«Training nehme ich ernster als Wettkampf»

Meiringen

Yannick Glatthard, der 18-jährige Oberhasler Senkrechtstarter, gönnt sich nach dem Vizeeuropameistertitel Zeit für seine berufliche Ausbildung. Und er sammelt Bausteine, die ihn später zu einem guten Bergführer machen sollen.

Auf dem «unmöglichen» Weg zur EM-Silbermedaille: Yannick Glatthard am Europameisterschafsfinal in Rabenstein (Südtirol).

Auf dem «unmöglichen» Weg zur EM-Silbermedaille: Yannick Glatthard am Europameisterschafsfinal in Rabenstein (Südtirol).

(Bild: zvg)

Bruno Petroni

Den Blick für die Schönheit des Bergsteigens draussen in Fels und Eis bekam Yannick Glatthard bereits als Kleinkind durch die Gene seines Grossvaters vererbt. Entsprechend ist der Kletterhallenmief sein Ding nie geworden. Das Wettkampfklettern eigentlich auch nicht. Und so kommt es, dass Yannick, wird er auf seinen Weltmeistertitel im Eisklettern der Altersgruppe U-19 vom letzten Jahr angesprochen, fast ein bisschen um Worte verlegen erklärt: «Das Eisklettern ist einer der benötigten Bausteine, damit man später mal ein guter Alpinist und Bergführer wird.»

Seit diesem Winter atmet der 18-jährige Meiringer nun den rauen Wind der internationalen Erwachsenenelite im Eisklettern. Allerdings ohne sich dadurch gross beeindrucken zu lassen – beendete Yannick doch in den letzten zehn Wochen den Weltcupanlass in Boise (Montana, USA) auf dem neunten Platz, den Weltcup von Rabenstein (Südtirol) als Zweiter auf dem Podest, und in Saas-Fee wurde er Dritter.

So ganz nebenbei brachte er Ende Januar auch den Vizeeuropameistertitel mit nach Hause und ist zweifacher Schweizer Meister und Gewinner des Swiss-Climbing-Cups. Mit diesem Palmarès kann Yannick damit leben, dass ihm in der Qualifikation zur U-18-Weltmeisterschaft der zwischen den Zähnen eingeklemmte Eispickel durch eine kleine Unachtsamkeit aus dem Mund fiel und für ihn der Wettkampf gelaufen war.

Erst die Arbeit, dann...

Trotz dieser jüngsten Grosserfolge befindet sich das Klettertalent zurzeit quasi leistungssportlich im «Leerlauf»; die bevorstehende Abschlussprüfung zum Zimmermann hat Vorrang. «Das Herumturnen auf einem Hausdach während der Arbeit ist das allerbeste Ergänzungstraining.» Und das Training ist ihm eh wichtiger als der Wettkampf selber: «Das Training nehme ich ernster als den Wettkampf selber. Ein Alpinist geniesst schliesslich auch die gesamte Bergtour und nicht nur den Gipfel.»

Kein Wunder also, hat sich Yannick Glatthard zu Hause 30 Quadratmeter Kletterfläche gebaut, auf welcher er sich mit Eispickel und Steigeisen nach Belieben austoben kann. Am liebsten aber versucht er sich an echten Herausforderungen wie der Route «Beta Rocker» an der Breitwangfluh. Draussen in der menschenleeren Natur, das ist Glatthards Welt, hier lebt das Kraftpaket auf. Am allerliebsten in Begleitung seines Freundes Alexander «Xander» Werren, der selber vor wenigen Wochen an den U-22-Weltmeisterschaften Zweiter wurde.

Botschafter und Helfer

Stieg Yannick noch vor zwei Jahren als begeisterter Boulderer von Fels zu Fels, so hat diese Kletterdisziplin für ihn inzwischen an Reiz eingebüsst: «Auch das war ein Baustein für das alpinistische Fundament, das ich mir nach und nach aufbaue», sagt ein bemerkenswert vernünftiger, abgeklärter Yannick Glatthard.

Auch als Botschafter für seinen Sport macht das Energiebündel, das seine Energie in Ruhe bündelt, eine gute Figur. So reiste er im Februar auf Einladung des Internationalen Olympischen Komitees ins norwegische Lillehammer, um den Verantwortlichen anlässlich einer Demoveranstaltung das Eisklettern als künftige olympische Disziplin näherzubringen.

Am Boulder-Weltcupanlass vom kommenden Wochenende ist Yannick auch mit dabei. Allerdings nicht als Athlet, sondern in der Funktion des Wandstellers und Helfers in der Organisation.

Mit Weltelite, Jeff Lowe und Ueli Steck

Am Donnerstag, 7. April, um 18.45 Uhr wird das Haslital Mountain Festival in der Meiringer Kletterhalle feierlich eröffnet. Am Freitag von 10 bis 20.30 Uhr wird in der Boulder-Arena unmittelbar neben der Kletterhalle die Qualifiktionsrunde der zurzeit weltbesten Kletterer im IFSC-Boulder-Weltcup ausgetragen. IFSC steht für International Federation of Sport Climbing, die internationale Föderation der Sportkletterer.

Am Samstag von 11 bis 14 Uhr finden die Halbfinals statt. Zu diesen Wettkämpfen ist der Zutritt für das Publikum kostenlos. Für die von 18.30 bis 20.30 Uhr steigenden Finals kostet der Eintritt 10 Franken. Am Sonntag um 9 Uhr starten die Qualifikationen zu den Junioren-Boulder-Schweizer-Meisterschaften (Youth ­Climbing Cup). Auch diese Wett­kämpfe sind für die Zuschauer frei zugänglich. Am Start sind die besten Nachwuchskletterer der Schweiz in den Kategorien U-12, U-14 und U-16; unter ihnen auch einige Haslitaler Kinder. Speis und Trank sind in der Festwirtschaft erhältlich.

Im Rahmen des Mountain Festival werden am Freitagabend ab 20.30 Uhr im Festzentrum die eindrücklichsten Outdoorkurz­filme des Jahres der Banff Mountain Film Festival World Tour gezeigt (Eintritt 10 Franken). Bereits heute Abend um 19 Uhr läuft im Cinema Meiringen «Jeff Lowe’s Metanoia», und am Samstag um 17 Uhr sowie nächsten Dienstag um 19 Uhr präsentiert Ueli Steck ebenfalls im Cinema seine «82 Summits»; Eintritt gemäss Preisanschlag an der Kinokasse.

Das Mountain Festival soll auch in den nächsten zwei Jahren stattfinden, und für 2019 wollen sich die Veranstalter für die Austragung der Europameister­schaften bewerben.
Infos: www.mountainfestival.ch

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