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Unerhörter Beziehungs- und Melodienreichtum

Starker Ausklang der Sommets Musicaux mit Sir András Schiff.

Der Meister seines Fachs (Dirigent und Solist in einer Person) András Schiff sorgte zusammen mit der Cappella Andrea Barca für unerhörten Beziehungs- und Melodienreichtum und Brillanz.
Der Meister seines Fachs (Dirigent und Solist in einer Person) András Schiff sorgte zusammen mit der Cappella Andrea Barca für unerhörten Beziehungs- und Melodienreichtum und Brillanz.
Heidy Mumenthaler

Ein Künstler, der auf dem Weg zum Flügel wie ein bescheidener, uneitler Maestro und Solist wirkte, ins Publikum und zum Orchester lächelte und sie im wortwörtlichen Sinn bei der Hand nahm, um sie eine Stunde in Wolfgang Amadeus Mozarts Melodienreichtum eintauchen zu lassen: Dies und mehr bot der Meister seines Fachs András Schiff zum Abschluss der 19. Ausgabe von Sommets Musicaux de Gstaad in der fast bis zum letzten Platz gefüllten Kirche Saanen. Für eine Stunde lockte er mit seiner Cappella Andrea Barca einen unerhörten Beziehungsreichtum hervor.

Verborgene Schönheiten

Zwei der insgesamt 27 Klavierkonzerte Mozarts standen auf dem Programm. Andächtig die Hände gefaltet stand András Schiff vor seinem Instrument, bevor er sanft seine Arme zum Dirigieren anhob und das Orchester nach seinen klaren, lockeren Zeichen in die königliche Einleitung des Klavierkonzerts Nr. 15 B-Dur KV 450 einstimmte. Mit geradezu verspielter Leichtigkeit setzte der Solist ein, schwelgend, innig, emotional bis traumhaft erklang der Bösendorfer-Flügel.

Oboen, Fagotte und Hörner brachten Farbe ins Spiel, eine Nuance zwischen feierlichem Ernst und Parade entstand. Hüpfend und springend erklang der abschliessende Allegro-Satz. Rasend schnelle Arpeggien mit Oktavsprüngen, akrobatisches Überkreuzen der Hände meisterte András Schiff mit Bravour, ohne dass ein Gefühl von Hetze oder Unruhe auftauchte. Locker und ausdrucksvoll gab er den Melodien und den Charakteren der Sätze Bindung und Form, als sei dies das Selbstverständlichste von der Welt. Sein spritziges Tastenspiel lies aufhorchen. Wohltuend wirkte, wie geschmackvoll er die langsamen Sätze spielte und wie präzis er mit dem Orchester harmonierte.

Gemeinsamer Spaziergang

Eine Liebeserklärung des Komponisten an das Orchester folgte im Klavierkonzert Nr. 17 in G-Dur. Im Allegro schienen die einzelnen Instrumente eine grosse «Unabhängigkeit» zu geniessen. Schiff und sein Orchester entführten gemeinsam auf einen aussergewöhnlichen Spaziergang. Vielseitig wechselten die Gefühlsregungen: Mozarts Charm, Lächeln, Traurigkeit, Mutlosigkeit, Verzweiflung und ausgelassene Fröhlichkeit kamen mit interpretatorischem Feinschliff zum Tragen. Flink und differenziert wirkte der Dialog zwischen den Instrumenten.

Mit Ausstrahlung sprühten im Schlusssatz die Variationen. Immer wieder schenkte der Künstler (Solist und Dirigent in einem) Orchester und Publikum ein Lächeln. Erst nach kräftigem Applaus und der pianistischen Zugabe von Bachs Italienischem Konzert verliessen die meist französisch sprechenden Besucher die Kirche. Die verborgenen Schönheiten und die ungewöhnliche Interpretationskunst werden bestimmt noch lange nachklingen.

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