V-Projekt: «Die Zeit wird langsam knapp»

Grindelwald

Fünfzehn Einsprachen gingen diesen Frühsommer gegen das Plangenehmigungsverfahren der V-Bahn ein. Deren fünf blockieren noch immer den Fortschritt des Projekts.

Im Vordergrund liegt der Ordner mit sämtlichen Einsprachen zum V-Bahn-Projekt. «Mein Lieblingsordner», sagt Urs Kessler sarkastisch.

Im Vordergrund liegt der Ordner mit sämtlichen Einsprachen zum V-Bahn-Projekt. «Mein Lieblingsordner», sagt Urs Kessler sarkastisch.

(Bild: Christoph Buchs)

Nicht nur teuer und schnell, sondern auch hochmodern und luxuriös: Neueste Visualisierungen der 3S-Bahn von Grindelwald auf den Eigergletscher zeigen eine helle, geräumige Kabine mit sieben roten Sesseln rund um ein Tischlein mit Champagnergläsern. Auch die Gondelversion für Otto Normalverbraucher mit achtundzwanzig Sitzplätzen kann sich sehen lassen.

So könnten sich VIPs dereinst transportieren lassen.

Und so könnten die Gondeln von aussen daherkommen. Visualisierungen: zvg

Es sind nach wie vor «nur» Visualisierungen. Dass die V-Bahn kommen wird, daran zweifelt kaum mehr jemand. Doch politische Hürden ziehen das Verfahren in die Länge: Im Mai lag das umfassende Plangenehmigungsverfahren öffentlich auf. Fünfzehn Einsprachen gab es. Zehn wurden inzwischen bereinigt.

Fünf Fälle jedoch sind für die Jungfraubahnen schwierig (siehe Kasten). Diese blockieren das Projekt – und verhindern das von Jungfraubahnen-CEO Urs Kessler im Dezember anvisierte Ziel, die Baubewilligung noch vor Ende 2016 unter Dach und Fach zu haben.

Dies ärgert den CEO. Nicht nur persönlich, sondern im Sinn der ganzen touristischen Region. «Ich sehe derzeit kein Licht am Ende des Tunnels. Aber vor allem für die Gondelbahn Grindelwald-Männlichen (GGM) wird die Zeit langsam knapp.» Deren Konzession läuft 2018 aus. Ein Winter ohne GGM sei undenkbar; diese Bahn sei systemrelevant für den Wintertourismus in der Jungfrauregion. «Es geht auch um fünfundfünfzig Arbeitsplätze der GGM im Winter, die gefährdet sind.»

Keine Extrawürste

Für das V-Bahn-Projekt rennt Kessler derzeit von Pontius zu Pilatus. Nicht auf der Stufe politischer Behörden; die haben sich inzwischen allesamt hinter das Projekt gestellt, inklusive Regierungsrat. Sondern auf Stufe der Einsprecher. Stunden- und teils tagelange Diskussionen brachten bisher noch nicht die Lösung.

Obwohl das Unternehmen für die Entschädigung der Grundbesitzer tief in die Tasche greift: Dreissig Franken wird pro Meter und Jahr für die Überfahrtsrechte der 3S-Bahn von Grindelwald auf den Eigergletscher an jeden Grundbesitzer ausbezahlt. Extrawürste gebe es jedoch nicht, sagt Kessler, die Fairness im Quervergleich mit bereits bereinigten Einsprachen müsse gewahrt werden.

Bisher äusserte sich Kessler in der Öffentlichkeit stets diplomatisch über die Einspracheverhandlungen: «Wir sind bestrebt, im konstruktiven Dialog Lösungen zu suchen», lautete sein Standardsatz. Jetzt, unter Zeitdruck stehend, findet er deutlichere Worte: «Die Einsprecher respektieren demokratisch gefällte Entscheide nicht. Das enttäuscht mich schwer.»

Die Gemeinden Grindelwald und Lauterbrunnen sowie die Bergschaften Wärgistal und Itramen hätten dem Projekt zugestimmt; ein Gutachten der eidgenössischen Natur- und Heimatschutzkommission stufe die Beeinträchtigung der Landschaft im Eigergebiet nur als geringfügig ein. «Jene Parteien, die dieses Gutachten gefordert haben, stellen sich jetzt noch immer quer», sagt Kessler.

Mühsam sei auch, dass er stets der peinlichst genauen Faktentreue verpflichtet sei, während die Familie von Almen bewusst Visualisierungen manipuliere und beispielsweise die Masten der 3S-Bahn doppelt so hoch erscheinen lasse.

Zermatt ist vorbeigezogen

Für Kessler ist klar: Nicht nur für eine schnellere Reisezeit auf das Jungfraujoch, sondern auch für eine Attraktivitätssteigerung im Wintersport sei das Projekt zwingend. «Wir hatten zuletzt den zweiten Winter mit weniger als einer Million Gästeeintritte.» Mittelmass reiche längst nicht mehr dazu, konkurrenzfähig bleiben zu können.

In Rankings würde Grindelwald zusehends nach hinten durchgereicht; ein aktueller Beitrag in der «Handelszeitung» führt Grindelwald und die übergeordnete Jungfrauregion in der Kategorie «Vielfältige Winterdestinationen der Alpen» auf Rang 10 — hinter den inländischen Konkurrenten St. Moritz, Gstaad, Davos und Crans-Montana. Und in Sachen 3S-Bahn ist Grindelwald inzwischen von Zermatt überholt worden. Die Bahn auf das Kleinmatterhorn wird 2018 eröffnet. Dies wurmt Kessler – er hätte gerne die erste Dreiseil-Umlaufbahn der Schweiz gehabt.

Der Eiger-Express wird frühestens 2019 eröffnet, die neue Männlichenbahn mit Zehnergondeln – zehn Meter linienversetzt von der bestehenden GGM – müsse zwingend 2018 in Betrieb sein. Dies erfordere einen Baubeginn des Terminals im Frühling oder Sommer 2017; also in wenigen Monaten. Dies sei durchaus realistisch, sagt Kessler – sofern man in den Einspracheverhandlungen endlich einen entscheidenden Schritt vorwärts machen könne.

Berner Oberländer

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