V-Projekt: Wie weiter nach dem Wärgistaler Ja?

Grindelwald

Nachdem die Bergschaft Wärgistal dem V-Projekt ihren Segen erteilt hat, äussern sich nun die Beteiligten zu dieser wichtigen Hürde. Bei den Jungfraubahnen hofft man, dass die Baubewilligung nächstes Jahr erteilt wird.

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Am Donnerstagmorgen um 6.15 Uhr landete Urs Kessler in Zürich. Er war soeben von einer Geschäftsreise aus Asien zurückgekehrt. Kaum war er aus dem Flugzeug gestiegen, überschwappte sein Handy mit einer Flut von SMS. Ob mehrheitlich Freunde oder Gegner des V-Bahn-Projekts zu den Absendern gehörten, lässt er offen — wichtig war die nackte Information: Wärgistal gab am Vorabend seinen Segen zu den Überfahrtsrechten des geplanten Eiger-Expresses.

Die Versammlung der Bergteiler sei in ruhigem und gesittetem Rahmen abgehalten worden, sagt Bergschaftspräsidentin Marianne Bomio. Rund 75 Minuten habe die Sitzung gedauert, Wortmeldungen gab es keine. 75 Prozent der Bergteiler sowie 77 Prozent der Kuhrechte sprachen sich diesmal für die Erteilung der Überfahrtsrechte aus, nachdem vor einem guten Jahr in einer ersten Versammlung die nötige Zweidrittelmehrheit verpasst wurde.

Dass die Zustimmung jetzt grösser war, führt Bomio unter anderem darauf zurück, dass diesmal der Objekterstellungsvertrag klarere Konturen hat. Dieser regelt beispielsweise die Beeinträchtigung des Landes während der Bauzeit.

«Werden Lösungen finden»

Das 400-Millionen-Projekt nimmt eine grosse Hürde. die Jungfraubahnen um ihren CEO Urs Kessler können die nächsten Schritte in Angriff nehmen. «Der Bescheid von Wärgistal freut uns», so Kessler in aller Sachlichkeit. «Wir danken der Bergschaft und den Bergteilern für das deutliche Vertrauen.» Nach dem deutlichen Ja der Gemeinden Lauterbrunnen und Grindelwald erachtet Kessler den jüngsten Entscheid als Bestätigung. Als nächster Schritt folgt nun das Plangenehmigungsverfahren.

Zudem sind laut Kessler noch 15 Einsprachen gegen die Bahn und das geplante Parkhaus hängig. Die Unterlagen des ganzen Projekts inklusive der hängigen Einsprachen müssen vom Amt für Gemeinden und Raumordnung genehmigt werden. Hier hofft Kessler auf einen Bescheid bis Ende Jahr.

Die Bahn befinde sich in regem Austausch mit den Einsprechern. «Ich bin zuversichtlich, dass wir überall Lösungen finden», sagt Kessler. Er erhofft sich die Baubewilligung für die V-Bahn bis spätestens Ende 2016. Liegt diese Bewilligung auf dem Tisch, steht dem V-Projekt nichts mehr im Weg.

Bohren wehrt sich weiterhin

Die Gegnerschaft des V-Projekts gibt allerdings nicht klein bei. «Wir wehren uns weiterhin gegen den Eiger-Express», sagt Adi Bohren. Seiner Familie gehören rund 1000 Quadratmeter Land, worauf gemäss Plan der Terminal der V-Bahn einmal stehen soll. Dass die Wärgistaler im zweiten Anlauf die Überfahrtsrechte erteilten, überrascht Bohren nicht. «Der Druck der Jungfraubahnen auf diese paar Bergbauern war schlichtweg zu gross», ist Bohren überzeugt. «Die Wärgistaler mussten jetzt einfach den Kopf hinhalten – das finde ich unfair.»

Bohren hat nichts gegen den Neubau der Männlichenbahn, sondern lediglich gegen den Eiger-Express. Darum will er sein Land für den Bau des Terminals nicht hergeben. Daran hält er fest. Im Wissen, dass man ihn theoretisch enteignen könnte. «Vielleicht kommt es ja so weit. Ich habe keine Angst», sagt er und gibt sich gelassen.

Ein anderer V-Bahn-Gegner, der nicht namentlich genannt werden will, sieht im Entscheid der Bergschaft Wärgistal eine gewisse Endgültigkeit. Jetzt gelte es, vorwärtszuschauen und «das kleinere Übel», die Variante B, umzusetzen. Damit meint er die von der Stiftung Landschaftsschutz letzte Woche propagierte Möglichkeit, im Arvengarten eine Zwischenstation einzubauen. Damit würde der Skifahrer mitten ins Gebiet gebracht, «und nicht nur zu Sightseeingzwecken an den Rand des Skigebiets nach Eigergletscher», meint der Kritiker.

Laut Urs Kessler habe man die Variante mit der Zwischenstation Arvengarten bereits im Jahr 2013 intensiv geprüft. «Schon damals kamen wir zum Schluss, dass die heutige Vorlage der V-Bahn klar die beste ist», so Kessler. «Die Linienführung der Variante Arvengarten würde Wald überschweben, der sich in Wildschutzgebiet befindet.

Hätten wir seitens Jungfraubahnen diesen Vorschlag gebracht, es hätte einen Riesenaufschrei gegeben.» Ausserdem befremdet den Jungfraubahnen-CEO, dass die Stiftung Landschaftsschutz eine Woche vor der Wärgistal-Abstimmung mit ihrem Begehren an die Öffentlichkeit getreten ist.

Berner Zeitung

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