Steigt Blocher ins Berner Mediengeschäft ein?

Christoph ­Blocher schliesst es nicht kategorisch aus, ins Mediengeschäft im Berner Oberland einzusteigen: «Was nicht ist, kann noch werden», sagte er an einer Wahlveranstaltung im Zulgtal.

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«SVP bi de Lüt» hiess es am Freitagabend im Oberstufenzentrum Unterlangenegg. 200 Anhängerinnen und Anhänger der Partei pilgerten in die Turnhalle, wo sich zunächst SVP-Kandidatinnen und -Kandidaten aus dem Wahlkreis Thun vorstellten, sowie die beiden Regierungsräte Christoph Neuhaus und Pierre Alain Schnegg. Sie alle streben bei den kantonalen Wahlen vom 25. März einen Sitz an.

«Absoluter Höhepunkt», wie Moderator Samuel Krähenbühl sagte, war indes der Auftritt von Alt-Bundesrat Christoph Blocher. Bevor er seinen Anhängerinnen und Anhängern den bekannten Mix aus kecken Sprüchen, Schuldzuweisungen, Appellen an Schweizer Werte sowie Kritik an EU und anderen Parteien präsentierte, nahm er sich Zeit, dieser Zeitung einige Fragen zu beantworten.

Was macht ein Zürcher Unternehmer an einem Wahlanlass auf dem Land im Kanton Bern? Muss der dynamische «Züri-Löi» dem Berner Bär die Behäbigkeit aus dem Fell klopfen?
Christoph Blocher: Das müssten Sie die Berner fragen. Aber als Bürger von Schattenhalb bin ich ja auch Berner... Wahlen als solche sind ja nicht ein Berner oder ein Zürcher Thema. Das will ich den Leuten mitgeben und ihnen sagen, wie wichtig Wahlen sind.

Ganz generell – oder explizit am 25. März im Kanton Bern?
Sowohl als auch. Wir brauchen Leute, die ihre Sache gut machen und nicht nur schön vom Plakat runterlächeln.

Auf den Fahnen hier in der Halle lesen wir «Deine Stimme zählt». Könnte dieser Slogan in dem Fall von Ihnen stammen?
Wahrscheinlich nicht. Er ist etwas brav. Wir Zürcher werben mit «Den Saustall ausmisten» für den Stadtrat. Da musste ja eine SP-Kandidatin vier Wochen vor den Wahlen zurücktreten, weil sie einen solchen Saustall in ihrer Direktion hat. Tatsache ist doch, dass wir immer weniger Politiker haben, die zur Schweiz stehen. Das fängt in Bundesbern an und setzt sich in den Kantonen und Gemeinden fort. Deshalb will ich den Berner Oberländern auch ­sagen, dass sie wählen gehen sollen, damit die Bürger noch bestimmen.

Ist Ihnen wichtig, für wen die Leute an der Urne stimmen?
Natürlich. Wer links stimmt, muss nicht unbedingt an die Urne gehen. Aber es sind ja nicht nur linke Oberländer, die nicht an die Urne gehen, sondern auch unsere Leute.

Sie haben hier auch schon über die Geschichte von Ulrich Ochsenbein gesprochen, den ersten Berner Bundesrat, der hier ­geboren ist und als Vater des modernen Bundesstaates gilt. Sehen Sie sich in dieser Linie?
Er gilt nicht nur als Vater des Bundesstaates, er ist der Schöpfer der Bundesverfassung. Er stand bedingungslos ein für die Schweiz. Natürlich schätze ich ihn. Aber wie gesagt, ich habe mich nicht selber eingeladen. Ich bin auf der Durchreise zu meiner Frau, die derzeit in Schönried ist. Und deshalb war für mich klar, dass ich hier haltmache, als die Anfrage kam.

Ihre Frau in Schönried, Sie Bürger von Schattenhalb. Haben Sie noch andere persönliche Bezüge zum Berner Oberland?
Ich war früher intensiver Berggänger und kenne die hiesigen Berge alle; in jüngeren Jahren war ich auf Eiger, Mönch und Jungfrau. Bis letztes Jahr machte ich jedes Jahr die wunderbare Wanderung von der Schynigen Platte aufs Faulhorn und übernachtete da oben. Hinzu kommt: Ich bin Sammler von Anker- und Hodler-Bildern. Und von Hodler habe ich eine Reihe wunderschöner Landschaftsbilder aus dem Berner Oberland. Eiger, Mönch und Jungfrau im Mondschein oder im Nebel, Niesen, Stockhorn...

