Untertagebau statt eines offenen Steinbruchs

Interlaken

Nun soll doch Hartschotter auf dem Bödeli abgebaut werden. Die Marti-Gruppe reichte ein Gesuch beim Regierungsrat ein. Allerdings soll das Projekt wenig mit dem geplanten Steinbruch am Rugen zu tun haben.

Das Projekt der Marti Gruppe sieht vor, von der Nordseite her unterirdisches Hartgestein abzubauen.

Das Projekt der Marti Gruppe sieht vor, von der Nordseite her unterirdisches Hartgestein abzubauen.

(Bild: Bruno Petroni)

Samuel Günter@samuel_guenter

Hartschotter ist ein rares Gut. Der Abbau ist nur an wenigen Orten möglich. Genau dies hat die Berner Marti-Gruppe am Därliggrat vor. Man sei sich bewusst, dass es sich um ein heikles Thema handle, erklärt Olivier Balmer, Marti Dienstleistungen AG.

Zur Erinnerung: 2014 sorgte das Projekt Roca für grosse Aufregung. Am Rugen sollten in unmittelbarer Nachbarschaft zur geschichtsträchtigen Unspunnenwiese in einem offenen Steinbruch jährlich 300'000 Tonnen Hartschotter abgebaut werden.

Nachdem sich starker Widerstand formiert hatte, fand das Projekt keinen Einzug in den Richtplan Abbau, Deponie, Transport Oberland-Ost. Offiziell beerdigt wurde es allerdings bis heute nicht.

Balmer distanziert sich klar vom Projekt Roca. «Damit hatten und haben wir nichts zu tun», sagt er. «Wir wählen einen anderen Ansatz, welcher die Argumente gegen dieses Projekt aufnimmt.» Das Gestein soll unterirdisch abgebaut werden.

Ein rares Gut

Hartschotter wird hauptsächlich fürs Schienennetz und im Strassenbau verwendet. Die meisten bestehenden Abbaugebiete können nicht erweitert werden, da sie in Gebieten liegen, welche dem Bundesinventar der Landschaften und Naturdenkmäler von nationaler Bedeutung (BLN) angehören. Der Engpass zeichnete sich schon länger ab, erste Massnahmen wurden 2003 besprochen (siehe Kasten unten).

Ein 2012 veröffentlichter Bericht machte drei mögliche neue Abbaugebiete aus: Attinghausen, Mitholz und den Rugen. Seit sich die Munitionssituation in Mitholz verschärft hat, ist dort an einen Steinbruch nicht mehr zu denken. Und auch das Bödeli schien vom Tisch.

«Die Studie untersuchte nur den oberirdischen Abbau, da man davon ausging, der unter­irdische könne nicht rentieren», erklärt Balmer. «Wir sind anderer Meinung und glauben, dass wir es können.»

Gesellschaft vom Bödeli

Balmer hofft, dass die Idee auch in der Region offen geprüft werde. «Die Bevölkerung und die Landschaft wären kaum betroffen», hält er fest. Da die Anbindung über die bestehende Bahnstrecke und die Schnellstrasse erfolge, gebe es auch keinen Mehrverkehr in den Wohngebieten und Erholungsräumen.

«Zusätzlich wollen wir die Rohstoffveredelung vor Ort vornehmen, was die Transportbewegungen weiter minimiert.» Und schliesslich sei das Projekt von regionalem und nationalem Interesse, schaffe neue Arbeitsplätze und wirke längerfristig den Hartschotter- und Deponieengpässen entgegen.

«Der Abbau würde durch eine auf dem Bödeli beheimatete Gesellschaft ausgeführt», erklärt Balmer. Keine Versprechungen kann er betreffend Abbauentschädigungen machen. «Da der Kanton alleinig betroffener Landbesitzer ist, fliessen solche Abgaben zu ihm. Was er damit macht, bestimmt die Politik.»

Keine konkreten Angaben

Genauere Angaben über Grösse und Umfang des Projekts kann und will Balmer im Moment noch nicht machen. Der Grund sei das Verfahren, das der Kanton eingeleitet habe. Die Marti-Gruppe habe im März das Gesuch für eine Konzession für die Gewinnung von Hartschotter und die Einlagerung von Schüttgut im Untergrund des Därliggrats eingereicht.

Der Kanton werde dieses Konzessionsgesuch kommende Woche publizieren. Entsprechend können sich auch andere Unternehmen darum bewerben. «Deshalb müssen wir uns noch bedeckt halten.»

Berner Oberländer

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