TALK bei Halbzeit: Sagt auch das Simmental Ja?

Die Destination Oberland Mitte schreitet in die entscheidende Phase. Die Simmentaler Tourismusorganisationen bestimmen ab Montag über ihren Beitritt. Roland Berger, VR-Präsident Lenk-Simmental Tourismus (LST), glaubt an die Menschen.

Roland Berger ist designierter Verwaltungsrats­präsident der zu gründenden TALK und Destination Berner Oberland Mitte: «Auch wenn ein Partner aussteigt, bricht das Konstrukt nicht auseinander.»

Roland Berger ist designierter Verwaltungsrats­präsident der zu gründenden TALK und Destination Berner Oberland Mitte: «Auch wenn ein Partner aussteigt, bricht das Konstrukt nicht auseinander.»

(Bild: Svend Peternell)

Svend Peternell

Lenk ist der einzige Ort, der offen über TALK informiert hat. Hat sich an der angespannten Stimmungslage seit dem 1. Februar etwas geändert?Roland Berger: Gut war in jedem Fall, dass die Gegensätze nochmals diskutiert werden konnten. Seit dem 29. Februar 2016 sind wir an dem Thema dran. Es zeigt sich, dass solche Prozesse ihre Zeit brauchen. Das ist legitim: Für alles kann man dafür oder dagegen sein.

Ist man sich irgendwo näher­gekommen? Das sind wir. Angst hatte man vor dem Verlust des Einflussbereichs. Es war lange nicht klar, wie die Geldflüsse funktionieren. Da ist man heute bedeutend ­weiter.

Die Hoheiten und Zuständigkeiten für die Ausgaben der Mittel sind also klar geregelt. Ja. Die Frage ist: Wie viel weiss man von dem ganzen Gefüge? Es sind nicht alle Tourismusexperten. Die Kurtaxen zum Beispiel sind eine feste Steuer. Und hier ist klar geregelt, was mit den Geldern passiert. Das Geld muss ­zurück in den Ort fliessen. Niemand kann es abziehen und für etwas anderes nutzen. An der Lenk gibt es im Tourismus die Fondsrechnung, die genau aufzeigt, was mit den Geldern geschieht.

«Ein Konzept ist immer ein Papier. Am Schluss sind es die Menschen, die es umsetzen. »

Spielen da Urängste mit? Man befürchtet, dass die Gelder zum Tal rauswandern oder für Projekte in einem anderen Tal eingesetzt werden. Solche Ängste sind normal.

Was tut man, um sie zu ver­kleinern? Organisatorisch haben wir die Voraussetzungen für die Mitsprache und ein Sicheinbringen geschaffen. Ein Konzept ist immer ein Papier. Am Schluss sind es die Menschen, die es umsetzen. Wenn die Menschen funktionieren, gibt das Vertrauen. Wenn die Menschen sich bekämpfen, kann das Konzept noch so gut sein. Es funktioniert nicht. Wir haben dafür zu sorgen, dass in diesen Gremien möglichst die richtigen Leute sind, die nicht nur fachlich, sondern auch zwischenmenschlich gut funktionieren.

Die Frutiger Seite ist mit zwei Tälern und Frutigen als geplantem Kommunikationszentrum stark aufgestellt. Das zunehmend aufgesplittete Simmental wird nicht bevorteilt. Wenn Sie die Orte im Simmental anschauen, so haben wir hier mehr Tourismusorganisationen als im Kandertal.

Und das bedeutet? Die Diskussion, die bei der LST stattgefunden hat, ist so etwas wie die Vorgängerversion der künftigen TALK. Ewas kleiner zwar, aber die gleiche Idee: Die Lenk übernimmt für das ganze Simmental die Tourismusentwicklung und das Marketing. Das hat sich etabliert. Auch damals waren nicht alle Parteien zufrieden. Auch da gab es unterschiedliche Auffassungen.

Es gibt also keinen Grund, ein erfolgreiches Konzept infrage zu stellen? Ich bin davon überzeugt. Klar wird es Kinderkrankheiten geben.

