Spiez

SVP holt sich auch das Gemeindepräsidium

SpiezJolanda Brunner ist die erste Gemeindepräsidentin in Spiez. Mit ihrem klaren Sieg über SP-Widersacherin Ursula Zybach sichert die 55-Jährige der SVP erstmals das Präsidium seit Einführung des Vollamts 1977.

Die Freude bei Jolanda Brunner war erst noch etwas verhalten. Fragen: Jürg Spielmann / Video: Nathalie Günter

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Am Sonntag um 12.50 Uhr war der Moment der (Wahl-)Wahrheit gekommen. Renato Heiniger griff in der Burgerstube des Gemeindezentrums Lötschberg zum Glöckchen und liess dieses zünftig bimmeln. Der Präsident des Wahlausschusses läutete eine neue Ära für Spiez ein: Jolanda Brunner ist ab 2017 die erste Spiezer Gemeindepräsidentin und, mutmasslich, ebenso die erste Bürgerliche in einem präsidialen Vollamt im Kanton Bern.

Im Lager der SVP, welche bei den Gemeindewahlen vom 6. November mit Sitzgewinnen in Gemeinderat und Parlament bereits gross abgeräumt hatte, brandete erneut Jubel auf. Die klar Führende des ersten Wahlgangs liess sich, wie gemeinhin erwartet worden war, die Butter nicht mehr vom Brot nehmen.

«Die Freude wird immer grösser», meinte die frisch Gewählte im ersten Interview nach ihrer Wahl. «Anfangs war diese noch ­etwas verhalten, da ich doch eine gewisse Anspannung verspürt­ ­habe.» Die war eigentlich unnötig, denn der Sieg Brunners fiel glasklar aus: Mit 2807 Stimmen distanzierte die Vizegemeindepräsidentin die Spiezer Finanzvorsteherin Ursula Zybach (SP) um ganze 834 Zähler. In Runde eins hatte der Vorsprung noch 568 Stimmen betragen.

Auf die Unterlegene entfielen 41,3 Prozent der Stimmen, während sich 58,7 Prozent der Spiezerinnen und Spiezer für die gebürtige Holländerin ausgesprochen hatten. Die Wahlbeteiligung lag bei erfreulichen 51 Prozent, was für spontanen Applaus in der Burgerstube sorgte. Von total 4838 eingegangenen Wahlzetteln waren laut Wahlleiter Renato Heiniger deren 54 leer und 4 ungültig. Er verriet auch, dass in Spiez ein gewisser Donald Trump nur eine einzige Stimme erhalten hat ...

Das Zentrumsproblem lösen

Was den Ausschlag für das derart klare Verdikt gegeben hat, vermochte die erste Spiezer SVP-Gemeindepräsidentin am Sonntag nicht zu sagen. «Ich muss das zuerst analysieren. In den drei Wochen seit dem ersten Wahlgang ist aber einiges passiert. Es war ein Thema im Dorf, hat mobilisiert.» Die Leute hätten gemerkt, dass es um etwas gehe, das sie ganz direkt betreffe, sagte Brunner, zu deren ersten Gratulanten Thuns Stadtpräsident und Parteikollege Raphael Lanz (der auf einem Spaziergang in der Nachbargemeinde vorbeischaute) gehörte.

«In den drei Wochen seit dem ersten Wahlgang ist aber einiges passiert. Es war ein Thema im Dorf, hat mobilisiert.»Jolanda Brunner, SVP

Auf die Frage, was ab dem 1. Januar 2017, wenn sie das Amt von Franz Arnold (SP) übernommen hat, anders werde, erwiderte die 55-Jährige: «Ich weiss nicht, ob es wahnsinnig anders sein wird. Man hat gewisse Vorstellungen, was man anpacken will. Ob sich das 1 zu 1 so umsetzen lässt, wird sich zeigen.»

