Swen Kohler – Skorer, Trainer, Bowlinggott

Am Dienstag bestritt Swen Kohler sein 500. 1.-Liga-Spiel. Es war sein letztes. Der Walliser tritt nach 18 Saisons – 15 davon beim SC Unterseen-Interlaken – zurück. Eine Würdigung des Bowlinggottes.

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Samuel Günter@samuel_guenter

Das Publikum rief nach dem Bowlinggott. Und der Bowlinggott kam. Wie schon Dutzende Male in den letzten 15 Jahren. Doch dieses Mal war es anders. Es war das letzte Mal. Der Bowlinggott ist Swen Kohler – Publikumsliebling, Urgestein und Walliser beim Schlittschuhclub Unterseen-Interlaken. Doch nun ist Schluss.

Am Dienstag verlor sein Team auch die zweite Partie im Oberländer-Derby-Playoff gegen den EHC Adelboden, und die Saison ist zu Ende. Und damit auch die aktive Hockeykarriere des Swen Kohler. Notabene nach seinem 500. Spiel in der 1. Liga. Die Fans im Eissportzentrum Bödeli skandierten seinen Namen und holten ihn für eine Welle auf das Eis zurück – ein letztes Mal.

500 Spiele – eine beeindruckende Zahl. Wie viele Cracks vor Kohler auf diese Anzahl kamen, ist schwierig abzuschätzen, da Statistiken rar sind. Aber es werden sehr wenige sein. Immerhin bestritt der Walliser 18 Saisons in der 1. Liga (3 für Saas-Grund). Dazu kommen noch 63 Spiele für den EHC Visp in der NLB.

In den 500 Spielen erzielte der Bowlinggott 204 Tore und insgesamt 347 Punkte. Dass Kohler ein Skorer ist, erkannte auch der NHL-Scout Thomas Roost. Dieser war 2009 Gastreferent bei der Mannschaftspräsentation des SCUI und erkannte im Walliser auf den ersten Blick – und zu Recht – den Topskorer der letzten Saison. «Er hat die stämmigsten Beine – und auf kräftige Beine kommt es an beim Skoren», meinte der Fachmann.

Doch Kohlers Wert für die Mannschaft ging übers Punktesammeln hinaus. Stets ging er dorthin, wos wehtut und war kämpferisch und kameradschaftlich ein Vorbild. Das machte ihn beliebt bei Fans und Mitspielern.

Ja, auch den Verein prägte Kohler. 2007 sprach er beim damaligen SCUI-Präsident Beni Knecht vor. Er hatte ein Manko in der Jugendförderung entdeckt: Es gab keine Hockeyschule, wie er es aus Visp kannte. Deren Ziel ist es, Kinder ans Eis heranzuführen, noch bevor sie bei den Bambini mit dem eigentlichen Eishockey beginnen. «Dann mach du das», lautete die Antwort des Präsidenten. Und Kohler machte es und macht es noch heute.

Und wird es auch in Zukunft machen. Denn das Training mit den Kleinsten ist für Kohler eine Herzensangelegenheit und eine Freude. Und so können wir uns auch das Bild sparen vom Hockeycrack, der seine Schlittschuhe an den Nagel hängt. Der Bowlinggott wird seine Schlittschuhe weiter schnüren, wenn er eine begeisterte Kinderschar auf dem Eis dirigiert.

Swen Kohlers Eishockeyschule zu Gast am Ice Magic Interlaken. Video: Samuel Günter

Und so bleibt noch der Übername Bowlinggott. Der geht auf einen Bowlingabend mit den Fans zurück. Kohler – in dieser Sportart gänzlich unerfahren – begann schwach, steigerte sich aber zusehends. Und nach einem besonders geglückten Wurf hatte er den Übernamen weg.

Berner Oberländer

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