Trotzdem sind die Ängste des auf dem Papier kleineren Players Lenk-Simmental vorhanden. Die gemeinsame Klammer lautet: Es muss etwas gehen. Und zwar gemeinsam. Da ist man sich einig. Bei der Art und Weise gibt es unterschiedliche Auffassungen. Alle wissen: Tourismus, wie er heute praktiziert und gelebt wird, ist eher ein Auslaufmodell.

Was braucht es? Man muss kooperieren und neue Zusammenarbeitsformen entwickeln. Gegen das Zusammengehen gibt es keine Opposition.

Bis die Leistungsträger kamen ... Genau. Sie sagten, wenn wir über das Zusammengehen reden, sind wir wichtige Partner. Darunter verstehen wir auch, dass wir im Aktionariat eingebunden sind. Tourismus wird vor Ort gemacht. Es macht sehr wohl Sinn, die Leistungsträger in die Führungsstruktur und auch in das Aktionariat einzubinden. Ich finde es toll, dass sich das Gewerbe, die Bergbahnen und die Hoteliers gefunden haben.

Und was ist mit den Kleinen mit ihren bescheideneren Mitteln? Die «kleinen Orte» müssen die Chance haben, dabei zu sein. Kleinere Gemeinden wie Er­lenbach, Oberwil oder Reichenbach sind finanziell nicht auf Rosen gebettet. Aber es ist wichtig, dass sie als Aktionäre vertreten sind. So ist sichergestellt, dass auch die kleineren Organisationen eine Stimme in diesem Gefüge haben und sich beteiligen können.

Wie viel gewichtet diese Stimme, wenn sie nicht dem Kanon der Grossen entspricht? Da sind wir wieder bei den Menschen. Wenn sie alle Beiträge und Vorschläge berücksichtigen und die Anliegen aller ernst nehmen, kommts gut.

Warum hat die Destinationsverdichtung Berner Oberland Mitte so lange gestockt? Über das, was gewesen ist, kann ich nicht Auskunft geben. Im Juli 2015 bin ich offiziell gewählt worden. Die Eckpunkte und Vorgaben habe ich so übernommen. Ich wusste nur, dass es jetzt schnell gehen muss. In einem solchen Fall bleiben Ihnen nicht viele Möglichkeiten, wenn Sie bis Ende 2016 ein Konzept im ganzen Perimeter umgesetzt haben müssen.

Wie stehen Sie zu Ihrem Vorgänger Hans Neuenschwander, der sich am 1. Februar anhören musste, nicht unschuldig an der Verzögerung von TALK zu sein? Ich kenne ihn aus einem Dutzend Gesprächen und Kontakten.

«Ich brauche nicht einen gestärkten Rücken. Ich mache das nicht für mich und versuche, die Zukunft für unser Simmental sicherzustellen.»

Er stärkt Ihnen nicht unbedingt den Rücken. Ich brauche nicht einen gestärkten Rücken. Ich mache das nicht für mich und versuche, die Zukunft für unser Simmental sicherzustellen. So hafte ich als VR-Präsident des Lenkerhofs für 130 Arbeitsplätze und für das Einkommen von dreissig Familien. Ich habe alles Interesse, dass wir im Simental und an der Lenk prosperierenden Tourismus haben. Ich bin darauf angewiesen, dass es mit dem Tourismus vorwärtsgeht.

Und trotzdem sind gewisse ­Ressentiments geblieben. Nur nützt uns das nichts. Wir müssen jetzt vorwärtsschauen. Die Lehre ist, dass wir jetzt möglichst schnell zu einer tragfähigen Lösung kommen. Über Verpasstes zu reden, bringt nichts.

Auch wenn die Ansätze verschieden sind? Natürlich. Hotelier Franz Schürch zum Beispiel hat einen anderen Ansatz als ich. Das ist absolut legitim. Aber wir sind uns einig, dass etwas gehen muss.

