Hier lernen Mädchen sich zu wehren

Interlaken

Seit 19 Jahren bildet Pallas-Trainerin Prisca Nyd­egger Mädchen und Frauen in Selbstverteidigung aus. Ihre Kurse – auch im Berner Oberland – sind meist früh ausgebucht, eine frühzeitige Anmeldung ist deshalb vorteilhaft. Wir blickten der Kampfsportlehrerin über die Schulter.

Ein Satz warme Ohren für den Angreifer: Prisca Nydegger lehrt eine Schülerin, sich wirkungsvoll zu wehren.

Ein Satz warme Ohren für den Angreifer: Prisca Nydegger lehrt eine Schülerin, sich wirkungsvoll zu wehren.

(Bild: Bruno Petroni)

Bruno Petroni

Kirchgemeindehaus Matten an einem Mittwochnachmittag: Ein Dutzend Mädchen übt sich im Verteilen von lautstark unterstützten Hieben. Doch nein, mit einfach planlosem Dreinschlagen hat er rein gar nichts zu tun, der Selbstverteidigungskurs für Mädchen.

Viel wichtiger ist für Pallas-Trainerin Prisca Nydegger die Sensibilisierung der Kursteilnehmerinnen für nahende Gefahren und das Verständnis für die eigenen Gefühle. Und so stellt die Trainerin schon mal die Frage in den Raum: «Welches sind gute Geheimnisse, welches schlechte?» Die Mädchen lernen, welche Geheimnisse sie wirklich für sich behalten dürfen und bei welchen es nötig ist, an Vertrauenspersonen zu gelangen.

Recht auf Selbstbestimmung

Im vertrauten Gruppengespräch erfährt die 44-jährige Trainerin denn auch oft von den Mädchen von häuslicher Gewalt an Kindern. Sie vermittelt ihren Schützlingen Sicherheit und motiviert sie, darüber zu sprechen und ihren Eltern, der Gotte oder der Lehrerin davon zu erzählen: «Ihr dürft und müsst euch in solchen Fällen einmischen.»

Nützt alle Prävention nichts, ist «Handarbeit» gefragt. Sei dies in Form von zwei Fingern mitten in die Augen des Angreifers, von Fusstritten und gezielten Faustschlägen an definierte sensible Körperstellen.

«Die Stärkung des Selbstvertrauens und des Körperbewusstseins muss von klein auf erlernt werden. Kinder, Jugendliche und Erwachsene, im Speziellen Frauen, haben das Recht, selbst über ihren Körper zu bestimmen», sagt Prisca Nyd­egger.

«Tiefe Befriedigung»

Das Ziel der Pallas-Trainerin ist es, «dass eines Tages jede Schule einen Selbstverteidigungskurs in ihrem Ausbildungsangebot hat», sagt Nydegger. «In mehreren Gemeinden wie beispielsweise Münsingen gehört er bereits im Rahmen des Schulsports auf freiwilliger Basis dazu.»

Inzwischen hielt die Mühlethurnerin auch in Interlaken bereits sieben Kurse ab – mit steigender Nachfrage. So sind auch die beiden Kurse vom November in Interlaken bereits ausgebucht; «dies dank der grosszügigen Unterstützung des ‹Anzeigers Interlaken›, welcher in diesem Jahr als Sponsor auftritt».

Die Kurse, welche in der Regel zwei Nachmittage dauern, richten sich an Mädchen im Kindergarten-, Unter- und Oberstufen­alter. Auch Lektionen für Knaben sind im Angebot.

«Diese Ausbildnertätigkeit ist mein sozialer Beitrag für unsere Gesellschaft», sagt Prisca Nydegger. «Es erfüllt mich immer wieder mit tiefer Befriedigung, zu sehen, wie sich die Schülerinnen positiv entwickeln und wie ich ­ihnen durch den Kurs Selbst­vertrauen schenken kann.»

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