Szene wird von Interlakner Schiffländte verbannt

Das Podiums­gespräch von Contact mobil in Spiez zum Thema «Alkohol und Drogen im öffentlichen Raum» war für Interlaken höchst aktuell: Mit der Szene an der Schiffstation West ist es seit 1. April vorbei.

Sie diskutierten am Podiumsgespräch in Spiez: (v.l.) Eric Moser, Leiter Contact Mobil; Kurt Berger, Leiter Sozialdienst Spiez; Marianne Isenschmid, Stiftung Contact; Ueli Gnägi, Geschäftsleiter Wohnhilfe Thun, und Peter Michel, Gemeinderat Interlaken. Anne-Marie Günter

Sie diskutierten am Podiumsgespräch in Spiez: (v.l.) Eric Moser, Leiter Contact Mobil; Kurt Berger, Leiter Sozialdienst Spiez; Marianne Isenschmid, Stiftung Contact; Ueli Gnägi, Geschäftsleiter Wohnhilfe Thun, und Peter Michel, Gemeinderat Interlaken. Anne-Marie Günter

Das Thema des Podiumsgesprächs, zu dem die Stiftung Contact nach Spiez eingeladen hatte, war für Interlaken brandaktuell. Es ging um «Alkohol und Drogen im öffentlichen Raum – ein unlösbarer Konflikt ohne Patentrezept?»

Seit dem 1. April werden an der Ländte Interlaken-West die Leute weggewiesen, die wegen Suchtproblemen nicht mehr in den Alltag integriert sind und das Bedürfnis haben, sich zu treffen. «Die Szene bei der Schiffstation ist auf ein für einen Tourismusort nicht mehr tragbares Mass gewachsen», sagte der Interlakner Gemeinderat Peter Michel.

Sie habe Leute aus vielen Gemeinden und auch Asylbewerber angezogen. Ein Augenschein zeigts: BLS-Security-Leute weisen die Leute freundlich vom Ländteplatz weg, einige versammeln sich auf der Kanalpromenade. Wohin sollen sie sonst gehen?

«Wir haben einen kleinen Platz gefunden, aber wir können ihn nicht öffentlich bekannt geben», sagt Michel auf Nachfrage. Ziel ist es, keine so grosse Szene mehr entstehen zu lassen. Die Lösung wurde mit Betroffenen, mit der Unterstützung von Polizei und Contact mobil gefunden.

Mobile Beratung

Wie gross die Szene war, zeigen Zahlen, die Martin Blunschi von Contact mobil vorstellte: 168 Personen hat das Team in Interlaken getroffen, 2040 Klientenkontakte gehabt, 1124-mal kurz informiert und 375 komplexere Beratungen durchgeführt. Contact mobil ist ein Angebot von Contact, der Stiftung für Suchthilfe. Ihre Standorte sind Bern, Biel und Thun. Ihr Ziel ist es, die Risiken und Folgeschäden des Suchtmittelkonsums zu mindern.

Im Berner Oberland sucht das Team von Contact mobil Betroffene auf. Die Begegnungen werden geschätzt, wie ein Film mit drei Menschen aus Interlaken und einem aus Thun zeigte. Er zeigte, dass es um eine Art selbst geschaffene Tagesstruktur geht und nicht wie vor 25 Jahren um offenen Konsum harter Drogen und um Handel. Die meisten der Betroffenen sind 35 bis 50 Jahre alt.

«In Thun haben wir im öffentlichen Raum seit einem Jahr ­keine einzige Spritze mehr ge­funden», sagte Ueli Gnägi, Geschäftsleiter Wohnhilfe Thun. Er rief dazu auf, wo immer möglich mehr günstigen Wohnraum zu schaffen, um das Obdachlosenproblem zu lösen.

In Spiez, sagte Sozialdienstleiter Kurt Berger, gebe es im öffentlichen Raum wenig Probleme. Der Bahnhof sei ein Treffpunkt, aber von eher kleinen Gruppen, die sich auch altersmässig abgrenzten. Es werde hingeschaut. In der Fragerunde zeigte es sich, dass gerade im Fall von Interlaken das Problem den umliegenden Gemeinden gar nicht so bewusst ist. Der Datenschutz könne die Kommunikation erschweren, sagte eine Teilnehmerin.

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