Und die Zeit drängt. Genau, drum können wir nicht noch mal zurück zum Start, um konzeptionell etwas Neues auszuarbeiten. Den Einladungen zu den verschiedenen Hauptversammlungen liegen Aktionärsbindungsverträge, Leistungsvereinbarungen, öffentliche Urkunden, Statuten und Organisationsreglemente bei. Dermassen viel muss juristisch «verhebe» – auch weil öffentliche Gelder eingesetzt werden. Ich habe Stunden mit Juristen verbracht, um verschiedene Rechtsfragen zu klären. Es ist wichtig, konform vorzugehen. Normen und Vorgaben müssen wir einhalten.

Kann es am 31. März an der Lenk trotzdem knapp werden, wenn es um die Umfirmierung geht? Sichergehen kann man bei solchen öffentlichen Veranstaltungen nie – je nachdem, was für eine Dynamik stattfindet. Was man sagen kann: Wichtige Exponenten an der Lenk haben signalisiert, dass sie hinter dem Konzept stehen.

Welche? Ich habe die Zusicherung von den Hotels, vom Vorstand der Zweitwohnungsbesitzer, von der Gemeinde, den Bergbahnen und dem Gewerbe. Wie dann die Mitglieder – natürliche und juristische Personen von Lenk Tourismus – entscheiden, kann ich nicht sagen.

Im Frutigland haben bisher alle Player TALK zugestimmt. Nur Frutigen (29.3.) steht noch aus. Im Simmental herrscht Ungewissheit. Hier müssen Sie am meisten kämpfen.Kampf finde ich kein schönes Wort. Wir haben sehr viel getan, um für Transparenz zu sorgen. Ich finde nicht, dass ich oder wir kämpfen müssen. Wir müssen Fragen beantworten, Sachen darlegen und aufzeigen. Ein Kampf läuft darauf hinaus, dass einer gewinnt und ein anderer verliert. Meine Intention ist, dass wir gemeinsam vorwärtskommen.

Letztlich sind ja alle an den Kantonsgeldern interessiert. Sind Sie also zuversichtlich? Die klaren Zeichen aus den bisherigen Versammlungen des Frutigtals – meist stärker besucht als im letzten Jahr – sind sehr erfreulich und Beweise des Vertrauens.

Um wie viele Arbeitsplätze geht es? Es sind rund 50 Leute tangiert. Für 2017 ist für alle eine ­Besitzstandswahrung sichergestellt. Das heisst: Der Mitarbeitende kann selber planen und sich ein Bild machen, ob die neue Tätigkeit wirklich dem entspricht, was er sich vorgestellt hat. So hat er Möglichkeiten, die für ihn richtigen Massnahmen zu treffen. Denn gerade diese Leute entscheiden, ob das neue Konstrukt zum Fliegen kommt.

«Es kann nie ein Tal etwas allein durchdrücken. Es braucht immer eine Gefolgschaft.»

Es braucht also viel Vertrauen. Die Analogie ist die Heirat. Wir kennen die Scheidungsrate. Wenn Sie davon ausgehen: Wir werden uns scheiden, dann wird die Ehe relativ schwierig. Meine Überzeugung ist: Ich muss auch in der Ehe arbeiten, damit sie hält.

Konkret? Wenn die drei nicht miteinander arbeiten, dann spielt es auch keine Rolle, wie viele es sind. Wir haben aus jedem Tal zwei Verwaltungsräte bestimmt. Es kann nie ein Tal etwas allein durch­drücken. Es braucht immer eine Gefolgschaft. Man hat auch im Aktionärsbindungsvertrag nochmals den Mix mit der Anzahl Stimmen und der Anzahl Aktien, die es dann braucht für gewisse Entscheide. Formaljuristisch hat man vieles gemacht, damit nicht nur einer dominieren kann. Wenn sich die Beteiligten über Juristen und Streitigkeiten durchsetzen wollen, ist das der Anfang einer Kampfscheidung.

Bernerzeitung.ch/Newsnetz

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