Training ist die beste Verteidigung

Spiez

Das eine tun und das andere nicht lassen: Das könnte das Motto eines Kurses sein, der im Dojo des Judo- und Ju-Jitsu-Clubs Spiez angeboten wird. Ein Besuch in der Übungshalle.

Selbstverteidigung und Wahrnehmung fördern: Der Besuch im Dojo im Video. Video: Fritz Lehmann

Im Kurs wird einerseits die asiatische Verteidigungstechnik Ju-Jitsu geübt, andererseits gibt es Übungen, die sich an der Feldenkrais-Methode orientieren. Diese Lernmethode fördert die Wahrnehmung, was eine effizientere Nutzung des eigenen Körpers und eine verbesserte Beweglichkeit ermöglichen sollte. Orangefarbene und blaue Kunststoffmatten bedecken den Boden des Dojos, der Übungshalle für Kampfsportler.

In Trainingshose und Trainingsleibchen, so stehen sie da, die Kursteilnehmer. Üben miteinander: Angriff, Verteidigung, Wiederholung. Dazwischen steht Kursleiterin Ursula Waber. Korrigiert, ermahnt, motiviert. Der Fokus wird auf jeden einzelnen Handgriff gelegt.

«Es ist wichtig, richtig zuzupacken, wenn man sich verteidigt.» Schliesslich geht es darum, den eigenen Körper vor Verletzungen zu bewahren. Doch die Kursleiterin betont, es sei kein intensives Kampfkunsttraining: «Sondern ein niederschwelliger Zugang zu Verteidigungskünsten und Bewegung. Sich und dem Körper etwas Gutes tun wollen.»

Einer der Teilnehmer ist Hans Peter Stähli, der den Kurs besucht: «Nach der Pensionierung hatte ich endlich Gelegenheit, das zu tun, worauf ich immer Lust hatte», erzählt er. «Der Kurs trainiert Körper und Geist gleichermassen.» Man müsse sich bewegen, gleichzeitig werde auch das Hirn gefordert. Etwa, wenn Kursleiterin Ursula Waber neue Abwehrtechniken zeigt.

Mit im Kurs ist Esther Jordi-Marti, die Feldenkrais-Lehrerin, die im Anschluss eine eigene Lektion leitet. Für sie ist die Kombination von Ju-Jitsu und Feldenkrais eine gelungene Verbindung, «auch ich lerne immer noch viel dazu».

Jekami, «jeder und jede kann mitmachen», nennt Ursula Waber den Kurs, «die jetzige Gruppe setzt sich aus Frauen und Männern von 30 plus bis AHV-Alter zusammen», fortlaufend könnten Interessierte ein­steigen.

Mit einem Aufwärmprogramm für Gelenke und Muskeln beginnt der Kurs, das Kenntnisse und Erfahrungen der Feldenkrais-Methode anwendet, aber auch Bewegungsabläufe enthält, die in der Selbstverteidigung nützlich sind. «Wir sind kein Fitnesskurs, in dem man ständig herumhopsen muss», sagt Waber.

«Lueged uf d Arme», ermahnt sie die Kursteilnehmer und steht mit Rat und Tat zur Seite. Es geht aber durchaus sportlich zu und her, nicht selten landet der eine oder andere Teilnehmer während einer Übung auf der Matte, gut aufgewärmt und geschult, rollen die Kursteilnehmer elegant ab. «Bei unseren Kursen wird auch das Gleichgewicht geschult, um Stürzen vorzubeugen», sagt Waber. Dabei schont sie sich selber nicht und lässt sich ebenfalls zu Boden werfen.

Wechselweise werden die Teilnehmerinnen und Teilnehmer zu Angreifern oder Verteidigern. «Das Wissen, sich zumindest im Ansatz verteidigen zu können, ist gut für das Selbstbewusstsein», sagt eine Teilnehmerin. Und immer wieder Wiederholungen, denn Verteidigungstechniken müssen intuitiv erfolgen.

«Wenn jemand auf dich losgeht, hast du keine Zeit, lange zu überlegen», sagt Ursula Waber. Und erzählt die Begebenheit einer Teilnehmerin, die auf einem Bahnhof selbstbewusst einem jungen Pöbler erklärte: «Ich kann Judo.»

Dieser war dann so beeindruckt, dass er kurz darauf das Weite suchte. Auch Menschen mit Behinderung können den Kurs besuchen. Ein Kursteilnehmer hat eine Sehschwäche und braucht im Alltag einen Blindenstock. Kursleiterin Ursula Waber zeigt, wie dieser als Waffe zur Verteidigung benutzt wird, «ein Multifunktionsgerät», sagt dieser trocken.

Trotz den gespielten Angriffs­situationen: Die Teilnehmer haben sichtlich Spass am Kurs, gelacht werden darf, auch wenn der erste Angriff noch nicht gekonnt pariert wurde.

Abschliessend, wenn der Körper richtig warm ist, folgen noch ein paar Dehnübungen, um die Muskeln flexibel zu erhalten. Nach eineinhalb Stunden ist die Lektion vorbei, die orangefarbenen und blauen Kunststoffmatten leeren sich. Jetzt ist Esther Jordi-Marti am Zug und hält eine Gruppenlektion in der Feldenkrais-Methode ab.

Sanft und leicht die eigenen Beweglichkeitsmöglichkeiten ausloten, meist am Boden liegend, um die Schwerkraft auszuschalten, so lautet das Motto. Feldenkrais eigne sich auch dafür, Störungen im Bewegungsablauf abzubauen, Schmerzen und Verspannungen zu lindern, erklärt die Kursleiterin.

Einige Teilnehmer der ersten Stunde machen in diesem Kurs noch weiter. Andere wiederum verlassen das Dojo. «Es hat gutgetan», bilanziert Hans Peter Stähli.

Die Kurse können einzeln oder zusammen gebucht werden. Infos: www.judoclubspiez.ch.

Berner Oberländer

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