Prioritär will sich die Mediatorin, Mutter und Grossmutter dem Thema Oberlandstrasse/Zentrum annehmen. «Es gilt, die lancierte Nutzungsstrategie zu Ende zu bringen und zu definieren, wohin wir wollen. Damit verbunden ist die Zukunft von Coop und Post, die einen gewissen Bedarf an Raum haben, bevorzugt an der Oberlandstrasse. Ich werde mit diesen das Gespräch suchen, um zu eruieren, was sie brauchen und von uns erwarten.»

«Ich habe manchmal das Gefühl, dass zwar alle an einem Strick ziehen, aber alle in eine andere Richtung.»Jolanda Brunner, SVP

Ein weiteres Thema für sie ist, das Engagement, das in Spiez «von so vielen Leuten erbracht wird», zu bündeln. «Dies, damit wir eine gemeinsame Strategie haben, wohin wir uns entwickeln wollen. Ich habe manchmal das Gefühl, dass zwar alle an einem Strick ziehen, aber alle in eine andere Richtung.»

Nach der Wahl ist vor dem Amtsantritt. Wie Jolanda Brunner betonte, will sie bald erste Gespräche mit den Abteilungsleitern der Verwaltung sowie mit den Mitgliedern des auf vier Positionen veränderten Gemeinde­rates führen.

Am Sonntag aber stand freilich zuallererst die Wahlfeier auf dem Programm. Wurde bereits nach dem ersten Wahlgang ausgiebig gefeiert, stiess die erste Gemeindepräsidentin von Spiez am Sonntag mit ihren Wegbegleitern und Wegbereitern auf ihren Triumph an. (Berner Oberländer)

Erstellt: 27.11.2016, 19:00 Uhr

Hat das Resultat so erwartet: Ursula Zybach. (Bild: Patric Spahni)

Die unterlegene Ursula Zybach

«Spiez ist offenbar sehr wertkonservativ»

Für SP-Kandidatin Ursula Zybach, die auch im zweiten Wahlgang zum Spiezer Gemeinde­präsidium gegen Jolanda Brunner chancenlos war, hielt sich die Enttäuschung am Sonntag in Grenzen. «Ich habe mit diesem Wahlresultat gerechnet, die Differenz nach dem ersten Wahlgang war gross.» Die Wählerbasis der Bürgerlichen sei stärker als jene von SP, Grünen und EVP, fand die 48-jährige Gemeinde- und Gross­rätin zudem. «Ich danke meinen Wählerinnen und Wählern für die Unterstützung und versichere ihnen, dass ich mich im Gemeinderat stark engagieren werde.»

«Sachen, die bei einem Mann attraktiv und sexy sind, sind bei einer Frau offenbar besorgniserregend.» Ursula Zybach, SP

Zu möglichen Gründen, weshalb es für sie nicht gereicht hat, meinte die Lebensmittelingenieurin ETH: «Offenbar ist Spiez sehr wertkonservativ. Sachen, die bei einem Mann attraktiv und sexy sind, sind bei einer Frau offenbar besorgniserregend. Ich spiele dabei auf die öffentlich geführte Diskussion über das einjährige Parallelengagement als Kantonsratspräsidentin an, das offenbar ein Problem darstellt, was ich ehrlich gesagt nicht ganz verstehe, aber ein Thema war.»

Wie geht es bei Ursula Zybach politisch weiter? «Ich freue mich sehr auf die Aufgaben beim Kanton, einerseits bin ich sehr gerne Grossrätin, andererseits freue mich sehr auf mein Präsidialjahr.» Sie werde sich weiterhin für die sozialen Werte der SP einsetzen, so Zybach, «ich werde nun dafür mehr Zeit haben und stärker dafür kämpfen können im Gemeinderat». Einen weiteren Anlauf fürs Gemeindepräsidium schliesst sie zwar nicht kategorisch aus, sagt aber, dass sie die kantonale Politik schon sehr interessiere. «Wir werden sehen, was noch alles kommt ...» (jss)

Fragen: Jürg Spielmann / Video: Nathalie Günter

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