Thun

Teilbedingte Freiheitsstrafe für Raubüberfall

ThunIm November 2016 verübte ein Mann einen Raubüberfall in Kandersteg. Wegen dieses Delikts und weiterer Straftaten wurde er am Mittwoch in Thun zu einer Freiheitsstrafe von 18 Monaten verurteilt, wovon er sechs absitzen muss.

Ein heute 43-jährige Schweizer aus der Region Thun überfiel im November 2016 ein Kassenhaus beim Autoverlad Kandersteg.

Ein heute 43-jährige Schweizer aus der Region Thun überfiel im November 2016 ein Kassenhaus beim Autoverlad Kandersteg. Bild: Fritz Lehmann

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Der heute 43-jährige Schweizer aus der Region Thun benötigte Geld. Angeblich, um sich eine anwaltliche Vertretung im Streit um das Besuchsrecht seiner Tochter leisten zu können. Er kam auf die Idee, ein Kassenhaus des Autoverlads in Kandersteg zu überfallen.

An einem Novemberabend des Jahres 2016 bedrohte der mit dem Zug angereiste Mann die Angestellte mit einem vorgehaltenen ungeladenen Luftgewehr und vermummtem Gesicht und verlangte Geld. Nachdem ihm diese einen Betrag in tiefer vierstelliger Höhe ausgehändigt hatte, flüchtete er zu Fuss in Richtung Bahnhof.

Aufs falsche Pferd gesetzt

Am Mittwoch stand der Mann wegen des Raubüberfalls und weiterer Straftaten vor dem Regionalgericht Oberland in Thun. «Warum haben Sie gerade die Autokasse in Kandersteg für Ihren Überfall ausgewählt?», wollte der Vertreter der BLS AG, die als Privatklägerin aufgetreten war, wissen. Er habe in einer TV-Doku gesehen, wie gut der Autoverlad laufe und deshalb dort viel Geld vermutet, so die Antwort. Da habe er aufs falsche Pferd gesetzt, weil heute ein grosser Teil der Kunden bargeldlos bezahle, sagte der BLS-Mann.

Ganze Reihe von Delikten

In Bezug auf den Raubüberfall war der Beschuldigte geständig – nicht so bei allen ihm zur Last gelegten Ladendiebstählen. Es betraf vor allem Spirituosen, die er zu Geld machen wollte. Von zehn dieser Delikte, die er von November 2016 bis März 2017, vorwiegend in der Region Thun, beging, bestritt er deren drei. Zu den Diebstählen gesellten sich Anstiftung zum Diebstahl, Hausfriedensbruch, Entwendung eines Fahrzeugs zum Gebrauch, Fahren ohne Berechtigung, Sachbeschädigung, Übertretung gegen das Betäubungsmittelgesetz und gegen das Personenbeförderungsgesetz (Zugfahren ohne Billett). Diese Delikte hat er gestanden.

«Weil er zur Zeit der Tat an Depressionen litt, könnte man mit dem Mann Mitleid bekommen», begann Staatsanwältin Daniela Haeberli ihr Plädoyer, um gleich darauf den Schock zu erwähnen, den das Opfer erlitten habe. Es handle sich hier keineswegs um ein Bagatelldelikt, auch wenn das Luftgewehr nicht geladen gewesen sei, was der Täter allerdings nicht überprüft habe.

Sie forderte, auch im Hinblick auf die zahlreichen Vorstrafen, Schuldsprüche in allen Anklagepunkten und beantragte eine Freiheitsstrafe von 17 Monaten, davon 8 Monate unbedingt und die restlichen 9 Monate bedingt bei einer Probezeit von 5 Jahren. Im Weiteren sei der Mann zu Geldstrafen und Bussen und zur Übernahme der Verfahrenskosten zu verurteilen.

Vermindert schuldfähig?

«Der Mann ist geständig. Es tut ihm leid, was er der Angestellten an der Autokasse angetan hat», sagte der amtliche Verteidiger. Infolge der damaligen Depressionen plädierte er auf eine leicht verminderte Schuldfähigkeit. Für einige weitere Delikte forderte er die Einstellung des Verfahrens oder Freisprüche. Er beantragte unter anderem nur eine bedingte Geldstrafe bei einer Probezeit von drei Jahren und während dieser eine Bewährungshilfe.

«Das schwerste Delikt ist der Raub», sagte Gerichtspräsidentin Eveline Salzmann bei der Urteilseröffnung. Sie bezweifelte aufgrund von ärztlichen Berichten die vom Verteidiger vermutete verminderte Schuldfähigkeit und folgte weitgehend den Anträgen der Staatsanwältin. Die Einzelrichterin verurteilte den Mann zu einer Freiheitsstrafe von 18 Monaten, wovon er 6 Monate absitzen muss.

Die übrigen 12 Monate wurden bedingt ausgesprochen, bei einer Probezeit von 4 Jahren, während welcher er eine Bewährungshilfe erhält. Zudem sind ihm eine Busse von 1200 Franken und Verfahrenskosten von gut 13'000 Franken auferlegt worden. Im Weiteren hat er die zwei Privatkläger mit annähernd 4000 Franken zu entschädigen. (Berner Oberländer)

Erstellt: 14.02.2018, 22:21 Uhr

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