Über Alpweiden zum Lauenensee

Die Walliser Wis­pile ist ein grasbewachsener Felsrücken im Saanenland. Doch wenn man oben steht, geniesst man Tiefblicke und ein echtes Bergfeeling.

Erfrischung zum Abschluss: Der Lauenensee lockt nach der Wanderung über die Walliser Wispile zum Bad.

Erfrischung zum Abschluss: Der Lauenensee lockt nach der Wanderung über die Walliser Wispile zum Bad. Bild: Andreas Staeger/PD

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Wispile? Das klingt nicht so recht deutsch. Doch im Saanenland ist der Begriff geläufig. Dort gibt es gleich mehrere Anhöhen mit diesem Namen. Sie liegen alle auf dem mit Wald und Alpweiden überwachsenen Felsrücken, der sich von Gsteig nach Gstaad zieht.

Am bekanntesten ist die Höji Wis­pile, denn dort fährt eine Gondelbahn hinauf. Der Name des Ausflugsbergs ist allerdings ein bisschen irreführend. Mit einer Höhe von 1982 Metern über Meer ist die weiter südlich liegende Walliser Wispile nämlich noch fast 50 Meter höher als die «Hohe Wispile».

Weder Wein noch Wind

Daneben gibt es noch die Hinderi Wispile und die Vorderi Wispile oberhalb von Gsteig. Wem da der Kopf zu schwirren droht, kann sich damit trösten, dass die ­Wispile schon andere Köpfe auf Abwege brachte. Lange nahm man an, der Name habe mit Windspielen oder gar mit Wein zu tun. Heute weiss man: Er geht auf einen keltischen Begriff zurück, mit dem man einst «gutes Weideland» bezeichnete.

Tatsächlich gibt es auf dem lang gezogenen Kamm zwischen dem Saanen- und dem Lauenental grossflächige Weidegründe, und weil das Gelände relativ sanft geformt ist, waren diese Gebiete schon in alter Zeit günstig zu bewirtschaften. Die Gegend eignet sich deshalb gut für eine Bergwanderung mit prachtvollen Ausblicken auf das ganze Saanenland.

Viel Abwechslung bietet etwa die Route von Gsteig über die Walliser Wispile an den Lauenensee. Sie gliedert sich in drei ausgesprochen unterschiedliche Teile. Den Einstieg bildet ein zuweilen recht steiler Aufstieg zur Walliser Wispile. Das zweite Teilstück ist eine herrliche Höhenwanderung. Zum Abschluss geht es sanft zum Lauenensee hinunter.

Die Wanderung von Gsteig an den Lauenensee ist abwechslungsreich. Karte: Daniel Barben

Wasserfälle und eine Alp

Der Ausgangspunkt der Tour liegt in Gsteig. Das architektonische Prunkstück des Dorfs ist der zentral gelegene traditionsreiche Gasthof Bären. Seine gegen die Strasse gerichtete Fassade ist reich ausgestattet mit Schnitzereien, Inschriften und Malereien. Gleich gegenüber beginnt der Alp­ness-Trail. Er führt den Rüschbach entlang zur Saane und von dort flussaufwärts nach Innergsteig. Kurz vor der Talstation der Sanetschbahn zweigt er hangwärts ab.

Auf einem stellenweise mit Drahtseilen gesicherten, aber kaum ausgesetzten Pfad geht es nun steil aufwärts. Unterwegs wird mehrmals der Bergbach überquert, der im felsigen Hang hübsche Wasserfälle – die Burgfälle – gebildet hat. Eine tolle Aussicht bietet die Alp Burg. Dort befand sich einst eine Festung, von der aus die Herren von Greyerz den Passverkehr über den Col du Pillon kontrollierten.

Zunächst weiterhin im Bergwald, später dann auf Alpwiesen gelangt man zur Vorderi Wispile und weiter zur Walliser Wispile, dem höchsten Punkt der Wanderung. Der «Gipfel» ist eine grasüberwachsene Kuppe, die sich ein paar Dutzend Meter über die Umgebung erhebt. Gleichwohl gewährt sie eine prachtvolle Aussicht zum Diableretsmassiv, ins Lauenental und hinüber zum Giferspitz, dem höchsten Gipfel im Saanenland.

Über den breiten Grasrücken der Hinderi Wispile geht es weiter Richtung Chrine. Kurz vor dem Passübergang verlässt man den Alpness-Trail und zweigt ostwärts ab. Anfänglich auf einem schmalen Pfad und schon bald auf einem Kiessträsschen steigt man in weiten Kehren und bei mässigem Gefälle talwärts ab. Über Spitzi Egg erreicht man schliesslich den Lauenensee, der von Wiesen, Riedflächen und Wäldern umgeben ist.

Ein Uferweg führt rings um den See herum, der eigentlich aus zwei Seen besteht. An heissen Sommertagen verhilft der Moorsee erschöpften Wanderern zu einer wohltuenden Erfrischung. Wem der Sinn hingegen eher nach einer Bootspartie steht, kann im nahen Restaurant Lauenensee ein Ruderboot mieten.

(Berner Zeitung)

Erstellt: 12.07.2018, 09:27 Uhr

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