Heiligenschwendi

So tickt der neue Forschungsleiter der Nasa aus dem Oberland

HeiligenschwendiDas gab es noch nie: Mit Thomas Zurbuchen wirkt neu ein Berner Oberländer als Wissenschaftsdirektor der US-amerikanischen Raumfahrtbehörde Nasa. Ab sofort ist er für 8000 Wissenschaftler zuständig.

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«Die Herausforderung ist gross. In den ersten Tagen geht es nun darum, ein ausgewogenes Team zu bilden», sagt Thomas Zurbuchen. Seit Anfang Oktober hat der 48-jährige Berner Oberländer einen neuen Job. Er steht seit Montag an der Spitze der US-amerikanischen Raumfahrtbehörde Nasa in Sachen Forschung.

Als Wissenschaftsdirektor ist er für alle wissenschaftlichen Projekte der Nasa zuständig und verteilt die dafür gesprochenen Gelder. Derzeit steht ihm ein Jahresbudget von fünf Milliarden Dollar zur Verfügung sowie rund 8000 Forscherinnen und Wissenschaftler mit Blick ins Universum.

«Ich habe grossen Respekt vor der Aufgabe, denn es gibt weltweit kein Land, das so viel Geld für Weltraumforschung ausgibt», betont der Berner Oberländer im Gespräch mit dieser Zeitung.

Zurbuchen ist dieser Tage von Michigan nach Washington D. C. umgezogen und hat dort den neuen Nasa-Chefposten angetreten. «Ich werde aber auch mit dem Flieger hin- und herpendeln, weil meine Familie erst nach dem Ende des Schuljahres im nächsten Juni nachkommen wird», sagt er.

An der Universität Michigan, einer der grössten des Landes, wirkte er bislang als Professor für Weltraumforschung und Raumfahrttechnik. Der Berner Oberländer unterstützte dabei Studierende, ihre Ideen umzusetzen und auch mal Grenzen zu überschreiten.

Lehrer hegten Zweifel

Aufgewachsen ist Thomas Zurbuchen gemeinsam mit drei Geschwistern in Heiligenschwendi. «Dort konnte ich ohne Umschweife die Natur und die Sterne beobachten», sagt er. Studium und Universität waren für den Primarschüler damals kein Thema.

«Ich hatte in Sachen Berufswahl eigentlich keine Ahnung», erläutert Zurbuchen. In einem Fragebogen zur Berufswahl sei dann Ingenieur oder Wissenschaftler herausgekommen. Da habe er während der Sekundarschule in Hünibach gemerkt, «dass ich jetzt wohl aufs Gymnasium muss».

Allerdings hätten einige Lehrer in Hünibach ihre Zweifel geäussert. «Das damalige Schulsystem habe ich als ziemlich brutal erlebt», erinnert sich Zurbuchen. Dennoch konnte er sich später an der Universität Bern für den Studiengang Physik mit Nebenfach Mathematik einschreiben. Nicht zuletzt dank dem Thuner Gymnasiallehrer Robert Märki.

«Im Physikunterricht hat er mein Selbstbewusstsein gefördert und mich wirklich für die Wissenschaft begeistert.» Denn aufgewachsen ist Zurbuchen nicht in einer Akademikerfamilie. Sein Vater wirkte als Prediger einer Freikirche.

In der Kantine zum USA-Job

Im Alter von 26 Jahren konnte er an der Uni Bern seinen Doktortitel in experimenteller Astrophysik und ein Stipendium des Schweizerischen Nationalfonds in Empfang nehmen. «Eigentlich wollte ich die Schweiz nicht verlassen», sagt der Physiker. Doch es kam anders: In der Kantine der Universität Bern beobachtete er, wie Johannes Geiss, Berner Professor und Weltraumforscher, sowie Lennard Fisk, Professor an der Universität Michigan und damals zuständig für das Wissenschaftsprogramm der Nasa, miteinander diskutierten.

«Ich nahm allen Mut zusammen und fragte, ob ich mich dazusetzen dürfe», erläutert Zurbuchen. Wenige Stunden später habe ihm Universitätsprofessor Fisk einen Job in Michigan angeboten. «Dies war reiner Zufall, und ich war überzeugt, dass ich nicht lange bleiben würde.»

Er ist geblieben und hat sich in den letzten Jahren intensiv mit der Messung von Sonnenwind und Planetenteilchen auseinandergesetzt. Zudem hat Thomas Zurbuchen, der neben dem Schweizer Pass auch die amerikanische Staatsbürgerschaft besitzt, als Autor und Co-Autor mehr als 200 Fachartikel über die Sonne und die Heliosphäre publiziert.

Nachfolger von Geoffrey Yoder

Zurbuchen tritt nun die Nachfolge von Geoffrey Yoder an, der die Nasa im Dezember nach 16 Jahren verlässt. «Anfragen von verschiedenen Seiten haben mich veranlasst, diesen Job anzunehmen», so der Berner Oberländer.

Der Region Heiligenschwendi wird der neue Nasa-Direktor auch weiter treu bleiben. «Dort ist mein Fundament, und dort lassen sich die Natur und die Sterne in Ruhe beobachten.» Zudem trifft er dort auch seinen Bruder Lukas, der in Heiligenschwendi lebt und als Gärtnermeister und Leiter der Pflanzenproduktion von Stadtgrün Bern ebenfalls mit der Natur verbunden ist. (Berner Zeitung)

Erstellt: 05.10.2016, 18:15 Uhr

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