Adelboden

Verein will Schnee über den Sommer retten

AdelbodenDas Projekt Snowfarming auf Tschenten­alp soll Realität werden und entwickelt sich laut den Initianten positiv. Schon im Ok­tober soll eine Trainingspiste realisiert werden. Dagegen wehrt Pro Natura Bern.

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Der Traum des Vereins Trainingszentrum Adelboden könnte dieses Jahr in Erfüllung gehen, den Tschentenhang bereits ab Oktober dank ökologisch nachhaltigem Snowfarming in einem dreijährigen Versuchsbetrieb schneesicher zu machen. Dann würde eine Trainingspiste mit einer Länge von einem halben Kilometer bereitstehen. Mit Schnee vom letzten Jahr.

Abzuwarten bleiben noch Verhandlungen mit Pro Natura Bern, welche gegen das Bauvorhaben fristgerecht Einsprache erhoben hat. «Da die schriftliche Stellungnahme und eine allfällige Einigungsverhandlung noch ausstehend sind, wollen und können wir im laufenden Verfahren zur Einsprache keine Angaben machen» heisst es seitens der Initianten vom Trainingszentrum. Pro Natura Bern war für eine Stellungnahme nicht erreichbar.

Neu im Oberland

Ähnliche Anlagen dafür, Schnee zu übersommern, gibt es in der Schweiz bereits in Davos und Engelberg für den nordischen Sport, für die alpinen Disziplinen stehen noch immer die Diavolezza und die Gletscher in Engelberg, Zermatt und Saas Fee zur Verfügung.

«Auf der Alpennordseite gibt es sonst niemanden, der ein solches Angebot besitzt», erklärt Reto Däpp, Vorstandsmitglied vom Verein Trainingszentrum. Und für Werner Buchholz, ebenfalls ein Vorstandsmitglied, ist es wichtig, dass eine solche Lösung sehr grosse ökologische und finanzielle Vorteile mit sich bringe.

Denn beim Schnee handelt es sich um den bestehenden Schnee auf der Tschentenalp. «Es wird kein Schnee technisch produziert oder zugeführt», was natürlich viel weniger Energie benötige.

Däpp ergänzt, dass zudem durch die Arbeiten mit dem Schnee eine Wertschöpfung vor Ort entstehe.

Dreijährige Testphase

In diesem Jahr sind noch ein paar Hürden zu nehmen, unter anderem die Sicherstellung der Finanzierung des Projektes. Diese erweise sich als besondere Herausforderung.

Buchholz ist der Meinung, «dass die Argumente wie wirtschaftlicher Nutzen, positiver und innovativer Imageeffekt für Adelboden sowie die nachhaltige Förderung der heimischen Schneesportathleten viele Kritiker umstimmen werden und die Finanzierung sichergestellt werden kann».

Der Verein Trainingszentrum Adelboden leiste einen sehr grossen Beitrag durch ehrenamtliche Stunden im gesamten Projekt sowie bei Erstellung und Unterhalt des Versuchbetriebes, Neumitglieder seien zudem immer willkommen.

«Zum heutigen Zeitpunkt können wir noch keine genauen Angaben zu den Kosten für die Bewilligungsphase machen», sagt Buchholz. Für den Betrieb des Snowfarming (Erstellung Schneedepot, Bereitstellung Piste, Betrieb und Unterhalt Piste) rechne man im ersten Betriebsjahr bis Dezember mit Kosten von rund 140'000 Franken.

Das Ziel des Projekts Snowfarming sei es, nach Ablauf der dreijährigen Testbetriebsphase diese in einen regulären Betrieb an die Tschentenbahn AG zu übergeben. Die Initianten sind sich sicher, dass das Trainingsgebiet auf dem Tschenten ideal ist: Der Nordhang biete sehr gute Rahmenbedingungen, und der Berg sei gut erschlossen sowie rasch erreichbar.

Die Trainingshöhe sei ideal, und im Oktober hätte man bereits die notwendigen tiefen Temperaturen. «Falls eine Einigung mit Pro Natura bald erfolgen wird, bleibt es beim Terminplan», sagt Buchholz .

Der Trainingsbetrieb würde vom 19. Oktober bis mindestens zum 2. Dezember stattfinden. Professionelle und bezahlbare Trainingsangebote für den Nachwuchsbereich im Schweizer Skirennsport würden dann angeboten», betont Buchholz. (Berner Oberländer)

Erstellt: 16.03.2018, 08:26 Uhr

Der Verein

Der Verein Trainingszentrum Adelboden besteht seit Anfang Jahr. Die Gründungsmitglieder sind Skiclub, Hotelverein, Adelboden Tourismus und das Regionale Leistungszentrum Frutigen.

Der Vorstand: René Oester, Präsident; Heinz Brügger, Vizepräsident; Reto Däpp, Technik und Betrieb; Werner Buchholz, Marketing und Kommunikation; Marco von Känel, Sekretär; Martin Hari, Kassier; Toni Burn, Mitgliederverwaltung.

Schnee übersommern

Snowfarming bedeutet, dass bestehender Schnee zu einem genau definierten Schneedepot aufgehäuft und bis zur nächsten Saison übersommert wird. Der Schnee wird zur Konservierung mit Hartschaumplatten und Vlies isoliert. Unter dieser Isolation wird der Schnee vor eindringendem Wasser geschützt.

Die letzte Schicht aus Vlies, welches auch zur Konservierung von Gletschern verwendet wird, verlangsamt das Abschmelzen, schützt vor Sonne und UV-Strahlung. «Wir haben lediglich einen Schneeverlust von 15 bis 18 Prozent», sagt Vorstandsmitglied Werner Buchholz. Allfälliges Schmelzwasser werde natürlich nach gesetzlichen Vorgaben korrekt abgeführt.

Im Herbst kann man den Skibetrieb zu einem definierten Tag starten, in dem der konservierte Schnee mit Maschinen zu einer perfekten Piste verteilt würde. Der Skibetrieb könne dann problemlos für mehrere Wochen garantiert werden.

Das Abdecken des auf der Tschentenalp gelagerten, rund acht Meter hohen Schneekegels dauere zwei bis drei Tage, die Verteilung des Schnees bis zur Skibetriebstauglichkeit circa vier bis fünf Tage.

Auf der Tschenten­alp werden rund 24 000 Kubikmeter Schnee gelagert, die Trainingspiste wird 500 Meter lang, maximal 60 Meter breit sein und eine Unterlage von 60 bis 80 Zentimeter haben.

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