Suche nach neuen Kanälen

Mit einem Budget von jährlich 8400 Franken bewirbt der Verein Klassikfestivals Berner Oberland Kundschaft für Konzerte übers ganze Jahr. Der Präsident zieht Bilanz.

Das Gstaad Menuhin Festival mit dem «Messias» von Händel und Dirigent Paul McCreesh von 2017 in der Kirche Saanen. Foto: zvg/Raphael Faux

Das Gstaad Menuhin Festival mit dem «Messias» von Händel und Dirigent Paul McCreesh von 2017 in der Kirche Saanen. Foto: zvg/Raphael Faux

Svend Peternell

Vor sechs Jahren wurde der Verein Klassikfestivals Berner Oberland ins Leben gerufen. Der Zweck lautete eine zielgerichtetere Bewerbung sämtlicher im Oberland angebotener Festivals der klassischen Sparte. Von diesen gibt es 14 an der Zahl. Angefangen mit den Sommets Musicaux de Gstaad Ende Januar, Anfang Februar bis hin zur Opernwerkstatt Sigriswil Ende September bis Mitte Oktober.

Wie kann man das Zielpublikum am besten erreichen? Wie einen Festivalgänger von Meiringen nach Gstaad oder von Wengen nach Thun locken? Und umgekehrt? Wie kann die Marketingpräsenz erhöht werden? Welche Kanäle sollen bespielt werden? Wie viele Mittel stehen zur Verfügung?

Diese und andere Fragen beschäftigen den Vorstand rund um Präsident Markus Tschanz (39). Tschanz ist Pfarrer in der Kirchgemeinde Lauterbrunnen und als Organist unterwegs. Er selber war Präsident der Mendelssohn-Musikwoche Wengen von 2015 bis 2018.

Markus Tschanz ist Pfarrer in Lauterbrunnen und Präsident des Vereins Klassikfestivals Berner Oberland. Foto: Sam Günter

Donnerstag ist die DV in Spiez

Am Donnerstagabend um 19 Uhr lädt der Verein seine Mitglieder zur Delegiertenversammlung (DV) nach Spiez ein. An der letzten DV wurde das kleine, aber feine Gommer Festival Musikdorf Ernen vorgestellt, um den Blick über den Horizont zu weiten. Dieses Mal ist das Swiss Chamber Music Festival Adelboden an der Reihe. Präsident Peter Wüthrich wird sich zu Inhalten, Organisation und der Entwicklung äussern.

Viele Festivals befürworten den Status quo und sind aktiv auf ihren eigenen Kanälen. Einzelne möchten mehr Zusammenarbeit untereinander.»Markus Tschanz, Präsident Verein Klassikfestivals

Hat der Verein Klassikfestivals Berner Oberland insgesamt und konkret auch für die diversen Festivals unterschiedlicher Grösse und Ausstrahlung etwas gebracht? Tschanz zieht keine eindeutige Bilanz: «Die übergeordnete Werbeplattform wird sicher breit unterstützt. Viele Festivals befürworten den Status quo und sind aktiv auf ihren eigenen Kanälen. Einzelne möchten mehr Zusammenarbeit untereinander.» Wichtig sei aber, die Konzertgängerinnen und -gänger des einen Festivals auch über die jeweils anderen Angebote der Region zu informieren.

«Nicht aus Festivalkuchen»

Mit Marc Ungerer von Interlaken Tourismus stehe ein Kandidat für den Vorstand zur Wahl. «Er kommt mit dem Blick von aussen in den Festivalvorstand hinein», so Tschanz. «Er kennt sich in der Kommunikation aus, hat Erfahrung mit Flyern und dem Bespielen verschiedener Kanäle.»

Einer dieser Kanäle ist die Bildschirmwerbung in den Bussen. Hier bestehe die Möglichkeit, neues Publikum anzusprechen. «Das eigentliche Zielpublikum erreichen wir aber wohl direkter durch verschiedene Magazine mit Klassikbezug. Da kann man persönlicher ansprechen», meint Tschanz. Stärker bewerben und bewirtschaften will man auch die Social Media. «Das ist sicher eine Seite, auf der wir die Festivals aufwerten möchten.

Positiv vermerkt Tschanz weiter: «Dass wir mit der Volkswirtschaft Berner Oberland unterwegs sind, wird von uns sehr wertgeschätzt. Wir erhalten administrative Unterstützung und werden entlastet. Wir können das Know-how in Sachen Marketing nutzen.»

Eine Szene der Schlosskonzerte Spiez von 2017 in der Schlosskirche mit Julian Frey am Cembalo und Alicia Lopez. Foto: Markus Hubacher

Wie siehts mit den zur Verfügung stehenden Mitteln aus? «Festivals, die Mitglieder sind, haben Teilnehmergeld zu entrichten», erklärt Markus Tschanz: «Der Mitgliederbeitrag beläuft sich gegenwärtig auf 600 Franken pro Teilnehmer.» Rechnet man das auf 14 Teilnehmer hoch, ergibt das eine Summe von 8400 Franken, die dem Verein Klassikfestivals Berner Oberland pro Jahr zur Verfügung steht.

Dieses Geld wird für Druckkosten, Postversand, die Gestaltung von Flyern und der Website verwendet. Entschädigungen werden keine entrichtet: «Wir arbeiten alle ehrenamtlich.» Eine Erhöhung der Mitgliederbeiträge steht an der Delegiertenversammlung nicht zur Debatte.

«Wünsche für neue Marketingfelder nehmen wir jederzeit von den Mitgliedern entgegen.» Nicht infrage kommt das Angehen von Sponsoren, «um nicht in Konkurrenz zu den Mitgliederfestivals zu treten», sagt Präsident Markus Tschanz.

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt