Unendlichkeit als Hoffnung

Interlaken

Gitarrist Roman A. Wiedemar hat sich für sein Projekt mit zwei Musikern, einer Tänzerin und einem Videokünstler zusammengetan. Die Gruppe nennt sich Future United Collective, kurz FUC. Am Samstag trat sie im Kunsthaus auf.

Ausdrucksstark: Clarissa C. Matter mit den Musikern (v.l.) Andreas Beer, Joâo Vasco Alves de Almeida und Roman Arthur Wiedemar.

Ausdrucksstark: Clarissa C. Matter mit den Musikern (v.l.) Andreas Beer, Joâo Vasco Alves de Almeida und Roman Arthur Wiedemar.

(Bild: Sonja Bauer)

Eine grosse Leinwand. Davor drei Musiker: Gitarrist Roman Arthur Wiedmar, Perkussionist Joâo Vasco Alves de Almeida und Trompeter Andreas Beer. Während die Musiker Eingängiges und Experimentelles spielen, wechseln sich auf der Leinwand abstrakte Bilder mit konkreten ab. Manchmal sieht man den Moment, die Gegenwart doppelt.

Gemeinsam mit der Musik werden die Visualisierungen zu Traum, zu Ein-bild-ung, zur Suche und bleiben doch bloss die ewige Frage nach dem vergänglichen Augenblick, nach der Zeit und dem Sinn. Bleiben Hauch einer Sehnsucht nach einer Antwort, die doch zumindest bis zur nächsten Frage zu gelten vermag.

Future United Collective, kurz FUC, nennt Roman Arthur Wiedemar seine Gruppe. Mit den vom ihm eigens für das Projekt «Infinity» komponierten Stücken vermischt sie verschiedene Kunstsparten und schafft, wie Wiedemar sagt, «ein multimediales Gesamtkunstwerk, welches die Licht- und Schattenseiten unserer Zeit reflektiert und hinterfragt».

Ausgedrückt mit der wunderbaren Sprache des Körpers werden die Gedanken und Gefühle von der Tänzerin und Performerin Clarissa C. Matter. Die junge Frau, die ihre Ausbildung an der Accademia Teatro Dimitri abgeschlossen hat, tanzt mit einer Selbstverständlichkeit und Zärtlichkeit, die schmerzen. Ihr Gesicht scheint aus der Zeit gehoben, wie aufflackernde Erinnerungen. Ihre Konturen legen sich ins Licht der Kunsthausscheinwerfer – ruhig und voller Selbstbewusstsein – wie diejenigen eines Steppenlöwen in der Morgensonne: Ihre Bewegungen sind geduldig und reif: Körperbeherrschung pur.

Einmal erscheint die Tänzerin mit einer ­venezianischen Maske, einmal mimt sie einen Affen – oder doch eher einen Menschen auf vier Beinen? –, einmal legt sie sich mit dem Gitarristen auf den Boden, um seine Saiten erklingen zu lassen. Bei einem anderen Stück performt sie in einem übergrossen Wasserball.

Um die 50 Zuschauer erschienen am Samstag im Kunsthaus. Wiedemar erklärte am Konzertende, wie das Projekt entstanden sei: «Ich kannte Clarissa als Mädchen, das meinen Konzerten mit den Tres Pesetas lauschte.» Kürzlich, in einer Konzertpause, sei eine junge Frau vor ihm gestanden und habe gefragt, ob sie in einem Stück mittanzen dürfe. Verdutzt habe er kurzum Ja gesagt. «Und sie hat es einfach getan», sagt der Gitarrist und lacht. «Diese junge Frau hier ist das Mädchen von einst.» Weil es sich «so gut angefühlt» habe, sei das Projekt entstanden.

Berner Oberländer

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