Mülenen

Schienen halten seit über 100 Jahren

MülenenDie Schienen stammen aus der Bauzeit um 1907, ebenso die Pfeiler aus Bruchstein. Derzeit laufen bei der Niesenbahn Bauarbeiten, die dem Erhalt des Trassees dienen.

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Jede halbe Stunde eine kurze Pause machen die Bauprofis auf der Kreuzungsstelle auf knapp 1000 Metern über Meer zwischen der Tal- und den Mittelstation der Niesenbahn. Nicht etwa, weil sie ob der harten Knochenarbeit müde wären, sondern weil die beiden Wagen auf- und abwärts ohne Halt vorbeifahren.

111-jährig und intakt

«Die Erhaltungsarbeiten dauern je nach Resultat von Probebohrungen zwei bis fünf Jahre», sagt Jürg Stoller, Leiter Unterhalt der Niesenbahn AG. Deshalb liessen sich die Kosten auch nicht berechnen. Ersetzt wird beim Trassee nur die betonierte Tragplatte aus den 1970er-Jahren, die Pfeiler aus Bruchsteinmauern werden lediglich periodisch kontrolliert.

Auf noch unbestimmte Zeit weiterverwendet werden die Schienen aus dem Jahr 1907. Sie zeigen kaum Abnützungen, da die pro Sektion zwei Wagen am Seil darübergezogen werden. ­Anders als bei Flachbahnen, wo angetriebene Räder Schäden verursachen können.

Der Schienenstahl und seine Befestigungen an den Schwellen erweisen sich als so stabil, dass die Tacktack verursachenden Stösse über weite Strecken verschweisst werden konnten. Obwohl sich Metall bekanntlich bei Hitze ausdehnt und bei Kälte zusammenzieht. Zum ruhigen Lauf trägt auch der Ersatz der seilführenden Rollen aus Stahl durch Kunststoffführungen bei.

«Unkraut reisse ich auf der ganzen Strecke von Hand aus.»Jürg Stoller, Leiter Unterhalt

«Anders als auf Autobahnen, die dem Salz ausgesetzt sind, bleiben bei uns Beton und Stahl davor verschont», erklärt Jürg Stoller. «Unkraut reisse ich auf der ganzen Strecke von Hand aus», ergänzt er, «wir verwenden nur ­wenig Spritzmittel.»

Zu dieser Handarbeit gehört auch die Treppe neben dem Trassee, die mit ihren 11 674 Stufen als längste der Welt gilt. Sie ist über weite Strecken mit Bruchsteinen aus der Bauzeit aufgemauert. Die 3499 Meter lange Standseilbahn ist von 1906 bis 1910 erbaut worden.

Einblick an Berg und Computer

Neuerdings lässt die Niesenbahn erstmals Bauarbeiten direkt vor Ort verfolgen. «Gruppen ab zehn Personen zeigen wir auf Anmeldung den Baufortschritt am Berghaus gern», sagt die Marketingleiterin Cristina Dähler. Anfänglich geplante Führungen zur Kreuzungsstelle hat das Unternehmen aus Sicherheitsgründen wieder verworfen.

In einem Blog lassen sich die Arbeiten auch von zu Hause aus am Bildschirm verfolgen. Die Situation in Echtzeit und im Rückblick zeigt eine Webcam beim Berghaus. Dank der temporären Transportseilbahn steht die Niesenbahn selber ihren Gästen uneingeschränkt zur Verfügung.

Mit wenig Einschränkungen bleibt auch das Berghaus auf Kulm offen; von der Bautätigkeit nicht tangiert ist der historische Bogenkeller mit Baujahr 1856. Dieser Keller, die Bruchsteinmauern des Berghauses, lassen erahnen, was vor über 150 Jahren bereits die Vorfahren der heutigen Bauprofis mit ihren Maul­tieren an Schwerstarbeit ge­leistet haben. (Berner Oberländer)

Erstellt: 14.06.2018, 06:14 Uhr

Besuch der Antriebsstation

Zu Besichtigungen in Gruppen (auf Anfrage) lädt die Niesenbahn auch in ihre Antriebsstationen Schwandegg und Kulm ein. Nebst dem Staunen über die mächtige Elektromechanik erfahren die Besucherinnen und Besucher Spannendes über die Sicherheitstechnik. Die Seile weisen im Verhältnis zum Wagengewicht eine achtfache Reissfestigkeit auf. Bei Geschwindigkeitsübertretungen sorgen Fliehkraftregler in den Antriebsstationen für sicheres Anhalten. Dabei kommen zwei voneinander unabhängige Bremsen zum Einsatz.

In den Wagen dienen ebenfalls zwei auf die Schienen wirkende Bremsen für zusätzliche Sicherheit. Ist der abwärtsfahrende Wagen schwerer beladen als der aufwärtsfahrende, wirkt der Motor zusätzlich als Bremse (Rekuperation). Sämtliche Vorrichtungen werden periodisch geprüft und vom Bundesamt für Verkehr mittels Audit beaufsichtigt. Trotz dieser Sicherheit ist der Neubau von Antrieb und Sicherheitstechnik aus den 1990er-Jahren im Zeitraum 2023 bis 2025 geplant. Dies wegen des Fakts, dass Ersatzteile immer schwieriger zu beschaffen sind. gls

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