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Tristen-Tradition bleibt erhalten

Sie drohten Opfer der Modernisierung in der Landwirtschaft zu werden und aus dem Dorfbild zu verschwinden. Erst mit der Unterstützung eines Unternehmers und einem Projekt blieb die fast vergessene Tradition des Tristnens erhalten.

Auch dieses Jahr werden die Perretens wieder Tristen erstellen. Während der Vater Ueli Perreten das Schilf mit der Gabel drauflegt, verteilt die Tochter Silja dieses und tritt es mit den Füssen fest.
Auch dieses Jahr werden die Perretens wieder Tristen erstellen. Während der Vater Ueli Perreten das Schilf mit der Gabel drauflegt, verteilt die Tochter Silja dieses und tritt es mit den Füssen fest.
zvg

In Lauenen, das flächenmässig zu den grössten Gemeinden des Kantons Bern gehört, befindet sich der grösste nicht drainierte Talboden des Berner Oberlands. Südlich des Dorfes liegt das Naturschutzgebiet Rohr mit dem natürlich mäandrierenden Louibach.

Infolge seiner Grösse und Qualität ist es für das Schweizer Voralpen- und Alpengebiet einzigartig. Es beherbergt viele seltene Arten von Pflanzen, Vögel und Amphibien und weist eine grosse Fläche Schilf auf.

Seit alter Zeit werden dort mit dem geernteten Schilf Tristen erstellt. Tristen nennt man Stroh­lager im Freien, eine traditionelle Art der Dürrgutkonservierung und -lagerung. Sie sind eine ganz spezielle Erscheinung im Landschaftsbild und bestehen entweder aus Schilf oder Heu und haben eine Mindesthöhe von zwei Metern.

Deren pyramidenförmiger Aufbau bedarf entsprechendes Fachwissen, erklärt Landwirt Ueli Perreten: «Das Schilf wird um eine Holzstange, pyramidenförmig und von Hand aufgeschichtet und mit den Füssen festgetreten. Es muss gewährleistet sein, dass das Regenwasser nicht in die Mitte, sondern über die Oberfläche nach aussen abgeleitet.»

Der Oberwiler Kunstmaler Peter Bergmann beim Ausbessern eines seiner Landschaftsbilder, das er mit den Tristen und dem Lauenenhorn am oberen Bildrand gemalt hat. Bild: Hans Heimann
Der Oberwiler Kunstmaler Peter Bergmann beim Ausbessern eines seiner Landschaftsbilder, das er mit den Tristen und dem Lauenenhorn am oberen Bildrand gemalt hat. Bild: Hans Heimann

Gast rettet Tradition

Mit der Modernisierung in der Landwirtschaft wurde diese Haltbarmachung von Schilf oder auch Heu jedoch vernachlässigt. Um die Jahrhundertwende beobachtete ein wohlhabender Chaletbesitzer, dessen Liebe zu dieser Region bekannt ist, dass im Dorf immer weniger Tristen erstellt wurden.

Der Unternehmer ­ setzte sich für die Wiederbelebung dieser Tradition ein, erzählt Landwirt und Gemeindepräsident Jörg Trachsel: «Es ist ein langjähriger Gast in Lauenen, der vor Jahren dieses Projekt zur Erhaltung des Tristnens gestartet hat und noch immer unterstützt.

Dank seiner Unterstützung erstellen etwa 14 Bauernbetriebe alljährlich im Oktober um die 30 Tristen.» Zudem wird diesen Bauern seit 2015 ein Teil des Arbeitsaufwands im Rahmen der Landschaftsqualität finanziell entschädigt.

Tristen auch im Kandertal

Auch im Kandertal werden Tri­s­ten, jedoch meistens aus Heu, erstellt, weiss der Landwirt und Landschaftsgärtner Erwin Oester: «Früher stellte man Tristen vorwiegend aus Heu her. Ich erstelle jährlich um die 5 Tristen aus Schilf und bin einer von etwa 6 Betrieben in Adelboden, die Tristen erstellen.» Auf dem Hasliberg hingegen wurde früher das geerntete Schilf in sogenannten Lischenhüttli gelagert.

Tristen inspirierten Maler

In Lauenen werden ausschliesslich Schilftristen erstellt. Ab dem 1. September werden die alten abgebaut und als Streue für die Tierhaltung verwendet. Im Oktober werden dann die neuen Tristen erstellt und bleiben für ein Jahr stehen. Mittlerweilen gehören sie nebst dem idyllischen Lauenensee schon fast zu einer Touristenattraktion des Bergdorfs, wie auf der Internetseite der Gemeinde zu lesen ist.

Zudem verrät Perreten, dass sich ein Fernsehsender aus der Romandie angemeldet hat, um diesen Oktober das Tristnen in Lauenen zu filmen. Sie werten die Landschaft auf und dienen als beliebtes Fotomotiv und inspirierten auch den Maler Peter Bergmann.

Der Oberwiler wohnte während 25 Jahren in Lauenen und hat mehrere Bilder zu verschiedenen Jahreszeiten von den Tristen gemalt.

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