolitik und nicht Parteipolitik.»

Ratspräsident ist gewählt

Die Schweizerische Volkspartei (SVP) möchte wiederum eine breite Auswahl an Kandidaten aus allen Bevölkerungsschichten zur Wahl antreten lassen, erklärt Bernhard Rubin, Präsident der SVP Frutigen. Seine Partei soll man wählen, um einen Ausgleich zwischen Dorf und Bäuerten zu haben. Als Legislaturziele sollen die vorhandenen Mittel möglichst gerecht eingesetzt werden, die SVP will sich auch um ge­sunde Gemeindefinanzen kümmern. Auch die Schulhäuser in den Bäuerten sollen erhalten werden.

Von der SVP stammt auch Gemeinderatspräsident Hans Schmid, der im Frühling die Wahl mit 370 Stimmen gegenüber seinem Kontrahenten gewonnen hat. Damals sagte er: «Ich freue mich – auch wenn ich nur einer von neun im Gemeinderat bin –, Frutigen mitzugestalten und mein Gedankengut einzubringen. Erfahrung gerade in der Finanzpolitik bringt er von seinen acht Jahren als früherer Ge­meinderat mit.

Die geforderten Listenstimmen für die Proporzwahl waren auch für die Eidgenössisch-Demokratische Union (EDU) kein Leichtes, wie Präsident Jakob Ryter sagt: «Manchmal ist es schon schwierig, genügend Leute für ein Amt zu finden.» Und die Vereinbarkeit eines Amtes mit dem Beruf sei nicht immer gegeben. «Kandidaten müssen das Flair haben zu politisieren, den Willen, sich für die Gesellschaft einzu­setzen.» Die EDU hätte in Frutigen schon etwas zu sagen, man wolle bei der Gemeindewahl den Gemeinderatssitz von Stephan Stoller verteidigen. «Als Gemeinderat macht man vor allem Sachpolitik.»

Für die nächste Legislatur will die EDU vor allem dafür sorgen, dass die Finanzen im Lot sind. Mögliche Altlasten von früher sollen aufgearbeitet werden. «Wir wollen uns aber auch sozial engagieren, das ist bei uns als christliche Partei Pflicht.» Man möchte Frutigen aber auch vor­anbringen, sowohl wirtschaftlich, touristisch als auch gesellschaftlich.

Urnenwahl am 19. November: Um das Gemeindepräsidium bewerben sich Toni Balett, SP (neu), und Faustus Furrer, parteilos (neu). Für die acht Gemeinderatssitze kandidieren 21 Männer und 4 Frauen.

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