Stolz, bodenständig und erfolgreich

Hofstetten

Trauffers Triumphzug durch die Konzertlokale gipfelte in einem pompösen Auftritt im ausverkauften Hallenstadion. Kein Schweizer Künstler verkaufte 2018 mehr Alben als unser BO-Kopf des Jahres.

2018 zeigte der musikalische Weg für Trauffer steil nach oben. Wir küren den Hofstetter zum BO-Kopf des Jahres.

2018 zeigte der musikalische Weg für Trauffer steil nach oben. Wir küren den Hofstetter zum BO-Kopf des Jahres.

(Bild: PD/Marc Riesen)

Plakativ könnte man sagen: Alles, was Trauffer im Jahr 2018 anfasste, wurde zu Gold. Oder zu Platin. Es war das Jahr der Superlative; die Krönung eines beispiellosen Aufstiegs in den helvetischen Musik-Olymp, den er selber noch immer kaum begreifen will. Eine Erfolgsmeldung folgte auf die nächste.

Das ak­tuellste Beispiel kam erst am Sonntagnachmittag: Platz 1 in den offiziellen Jahresalbumcharts der Schweiz holte sich – noch vor Eminem, Ed Sheeran und anderen Grössen – der heimatverbundene Holzspielwarenverkäufer aus Hofstetten bei Brienz.

Trauffer hat in der Schweiz mehr Alben verkauft und mehr Downloads oder Streamings erreicht als der ganze musizierende Rest der Welt. Das aktuelle Album «Schnupf, Schnaps & Edelwyss» wurde mit Doppelplatin, der Vorgänger «Heiterefahne» gar mit Dreifachplatin ausgezeichnet.

Ausverkauftes Hallenstadion

Auch Trauffers Konzertjahr 2018 war ein pompöser Siegeszug durch die Hallen in der ganzen Deutschschweiz. 24 Alpentainer-Partys gab es zu feiern, viele von ihnen waren ausverkauft. Die grösste Sause stieg am 23. November im Zürcher Hallenstadion. Als Aufhänger für diese Show diente Trauffers 10-Jahr-Jubiläum als Solokünstler. Zwei riesige Renault-Trucks der Eventfirma Livesound wurden für die Bewerbung dieses Konzerts mit den Trauffer-Sujets geschmückt.

Die breit angelegte Werbe­aktion hat sich gelohnt; Trauffer schaffte es – erst als zweiter Schweizer Künstler nach Gölä –, das Hallenstadion restlos zu füllen. Der erwähnte Büezer-Rocker war übrigens nur eine Woche nach Trauffer ebenfalls im Hallenstadion zu Gast. Er feierte hier sein 20-Jahr-Bühnenjubiläum mit gleich drei Konzerten. In ihrer Swissness geeint, war Gölä bei Trauffer in Zürich als Gast auf der Bühne, und umgekehrt.

Werktags in der Firma

Auch bei den hiesigen TV- und Radiostationen ist der sympathische Heimatrocker Trauffer inzwischen ein Dauergast. Das Schweizer Fernsehen beispielsweise bot ihm am Samstagabend eine mehrstündige Plattform in gleich drei Sendungen: Zuerst war er Gast im Finale der «Landfrauenküche», später gab es eine Wiederholung des Dokfilms «Heimatsound», das den Entstehungsprozess von «Schnupf, Schnaps & Edelwyss» auf einer Alp im Justistal zeigt. Dazwischen wurde eine Aufzeichnung seines Hallenstadion-Konzerts ausgestrahlt.

Der Event im November wurde natürlich auch von vielen Zeitungen besprochen. So schrieb etwa die «Solothurner Zeitung»: «Es ist ein Prestigeprojekt, vielleicht auch eine kleine Machtdemonstration. ‹Seht her: Ich habs geschafft›, schreit fast alles an diesem Abend. So sehr Trauffer den bodenständigen Typen von nebenan gibt, so unverhohlen ist er stolz auf das Erreichte.»

Stolz und bodenständig. Und erfolgreich – nicht nur als Mu­siker, sondern auch als Unternehmer. Seine Holzspielwarenfirma floriert. Und Marc Trauffer nimmt seine Verantwortung als Firmenchef wahr, leitet werktags die Geschicke des Familienunternehmens und beschränkt die Konzerte bewusst auf die Wochenenden. Auch im Jahr 2018 war das so, mit ganz wenigen Ausnahmen. «Die Holzkühe und meine Firma sind mein Leben, meine Familiengeschichte. Das wird immer an erster Stelle stehen», sagte er Anfang Jahr in der Zeitung «Blick».

«Es ist wie Husten»

Zum Thema musikalischer Erfolg äusserte er sich mal folgendermassen: «Es ist wie Husten. Plötzlich hat man ihn und weiss nicht, warum. Und plötzlich ist er wieder weg, und man weiss auch nicht, warum.» Die Belastung mit Musik und Firma könne er auf Dauer nicht durch­halten. Wohl auch deshalb hat Trauffer nach dem Konzert im Hallenstadion eine zweijährige künstlerische Pause angesagt. Konzerte wird es erst 2020 wieder geben.

Auf den ersten Blick ist dieser Entscheid mutig für einen Künstler, der auf einer derartigen Erfolgswelle unterwegs ist. Doch Trauffer ist eben auch authentisch und setzt seine Prioritäten in nächster Zeit anderswo. Auf seine musikalische Rückkehr darf man gespannt sein.

Berner Oberländer

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