Was gefällt Ihnen besser: Das schön gestaltete Bild – oder die manchmal nicht ganz perfekte Natur?
Die Natur als solche ist etwas Wunderbares. Aber die habe ich daheim nicht jeden Tag. Die Bilder habe ich jeden Tag. Und gerade Hodler hat nicht immer nur die Natur abgebildet, sondern eben auch gestaltet. Ich habe ein Bild vom Männlichen, gemalt von der Schynigen Platte aus. Wenn Sie dort stehen und daneben das Bild betrachten, stellen Sie fest: Da fehlt ein Berg dazwischen. Er nahm sich diese künstlerische Freiheit, um den Männlichen richtig in Szene zu setzen.

Heute ist es unser Job als Medienleute, Menschen in Szene zu setzen. Fühlen Sie sich medial richtig dargestellt?
Der grosse Teil der Medien, der Zeitungen, war früher fanatisch gegen mich. Das war furchtbar, etwa im Vorfeld der grossen Europa-Abstimmung 1992. Aber damals waren auch alle Zeitungen auf der falschen Seite. Die Journalisten, die all diesen Mist schreiben mussten, taten mir leid. Heute gibt es ja nicht mehr viele, die zugeben, dass sie damals gegen mich waren.

Trotzdem: Schaffen Sie deshalb jetzt Remedur und agieren nach einer Karriere als Industrieller, nach einer Karriere als Politiker jetzt noch eine Karriere als Medienunternehmer?
Ich stelle fest, dass ein unglaub­licher Konzentrationsprozess im Gang ist. Es gibt fast keine Medienvielfalt mehr. Sie können heute den «Bund» lesen, den «Tages-Anzeiger» oder die «Zürichsee-Zeitung», und es steht überall das Gleiche drin. Deshalb habe ich das mit der «Basler Zeitung» an die Hand genommen – in einer Stadt, die mir eigentlich recht fremd ist. Wir konnten diese Zeitung retten, sie steht gut da. Ob das indes auf die Länge reicht, kann ich nicht sagen. Aber mit dem Kauf der Zehnder-Gruppe mit 27 Lokalzeitungen im letzten Jahr habe ich jetzt ein neues wichtiges Standbein. Dort können wir den Fokus aufs Lokale legen. Das ist in Zeiten, in denen alles immer globaler wird, immer wichtiger. Sie machen ja genau das bei Ihrer Zeitung: Sie stellen Ihre Region in den Mittelpunkt und sind dabei, wenn – wie heute – in Unterlangenegg eine Veranstaltung stattfindet. In Zürich, wos nur noch zwei grosse Zeitungen gibt, macht das niemand mehr.

Wenn Sie über die Medien politisch wirken wollen, müssten Sie in Bern medial aktiv werden. Warum sind der Kanton und das Berner Oberland noch ein weisser Fleck auf Ihrer Medienkarte?
(Überlegt) Was nicht ist, kann noch werden. Wer weiss, vielleicht ergibt sich einmal eine Gelegenheit.

«Die guten, tüchtigen Leute schreiben keinen Seich.»Christoph Blocher

Suchen Sie solche Gelegen­heiten aktiv?
Nein, nein. Die «Basler Zeitung» stand zum Verkauf und war eigentlich schon vergeben, aber wir konnten dann doch noch einsteigen. Bei Zehnder war es ähnlich: Ich hörte, dass er verkaufen will, und sagte, diese Gelegenheit sollten wir ergreifen.

Greifen Sie auch ins Tages­geschäft dieser Zeitungen ein?
Nein, dafür haben wir die richtigen Leute. Die neuen Zeitungen müssen wir jetzt erst einmal organisatorisch neu ordnen. Herr Somm besorgt das Publizistische, Herr Bollmann ist der Geschäftsführer. Ich rede da nicht drein.

Markus Somm schreibt wahrscheinlich ohnehin, was Sie ­gerne lesen...
Hoffentlich. Die guten, tüchtigen Leute schreiben dann auch keinen «Seich».

Ist «Seich» Meinung, oder ist «Seich» Fakt?
Wenn einer schreibt, was ist, dann ist es gut. Wenn einer das Gegenteil schreibt, dann ist es eben «Seich». Die Meinungsäusserung dann ist natürlich frei. Oft wird etwas nicht geschrieben, weil es nicht geschrieben werden darf. Das ist unsere Devise: Was man sieht, das muss man schreiben.

Das heisst, Sie suchen jenes Personal, das Ihre Haltungen teilt?
Ja natürlich, aber das allein genügt nicht.

Was geben Sie den Leuten heute Abend mit?
Das kann ich Ihnen noch nicht sagen. Ich werde mir jetzt anhören, was meine Vorredner sagen – und dann werde ich dann schon einige Punkte finden, auf die ich den Finger drauflegen muss. (Thuner Tagblatt)

Erstellt: 11.02.2018, 14:52 Uhr

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