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Der Mann, der James Bond bis heute treu blieb

wengenDer Wengener Stefan Zürcher half beim Bond-Filmdreh 1968 bei der Vorbereitung der Actionszenen mit. Geblieben sind ihm viele Erinnerungen an diese Zeit – und eine Karriere beim Film.

Stefan Zürcher 2008 vor einer Kulisse des Bond-Filmes 
«Ein Quantum Trost» in Bregenz.

Stefan Zürcher 2008 vor einer Kulisse des Bond-Filmes «Ein Quantum Trost» in Bregenz. Bild: PD

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Schon gut zwei Monate vor den Dreharbeiten für «Im Geheimdienst Ihrer Majestät» war Stefan Zürcher erstmals zur Bond-Familie gestossen. Im August 1968, er war gerade von einem dreijährigen Aufenthalt in Nordamerika zurückgekommen, war der Wengener in Mürren bei den Vorbereitungen für die Actionszenen beteiligt. Der hervorragende Skifahrer brachte nicht nur die notwendigen Sprachkenntnisse mit, sondern hatte in Vail, in Banff und anderen Ski­resorts bereits Filmerfahrung gesammelt, vorwiegend bei Werbespots.

100 Franken pro Tag plus Kost und Logis: So viel verdiente ­Stefan Zürcher für seine sechsmonatige Mitarbeit. Inbegriffen waren aber auch Erlebnisse und Erfahrungen, von denen er noch heute mit Begeisterung erzählt.

Luggi und Anthony

«Ich durfte mit einigen der besten Skifahrer der Welt zusammenarbeiten», sagt Zürcher. Dazu gehörte zum Beispiel Ludwig Leitner, der Kombi-Weltmeister von 1964. «Luggi war unser Versuchskaninchen bei den Sprüngen über die bis zu 20 Meter breiten Gletscherspalten.»

Gefilmt wurden diese Szenen nahe der Mutthornhütte, wo das Skiteam rund zwei Monate wohnte. Stefan Zürcher schmunzelt: «Von den Partys unten im Dorf bekam ich eigentlich gar nichts mit, und mit Hauptdarsteller George Lazenby – er hatte ein gesundes Selbstvertrauen – und den anderen Stars hatte ich höchstens mal ein gemeinsames Mittagessen.»

Ebenso schmunzelnd erinnert er sich an Anthony Squire, der zu Beginn als Second-Unit-Regisseur für die Action zuständig war. «Jedes Mal, wenn er auf die Toilette musste, liess er sich per Helikopter von der Mutthornhütte runter nach Mürren fliegen, und wir mussten jeweils stundenlang untätig auf seine Rückkehr warten.»

Das änderte sich aber blitzschnell, als eines Tages Produzent Albert Broccoli auf Besuch kam und von Squire die bisher gefilmten Sequenzen sehen wollte. Zürcher: «Nach zwei Monaten Drehzeit waren lediglich eineinhalb Minuten im Kasten – Squire wurde gefeuert und durch John Glen ersetzt.»

Bavaria und Hollywood

Für Stefan Zürcher hingegen wurde die Bond-Produktion zum Sprungbrett für eine grosse Karriere im internationalen Film­geschäft. Nach Abschluss der Dreharbeiten in Mürren wechselte er wieder die Talseite und half am Lauberhorn bei der Hollywoodproduktion «The Downhill Racer («Schussfahrt») mit Robert Redford, den Zürcher doubelte.

Danach gings weiter nach München, wo er in den Bavaria-Studios eineinhalb Jahre zusammen mit dem Second Assistant Director an rund vierzig Filmen wie «Das Boot» und «Cabaret» (Zürcher: «auch heute noch mein absoluter Lieblingsfilm») arbeitete.

Regie-Stars

Auch in den nächsten Jahrzehnten ging es Schlag auf Schlag. George Lucas, Steven Spielberg und Ron Howard sind nur einige der Regiestars, für die Stefan Zürcher tätig war. Und immer wieder folgte er dem Ruf der Bond-Produzentenfamlie Broccoli, insgesamt schon elfmal.

Will er das Dutzend noch vollmachen? «Ja, es gibt Gespräche über eine Zusammenarbeit für den nächsten Bond-Film. Vor kurzem nun wurde endlich ein Regisseur gefunden, und für nächsten März sind schon Dreharbeiten in Kanada terminiert.» Wobei, so fügt der 73-Jährige an, «ich nicht mehr allzu viele Zentimeter meines restlichen Lebensmeters in einer Eiswüste verbringen will.»

Kritik und Mythos

Kritisch geht Zürcher nicht nur mit sich selber um. Kulturpolitisch liege einiges im Argen, sagt er: «Im Bundeshaus interessiert sich niemand für eine Unterstützung grosser Filmprojekte. Darum kommt Bond nicht mehr in die Schweiz, sondern bevorzugt Länder wie Österreich. Aber wir könnten von solchen Filmmythen nachhaltig profitieren, wie das Beispiel Schilthorn beweist.»

Apropos Mythos: Wer so lange am Mythos James Bond mitgeschaffen hat wie Stefan Zürcher, wird die Faszination, das Phänomen eher hinterfragt haben als das Publikum. Könnte man meinen. Aber bei Zürcher ist eher das Gegenteil der Fall: «Ich spüre den Mythos mehr denn je, er ist Teil meines Lebens. Und wenn ein Mythos immer stärker wird, kann er sogar in Sucht ausarten.» ((aka))

Erstellt: 15.10.2018, 13:00 Uhr

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