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Stabübergabe auf der Alp

Von der Alp Obriste Morgeten berichtet nun Hans Ulrich Schaad, derweil kehrt Laura Fehlmann ins Tal zurück.

Stabübergabe: Hans Ulrich Schaad berichtet nun von der Alp, Laura Fehlmann kommt ins Tal zurück.
Stabübergabe: Hans Ulrich Schaad berichtet nun von der Alp, Laura Fehlmann kommt ins Tal zurück.
Raphael Moser

Abschied von der Alp

Tschüss Ronja, Fiona, Narzisse, Maloja und ihr anderen Kühe. Ich habe euch zum letzten Mal gebürstet und mich von jeder von euch verabschiedet. Danke für das Vertrauen, das ihr mir geschenkt habt, die liebevollen Blicke, Stupser und die Zärtlichkeiten mit der Schmirgelpapierzunge. Ich werde euch vermissen. Eure Milch. Und vor allem die Menschen, die sich Tag für Tag um euch kümmern.

Ein Abschied ist immer ein ­wenig wie sterben – und ein Neubeginn. Vielleicht habe ich das Alpleben ja zu sehr idealisiert? Etwa die Ruhe. Diese ist nachts perfekt, aber tagsüber ist die nahe Zivilisation doch spürbar. Manchmal stören Helikopter, Armee- und andere Flieger die Idylle empfindlich. Und morgens und abends dröhnen die Melkmaschinen von Mittliste und Obriste Morgeten. Aber das wars auch schon. Ich habe Ruhe getankt, obschon ich täglich mehrmals den Berg hochgerannt bin. Oder vielleicht gerade deswegen? Körperliche Bewegung beruhigt ja unseren unruhigen Geist.

Laura Fehlmann verabschiedet sich von der Alp. Bild: Enrique Muñoz Garcia
Laura Fehlmann verabschiedet sich von der Alp. Bild: Enrique Muñoz Garcia

Der lange Tag und die ungewohnte Arbeit waren zwar hart, aber ich konnte mein Tempo ­leben. Zudem ist die reine Bergluft für mich als Asthmatikerin heilsam. So tief durchatmen kann ich sonst selten. Ich spüre: mir fällt der Abschied von der Alp Obriste Morgeten schwer, richtig schwer. Würden mich nicht andere Verpflichtungen rufen, könnte ich es da oben ­ohne weiteres gut aushalten bis Herbst. Bestimmt werde ich nachts zu Hause aufwachen und den Glockensound ver­missen.

Das ist mein letzter Text, den ich hier hoch oben am Hügel schreibe, dem einzigen Platz, wo es Internetempfang gibt. Unten bimmeln Ziegenglöckchen, und über mir rattert ­soeben ein Helikopter vorbei und erinnert mich, dass mich in einigen Stunden die Zivilisation wieder hat. Aber die Erinnerung an Ronja, Fiona, Narzisse und alle andern wird bleiben. _________________________________________

Weder prominent noch kriminell

Ich habe mich lange auf jenen Tag gefreut, an dem es ab auf die Alp Obriste Morgeten geht. Das Datum war in der Agenda rot angestrichen. Wobei ich zugeben muss, dass sich unter die Vorfreude auch eine gewisse Nervosität mischte. Obwohl ich die Kolumnen von Kollegin Laura Fehlmann immer aufmerksam gelesen habe und deshalb etwa weiss, welche Arbeiten mich auf über 1860 Meter über Meer bei der Familie Siegenthaler erwarten.

Nicht geahnt hätte ich, dass meine Wanderung von der Unteren Gantrischhütte in Richtung Morgetenpass bei zwei Wanderinnen für grosse Augen sorgten. Sie schauten jeweils zurück, als mir Fotograf Raphael Moser Anweisungen gab. Auch mein riesiger Rucksack und die Laptop-Tasche in der Hand machten die beiden Bernerinnen stutzig. Bei einem kurzen Zwischenhalt kamen wir ins Gespräch und ich konnte das Rätsel lösen.

«Nein, ich bin nicht prominent und der Fotograf ist kein Paparazzo», erklärte ich ihnen. Und in der schwarzen Tasche würden sich keine geheimen Dokumente und keine Schmugglerwaren befinden. Die beiden Frauen entpuppten sich als BZ-Leserinnen, die bereits Artikel unserer Serie Bergsommer gelesen hatten. Sie seien auf dem Weg nach Weissenburg, erzählten sie. Wir sollten auf der Alp Obriste Morgeten schon mal das Wasser aufsetzen, sie kämen auf einen Kaffee vorbei.

Hans Ulrich Schaad lässt uns ab jetzt am Bergsommer teilhaben. Bild: Raphael Moser
Hans Ulrich Schaad lässt uns ab jetzt am Bergsommer teilhaben. Bild: Raphael Moser

Auf dem Morgetenpass testeten der Fotograf und ich die neue Sitzbank, welche die Bauernfamilie Siegenthaler vorletzte Woche mit einem Helikopter zum Kiosk hochflogen. Mit Blick auf das Wanderziel kamen wir erneut mit einer Wandergruppe ins Gespräch. Diesmal war ich sehr erstaunt. Mitglieder der Gruppe erzählten, dass sie die Kolumnen von Laura Fehlmann gelesen hatten. Um ihre Aussagen zu unterstreichen, nannten sie jene Geschichten mit dem Güggel oder die Talfahrt im Jeep mit Rosemarie Siegenthaler.

Der Empfang war herzlich. Sogar Hund Rex schien mich nach den drei bisherigen Besuchen wiederzuerkennen. Nach einem feinen Mittagessen fand quasi eine fliegende Übergabe statt. Laura besorgte den Abwasch, ich trocknete das Geschirr ab und lernte gleich, was wo zu versorgen ist. Besser hätte der Start kaum sein können. Die Nervosität ist endgültig verflogen, und ich freue mich auf die nächsten zweieinhalb Wochen auf der Alp Obristen Morgeten.

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